Ein Reisebericht von:
Safari wangu, Reiseberichte und Infos


Text Jörg, Fotos Petra und Jörg Reinecke sowie Silke und Falk Witte (digital)

Luluka, Leopardin


Menschen, Tiere, Emotionen
oder die erste und die letzte Safari
- Eine Safari mit Freunden durch die Masai Mara, den Tsavo West inkl. Lumo und Ngutuni Reservat sowie an den Rand des Amboseli National Parks -
- Februar / März 2025 / Teil VI -




Erfolgreiche Jäger - Löwen, Leoparden und Geparden in Action
Als wir am nächsten Morgen vom Teresita-Camp aufbrachen, hatten Silke und Falk ungefähr Deutschland erreicht. Wir hingegen fuhren erst einmal zum Sunworld-Office, um ein wenig Ausrüstung ab- und unser Gepäck umzuladen. Letztendlich bereiteten wir uns auf fast drei weitere Wochen Safari vor. Zunächst hatten wir geplant, ungefähr acht weitere Nächte in der Masai Mara zu verbringen, dann einen kurzen Abstecher an den Naivasha-See bzw. auf Crescent Island einzubauen, um am Ende mit guten Bekannten noch eine Woche im Laikipia-Gebiet auf Sandai und im Laikipia Wilderness Camp zu verbringen. Speziell die letzten vier Tage dieses Safariabschnittes hatten das ehrgeizige Ziel, erneut die schwarze Leopardin Giza beobachten zu können. Nicht nur, dass die schwarze Leopardin ein Highlight der Extraklasse ist, wussten wir von guten Freunden auch, dass die inzwischen knapp vierjährige Leopardin zwei wenige Wochen alte Junge hatte. Diese waren zwar normal gefleckt und nicht schwarz, aber trotzdem einen erneuten Besuch der Region wert.

Nun standen wir an dem Tag aber erst einmal bei Sunworld auf dem Hof, freuten uns, Dave wiederzusehen, und kümmerten uns um unser Gepäck, von dem wir einen Teil (die Kleidung für die Küste) dortlassen wollten. Praktisch gleichzeitig erhielt der Land Cruiser einen kleinen Service, nachdem ich gefragt hatte. Hätte ich allerdings geahnt, was man in der Sunworld-Werkstatt unter kleinem Service verstand, hätte ich vielleicht nicht gefragt. In Windeseile war der Wagen aufgebockt, Reifen, Aufhängungen und Leitungen wurden überprüft, alle Bolzen abgeschmiert, das Öl gewechselt und jede Schraube nachgezogen. Ein unterwegs irgendwo herausgefallenes Relais ersetzt und der Wagen noch kurz gewaschen. Das Ganze in kaum anderthalb Stunden.

Sunworld Safaris Land Cruiser Service
Sunworld Safaris Land Cruiser Service Sunworld Safaris Land Cruiser Service



So perfekt vorbereitet starteten wir am späten Vormittag in Richtung Masai Mara. Es war ungewohnt ruhig im Auto, als Petra plötzlich sagte:
"Mit mir kannst du auch gerne mal reden!" Verwundert sah ich sie an.
"Äh, über was, oder möchtest du das Rift Valley erklärt haben?!", antwortete ich verwundert.
"Blödmann, nee, aber mit Falk hast du vorne ja auch gesprochen!", entgegnete Petra mir.
"Ja, natürlich, Falk habe ich das Rift Valley erklärt!", lachte ich,
"Aber wenn du irgendwelche Fragen hast, nur zu...!"
"Ach, du bist wirklich blöd!" Musste Petra trotzdem lachen und wir beide mussten an Silke und Falk denken, die wir tatsächlich ein wenig vermissten.

Nach 35 Safarijahren hatten wir oder zumindest ich unterwegs nicht das allermeiste zu erzählen. Wir beide kannten die Strecke und die Landschaft, kannten unsere Pläne und das Land, außerdem mussten wir eigentlich nur wenig sprechen, um uns zu verstehen. So, meine unmaßgebliche Männermeinung. Zumindest bis runter ins Rift Valley musste ich nun aber erst einmal damit leben, dass ich blöd bin.
"Wie gefällt dir Maai Mahiu heute?", fing ich unten im Rift Valley ein sinnfreies Gespräch an und erfuhr sogleich, dass ich immer noch blöd war. Aber zumindest lustig, dachte ich, und schwieg lieber wieder.

Wie schon vor gut drei Wochen legten wir einen Zwischenstopp am neuen Shoppingcenter ein und betankten kurz hinter Narok den Land Cruiser. Ca. eine Stunde später waren wir in Sekenani und bogen auf die Piste in Richtung Talek, wo wir eine weitere Stunde später eintrafen und sogleich zum Aruba Camp fuhren. Unterwegs bemerkten wir beide, dass es deutlich trockener in der Mara geworden war, und wir sprachen auch darüber.

Im Aruba Camp freute man sich über unsere schnelle Rückkehr und wir freuten uns, dass Peter wieder ein großes, neues Zelt für uns reserviert hatte. Der Einzug mit, dieses Mal nur einer Safarikiste, war schnell vollzogen und so blieb uns noch ein bisschen Tageslicht, um durch das Camp und an den nahen Talek zu bummeln. Unten am Fluss tummelten sich ein paar Flusspferde und auch die Dikdiks bekamen wir wieder zu sehen.

zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara

Auba Mara Camp - Talek, Masai Mara

zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara

zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara
zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara

zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara
zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara zurück im Auba Mara  Camp - Talek, Masai Mara



Kurz vor dem Dinner bekamen wir dann den befürchteten, alles verändernden Anruf und mussten recht schnell auf die schlechte Nachricht reagieren, aber dazu später mehr. Nachdem viel telefoniert, organisiert und geregelt worden war, trafen wir etwas betrübt beim Dinner ein. Nancy merkte gleich, dass irgendetwas nicht stimmte, stellte aber auch keine Fragen. Peter weihten wir in die Situation ein und verabredeten zunächst, auf jeden Fall für vier Nächte in seinem Camp zu bleiben.

Es folgte eine Nacht mit vielen trüben Gedanken, von denen auch die nahen Hyänen nicht ablenken konnten. Am nächsten Morgen waren wir uns nach vielen langen Gesprächen einig geworden, dass wir nun, so gut es ging, die verbleibenden Tage das Wild und die Tierwelt genießen wollten und auf viel Ablenkung hofften. Auf alles andere hatten wir sowieso keinen Einfluss. Auch wenn meine Gedanken natürlich auch immer wieder nach Deutschland abschweiften, so schafften das Selberfahren und die Wildsuche eine gewisse Distanz für mich. Für Petra war es ohnehin schwerer, die Situation zu akzeptieren.

Zum Glück im Unglück war die Masai Mara komplett abgetrocknet und bot uns eine unglaublich gute Wildbeobachtung in ihrer nun fast braunen, trockenen Landschaft. Alle Pisten und Furten waren gut befahrbar, zudem waren wir oft im richtigen Moment am richtigen Ort.
Gleich am ersten Tag nach unserer Ankunft und dem sehr frühen Einchecken am Talek Gate, entdeckten wir wenige hundert Meter hinter dem Gate eine Gruppe von mindestens 15 Tüpfelhyänen. Die oft unterschätzten Jäger stritten um die letzten Reste eines nächtlichen Topis-Kills und es wurde am Schädel und größeren Knochen oder Beinen herumgekaut. Nachdem wir dem Treiben eine Weile in der Morgendämmerung zugesehen hatten, trafen wir auf zwei kämpfende Topi-Bullen, die ihre Kräfte maßen. Immer wieder stießen sie lautstark mit ihren Hörnern aufeinander und versuchten, sich gegenseitig herunterzudrücken. Mal aus dem Stand, mal mit Anlauf krachten die kräftigen Antilopen aufeinander. Irgendwann hatte einer der beiden genug und zog friedlich und unbehelligt von dannen.

Tüpfelhyänen streiten um erlegtes Topi

Tüpfelhyänen streiten um erlegtes Topi

Tüpfelhyänen streiten um erlegtes Topi

Tüpfelhyänen streiten um erlegtes Topi

Tüpfelhyänen streiten um erlegtes Topi

Tüpfelhyänen streiten um erlegtes Topi

Tüpfelhyänen streiten um erlegtes Topi



Wir waren an jenem Morgen grundsätzlich auf dem Weg in Richtung Rongai Area, wo wir hofften, auf Leoparden zu treffen, als wir eine Gabelracke mit ungewöhnlicher Beute im Schnabel entdeckten. Der große Vogel mit der Lila Brust hatte tatsächlich einen Frosch im Schnabel. Diesen versuchte er nun zunächst auf einem Ast, auf dem er saß, zu erschlagen. Indem er den Frosch immer wieder auf den Ast schlug, versuchte er, die Beute bewegungsunfähig zu machen. Als die Amphibie sich nicht mehr rührte, versuchte die Racke nun, die doch recht große Beute herunterzuwürgen. Mehrfach veränderte der Vogel seine Position und wechselte auch die Bäume oder Sträucher, immer behielt er dabei sein Opfer im Schnabel. Ob er den Frosch am Ende tatsächlich verschlucken konnte, können wir nicht sagen, denn nach einer Weile entflog der Vogel unserer Sicht.

Gabelracke mit erlegtem Frosch Gabelracke mit erlegtem Frosch

Gabelracke (Coracias caudatus) mit Frosch als Beute
Gabelracke mit erlegtem Frosch



"Schon der zweite Kill an diesem Morgen!", bemerkte ich während die Sonne immer höher stieg. Als wir weiterfuhren und kreuz und quer durch das jetzt zwar trockene, aber immer noch sehr hohe Gras fuhren, änderte sich plötzlich die Landschaft, man hatte begonnen, das trockene Gras abzubrennen, und so sahen wir zum zweiten Mal auf dieser Safari Buschfeuer, dieses Mal anscheinend aber kontrolliert. Denn alle Pisten, die in das niedergebrannte Grasland führten, waren mit kleinen Schildern versehen und erklärten das Gebiet zum "closed area", also zum Sperrgebiet. Und genau in diesem Sperrgebiet entdeckten wir nach kurzer Fahrt auf einmal die Rongai-Löwen bzw. einen Teil des Rudels. Mit unseren Ferngläsern konnten wir 8 oder 9 Löwen zählen, aber die Raubkatzen waren weit weg und mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Natürlich versuchte ich sogleich eine Piste zu finden, die uns den Löwen näherbringen würde, aber zu groß war das Sperrgebiet, zu weit die Distanz zwischen ihnen und uns.
"Schade!", bemerkte ich, während ich unsere Fahrt in Richtung Rongai River fortsetzte.

Sonnenaufgang in der Masai Mara



Dann erreichten wir den Fluss und konnten diesem Mal seinem Verlauf fast problemlos folgen. Alle Pisten waren gut abgetrocknet und wir mussten unweigerlich an Silke und Falk denken, denen wir diese Art der Pirschfahrt aufgrund der matschigen Pisten nicht bieten konnten. Nach einer Weile erreichten wir ein kleines Wäldchen, in dessen Bäumen wir schon des Öfteren Leoparden beobachtet hatten. Sorgfältig suchten wir jeden Baum nach den gefleckten Katzen ab und schauten an jeder möglichen Ecke auf den Uferbereich und seine Verstecke. Zebras, Antilopen oder Giraffen interessierten uns bei dieser Suche tatsächlich nicht, wir wollten Katzen. Nachdem ich gerade eine etwas verwinkelte kleine Passage durch einen kleineren Graben gemeistert hatte, hatten wir sie dann auf einmal vor uns. Katzen! Zwar keinen Leopard, aber zwei junge Löwenmännchen lagen am Rande der Piste. Neben den Löwen trafen wir auch auf einen alten Freund von uns und begrüßten freudig Parett, der mit einigen Gästen ebenfalls auf Raubkatzen-Suche war. Wir tauschten uns kurz aus und erfuhren so, dass im Fluss ein totes Flusspferd trieb und die beiden Löwen in den frühen Morgenstunden bereits vergeblich versucht hatten, an diese leichte Mahlzeit heranzukommen. Jetzt lagen sie zunächst nur dösend in der immer höher steigenden Sonne, und mir war klar, dass sie entweder in kurzer Zeit in den Schatten laufen oder noch einmal ihr Glück am Kadaver versuchen würden. Während wir zusammen warteten, erhielt Paretts Fahrer eine neue Nachricht und erklärte uns:
"Luluka is out, she was seen in the closed, burnt area!"
"Okay, maybe we follow later, for now we stay with the lions!", antwortete ich Parett, der kurz darauf mit seinem Land Cruiser in Richtung der abgebrannten Grasflächen verschwand. Wir hingegen stellten uns auf eine längere Wartezeit ein und positionierten uns am Flussufer, so dass wir das tote Flusspferd im Wasser gut und die beiden Löwen ein wenig sehen konnten. Wie erwartet mussten wir ein wenig Geduld mitbringen, aber nach vierzig Minuten kam der erste Löwe zum Wasser herunter und angelte zunächst vorsichtig mit einer Pfote nach dem Nilpferd. Nach weiteren zehn Minuten fasste sich der Löwe ein Herz. Er setzte widerwillig und mehr als langsam, sich dabei sorgsam nach Krokodilen umsehend, seine Pfoten in das Wasser. Hin und wieder fauchte er das Wasser sogar an, dann hatte er das Flusspferd erreicht, und wir staunten nicht schlecht, als er das tonnenschwere Tier offenbar mit Leichtigkeit ans Ufer zog. Nachdem der arbeitsintensive Teil der Beutebeschaffung erledigt war, erschien auch das zweite Männchen unten am Wasser. Nun machten sich beide daran, die Beute zu öffnen und von ihr zu fressen.

zwei junge Löwen Männchen des Rongai Rudels

Löwen Männchen des Rongai Rudels gähnt

junges Löwen Männchen des Rongai Rudels

Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver

Rongai Löwen fressen am Flusspferd Kadaver



Wir sahen den Löwen eine ganze Weile beim Fressen zu und entschieden uns dann, Paretts Spuren zu folgen und ebenfalls in die Richtung zu fahren, wo die Leopardin gesichtet worden war. Inzwischen stand die Sonne allerdings im Zenit, es war sehr heiß geworden, so dass wir uns wenig Hoffnung machten, die Katze zu sehen zu bekommen. Trotzdem folgten wir den von Parett gesendeten Koordinaten. Kaum hatten wir das beschriebene Gebiet erreicht, entdeckten wir zunächst Parett und seine Gäste, die im Schatten eins Baumes ihr Lunch einnahmen. Wir hingegen pirschten weiter und hatten dann tatsächlich das Glück, die Leopardin zu finden. Luluka war nicht alleine. Zusammen mit Olumunyak, ihrem Sohn, lag sie in einer schattigen Senke am Rande eines kleinen Baches. Der kleine Leopard, der gar nicht mehr so klein war, hielt sich etwas abseits auf. Luluka selber lag neben einer kleinen Wasserlache, die im Bachlauf verblieben war, und döste vor sich hin. Plötzlich nahm sie aus heiterem Himmel den Kopf in den Nacken, streckte die Nase in den Wind, stand auf und schlich vorsichtig die Böschung hinauf. Wir streckten ebenfalls unsere Hälse, konnten aber zunächst nichts sehen. Luluka hingegen wusste genau, was sie gehört oder gerochen hatte. Sie schlich, langsam eine Pfote vor die andere setzend und den Körper an den Boden gedrückt, vorwärts. Dann sahen auch wir, was die Leopardin sah: Eine kleine Herde Thomson-Gazellen stand nichtsahnend im hohen Gras. Genau dieses hohe Gras machte es der Leopardin jedoch nicht leicht, die Gazellen im Auge zu behalten, ohne selber aufzufallen. Als sie gezwungen war, eine Piste zu überqueren, um näher an die Gazellen heranzukommen, entschied sie sich, die vermeintliche Beute zu umgehen, und verschwand im hohen Gras. Nur hin und wieder konnten wir ihren Kopf sehen, und einmal bin ich sogar der Meinung, dass sie auf ihren Hinterbeinen gestanden hatte, um nach den Gazellen zu sehen. Diese ahnten immer noch nichts, verhielten sich aber alles andere als ruhig. Immer wieder wechselten sie den Standort und zogen von rechts nach links und umgekehrt. Irgendwann verloren wir Luluka im hohen Gras aus den Augen, ahnten nur noch, wo sie war, und konzentrierten uns somit auf die Thomsen-Gazellen. Als die ganze Gruppe dann genau auf die vermeintliche Position der Leopardin zusteuerte, rechneten wir jeden Moment mit ihrem Zuschlagen, aber irgendwie stimmte die Distanz am Ende wohl doch nicht. Wir sahen die Gazellen mit weiten Sprüngen flüchten und dann die hinterhersehende Leopardin im hohen Gras stehen. Ja, Luluka saß nicht, sie stand bzw. hockte auf ihrenn Hinterbeinen. Auch wenn wir eigentlich nur ihren Kopf sehen konnten, zeigte ihre Körperhaltung im mannshohen, trockenen Gras, dass sie nur auf den Hinterbeinen im sogennanten "Meercat - Stand" saß. Resigniert und vermutlich hungrig kehrte Luluka an den kleinen Bach zurück, wo wir sie kurz darauf aus den Augen verloren. Ihr Sohn, der von den Masai auf den Namen Olomunyak getauft worden war, musste sich schon vorher in das Dickicht zurückgezogen haben.

Luluka, Leopardin in der Masai Mara
Olomunyak, Sohn von Luluka - Leoparden masai Mara Olomunyak, Sohn von Luluka - Leoparden masai Mara

Leopard, Luluka geht jagen

Leopard, Luluka geht jagen

Leopard, Luluka geht jagen

Leopard, Luluka geht jagen

von einer Leopardin (Luluka) anvisierte Thomson Gazellen

Leopard, Luluka auf der Jagd

von einer Leopardin (Luluka) anvisierte Thomson Gazellen

Leopard, Luluka auf der Jagd

Leopard, Luluka auf der Jagd

Leopard, Luluka auf der Jagd

von einer Leopardin (Luluka) anvisierte Thomson Gazellen

von einer Leopardin (Luluka) anvisierte Thomson Gazellen

Leopard, Luluka auf der Jagd

Leopard, Luluka auf der Jagd

Leopard, Luluka auf der Jagd



Nach dieser unerwarteten, guten Beobachtung während der heißen Mittagszeit zogen auch wir uns erst einmal in den Schatten einer Akazie zurück. Wieder einmal hatten wir die eigentliche Frühstückszeit verpasst. Als wir nach dem späten Frühstück noch einmal bei den Löwen vom Morgen vorbeisehen wollten, stießen wir auf eine Gepardin und erkannten schnell, dass es sich um Nashipae handeln musste. Die Gepardin hatte ganz offensichtlich eine verletzte linke Vorderpfote. Nashipae, die Gepardin, die wir vor drei Wochen vergeblich gesucht hatten, sah hungrig aus. Ihre eingefallenen Flanken ließen auf einen mehr als leeren Bauch schließen. Von ihren Jungen war nichts zu sehen. Nachdem wir zugesehen hatten, wie sie langsam humpelnd in den Schatten getrottet war, konnten wir uns nicht vorstellen, dass sie jagen konnte, und so ließen wir sie in ihrem neuen Versteck alleine. Später bekamen wir von Rangern eine Bestätigung, dass es sich um Nashipae gehandelt hatte und dass die Jungen sich vor zwei Tagen abgenabelt und sie sich getrennt hatten. Die Jungen sollten also alt genug sein um sich selber zu Versorgen und Nashipae, wenn sie es denn schaffen sollte Beute zu schlagen bräuchte nicht mehr zu teilen.

verletzte Gepardin, Nashipae

verletzte Gepardin, Nashipae

verletzte Gepardin, Nashipae

verletzte Gepardin, Nashipae

verletzte Gepardin, Nashipae



Der Nachmittag, an dem wir rund um das abgebrannte Sperrgebiet pirschten, brachte uns neben großen Eland-Antilopen und mehreren schönen Elefantenbegegnungen auch noch eine weitere Gepardin, die mit vollem Bauch unter einem Busch lag. Außerdem genossen wir, im Gegensatz zum recht spannenden Vormittag, nun die ruhige entspannte und friedliche Mara. Beobachteten grasende Thomsen Gazellen oder in der Ascche wühlende Warzenschweine. Zufrieden mit unseren Beobachtungen und Sichtungen beschlossen wir im "maji ya fisi"-Gebiet, einen frühen Sundowner einzunehmen. Als wir allerdings an der maji ya fisi-Wasserstelle ankamen, machte diese ihrem Namen alle Ehre. Das "Wasser der Hyänen" war von denselben gut besucht und nacheinander badeten gleich mehrere Tiere dieser Art im erfrischenden Nass. Und wenn ich schreibe "badeten", dann meine ich auch "baden". Die Hyänen schwammen, tauchten und spielten in dem kühlen Wasser, als würde es morgen keines mehr geben. Auf diese Weise ging ein wildreicher, spannender Tag ohne den geplanten Sundowner im Bush zu Ende.

Topi Antilopen und Thomson Gazellen Bock im Schatten
Thomson Gazelle, Bock Warzenschwein

Eland Antilopen

Eland Antilopen

Kaffernbüffel

Gepard

Elefanten

Elefant

Tüpfelhyäne beim Baden

Tüpfelhyäne beim Baden
Tüpfelhyäne beim Baden Tüpfelhyäne beim Baden

Tüpfelhyäne beim Baden

Tüpfelhyäne beim Baden

Tüpfelhyäne beim Baden

Tüpfelhyäne beim Baden

Tüpfelhyäne beim Baden



Natürlich holten wir unseren mehr als verdienten Sundowner gleich nach Ankunft im Camp nach und genossen mit Blick auf die beiden Camp-Dik-Diks unsere Drinks auf unserer Zeltterrasse. Nach dem, wie immer, sehr guten Dinner gingen wir früh ins Bett und wünschten uns, wir hätten auch diese Beobachtungen mit Silke und Falk teilen können.

Trotz der guten Wildbeobachtung im Rongai-Gebiet störten wir uns an den gesperrten Gebieten und beschlossen, am nächsten Morgen in das Kiombo-Gebiet zu fahren. Wieder waren wir sehr früh unterwegs und erreichten bereits um 6 Uhr das Kiombo Gate. Wieder hatten wir uns mehr oder weniger nur auf die Katzen konzentriert. So entdeckten wir nach nur fünfzehn Minuten unsere erste Löwin. Als wir durch das Gebiet fuhren, wo wir vor drei Wochen die Topi-Löwen mit dem Kaffernbüffel-Kadaver angetroffen hatten, marschierte eine gut genährte Löwin durch die noch schattige Savanne. Wir vermuteten, dass einige Weibchen mit den Kleinen immer noch die dichten Büsche des Gebietes als Versteck nutzten. Suchten aber zunächst nicht weiter nach den Kleinen. Denn es war noch früh und wir hofften, einige der erwachsenen Tiere mit Beute aufzuspüren. Kurz nachdem die Sonne dann aufgegangen war, entdeckten wir tatsächlich weitere Katzen des Topi-Rudels, allerdings ohne Beute. Während drei Weibchen in einem dichten Buschwerk, kaum einsehbar, ruhten, schlich eine vierte, jüngere Löwin durch die Grassavanne und suchte nach irgendetwas. Zumindest rannte sie schnuppernd und flehend umher. Sie Umkreiste dabei eine ganz offensichtlich von Löwen getötete Hyäne ohne diese aber anzurühren. Alles deutete auf einen nächtlichen Kampf zwischen Löwen und Hyänen hin. Hatten die Löwen womöglich ein Junges in dieser Nacht an die Hyänen verloren? Alles blieben erst einmal Spekulationen und Vermutungen.

Löwen nach Kampf mit Hyäenen, Masai Mara

Löwen nach Kampf mit Hyäenen, Masai Mara

Löwen nach Kampf mit Hyäenen, Masai Mara

Löwen nach Kampf mit Hyäenen, Masai Mara
Löwen nach Kampf mit Hyäenen, Masai Mara Löwen nach Kampf mit Hyäenen, Masai Mara

Löwen nach Kampf mit Hyäenen, Masai Mara Löwen nach Kampf mit Hyäenen, Masai Mara

Tüpfelhyänen von Löwen getötet

Tüpfelhyänen von Löwen getötet



Abgelenkt durch einen Geparden, der auf einem Termitehügel saß verloren wir die Löwin aus den Augen. Auf dem Weg zu dem Geparden passierten wir eine Gruppe Zebramangusten, ebenfalls auf einem Termitenhügel und während stoppten kurz. Eigentlich hätten wir die Zebramangusten länger beobachten wollen, aber der Gepard, der wie eine Statue auf dem nächsten grauen Termitenbau saß, ließ uns keine Ruhe.
"Mara vom Feinsten!", stellte ich freudig fest.

Zebramangusten

Zebramangusten

hungrige Gepardin



Natürlich hatten die Zebramangusten das nachsehen oder das Glück, wieder alleingelassen zu werden. Denn wir fuhren das kleine Stück weiter und beobachteten nun eine offensichtlich hungrige Gepardin.
"Tja, das war dann wohl wieder das Ende eines pünktlichen Frühstücks!", stellte Petra folgerichtig fest. Diese Gepardin war hungrig und nutzte ihren perfekt gewählten Aussichtspunkt, um nach Beute Ausschau zu halten. Einziger Nachteil an der Situation: Es war weit und breit kein jagdbares Wild zu sehen. Irgendwann sah das auch die Gepardin ein und zog weiter in Richtung Ntiakatek River. Immer wieder sah sie sich suchend um, dann durchquerte sie den Fluss. Es dauerte einen kleinen Augenblick, bis wir eine geeignete Furt für uns gefunden hatten in der uns dann auch noch ein Schreiseeadler ins Auge fiel. Aber dann durchquerten auch wir den kleinen Fluss um unmittelbar auf der anderen Seite die Gepardin erneut auf einem Termitenhügel vorzufinden. Erneut sah sich die Sprinterin nach Beute suchend in der Umgebung um, ehe sie weiterzog und wir ihr langsam folgten. Weitere 2 Termitenhügel wurden aufgesucht und als Ausichtspunkt genutzt, aber immer noch war keine Beute in Sichtweite. Im Schritttempo blieben wir ihr auf der Spur, bis sie sich nach einiger Zeit unter einen Busch in den Schatten zurückzog. Da wir in der Umgebung kein weiteres Wild ausmachen konnten, traf ich eine für uns ungewöhnliche Entscheidung:
"Frühstück, bis sie weiterzieht. Zur Not müssen wir alles stehenlassen. Aber ich glaube, sie macht auch erst einmal eine längere Pause, und wenn sie aufsteht, sollten wir es von hier mitbekommen!", erklärte ich meiner mehr als erstaunten Frau, während ich uns einen geeigneten Frühstücksplatz am Ufer des Ntiakatek suchte. Fairerweise ließ uns die Gepardin genügend Zeit, um in Ruhe und eigentlich auch gemütlich zu frühstücken. Sieht man mal davon ab, dass ich hin und wieder aufstehen musste, um die Situation im Auge zu behalten.

hungrige Gepardin auf Termitenhügel
hungrige Gepardin auf Termitenhügel hungrige Gepardin auf Termitenhügel

jagende Gepardin
hungrige Gepardin auf Termitenhügel Ntiakatek Fluss

durch den Ntiakatek Fluss

Schreiseeadler
Schreiseeadler (Icthyophaga vocifer, Synonym: Haliaeetus vocifer)

hungrige Gepardin

hungrige Gepardin

hungrige Gepardin

hungrige Gepardin

Bushfrühstück am Ntiakatek Fluss
Bushfrühstück am Ntiakatek Fluss Bushfrühstück am Ntiakatek Fluss



Nach dem Frühstück hatten wir dann gerade wieder alle Sachen im Fahrzeug verstaut, als ich meldete:
"Es geht los!" Ich hatte beim Einsteigen gerade noch gesehen, wie die Gepardin aufgestanden und losgegangen war. Schnell fuhren wir auf die leichte Anhöhe, und dann sahen wir nicht nur die Gepardin, sondern auch, was sie zum Weiterziehen veranlasst hatte. Thomson-Gazellen. Eine größere Gruppe Gazellen graste gut 200 Meter nichtsahnend vor ihr im trockenen Gras. Dann überschlugen sich die Ereignisse, alles ging plötzlich ganz schnell, ich ahnte, dass die Gepardin schon ihre Beute ins Visier genommen hatte, und versuchte noch, die Gazellen zu umfahren. Kaum standen wir und ich blickte oben aus der vorderen Luke des Land Cruisers, da setzte die Gepardin auch schon zum Spurt an. Mit langen, weiten Sprüngen schoss sie wie ein Pfeil durch das lichte, hohe Gras. Flüchteten die Thomson-Gazellen zunächst auf uns zu, drehten sie Sekunden später ab und verschwanden hinter den neben uns stehenden Büschen. Die Gepardin war dem Richtungswechsel unmittelbar gefolgt und hatte sofort reagiert, dann war auch sie nicht mehr zu sehen. Ich rutschte hinunter auf den Sitz und startete den Land Cruiser:
"Festhalten!" war mein kurzes Kommando und schon hatten wir die Büsche umrundet. Kaum angekommen, sahen wir die Gepardin vor uns liegen, eine noch hechelnde Thomson-Gazelle an der Kehle gepackt. Minuten später hatte sie die Beute durch ihren unblutigen Kehlbiss erdrosselt und ließ sie los. Dann setzte sie sich auf und sah sich um. Sie schien zu überlegen, wohin sie die Beute vor Hyänen und anderen möglichen Fressfeinden in Sicherheit bringen sollte. Das Double-Crossing-Gebiet war Löwen- und Hyänenland, das wusste auch die erfahrene Gepardin. Schnell hatte sie eine Entscheidung getroffen und schleppte ihre Beute in den Schatten einiger entfernter Büsche. Immer wieder musste sie Pausen einlegen und die ausgewachsene Thomson-Gazelle ablegen. Ihre Beute war ein erwachsenes Gazellenweibchen, somit wog die Beute fast halb so viel wie sie selber. In diesem Fall vermutlich sogar etwas mehr, denn die Gazelle war trächtig. Die Gepardin hatte mit ihrem langen und beherzten Spurt doppelte Beute gemacht.
"Ganz sicher hat sie genau gewusst, dass genau diese Gazelle aufgrund ihrer Trächtigkeit die Langsamste ist! Faszinierende grausame Natur!" stellte ich fest, während wir zusahen wie die Gepardin ihre Beute öffnete und zunächst das Kitz fraß. Kurze Zeit später begann sie dann, von der eigentlichen Beute zu fressen. Mit einigen Unterbrechungen beobachteten wir das Fressen über mehrere Stunden, wobei auch die Gepardin zwischendurch immer wieder ruhte. Am Ende hatte sie es geschafft, ohne gestört zu werden, Mutter und Kitz fast vollständig zu fressen bzw. auszuweden.

jagende Gepardin

Thomson Gazellen

jagende Gepardin

jagende Gepardin

jagende Gepardin

jagende Gepardin

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute

Gepardin mit Beute



Wir nutzten die Zeit, in der wir nicht bei ihr waren, um uns noch einmal die tote Hyäne genauer anzusehen, und beobachteten hierbei, dass der Kadaver von zwei Ohrengeiern, einem Raubadler und vermutlich auch von Schakalen geöffnet und angefressen wurde. Außerdem entdeckten wir ein ungewöhnliches Impala-Weibchen inmitten einer ganz normalen Herde. Neben dem kräftigen Impala-Bock gab es zwischen seinen vielen Weibern ein ausgewachsenes Weibchen mit Hörnern. Kein Gehörn wie bei den Männchen, aber lange, dünne, leicht gedrehte Hörner ragten aus dem Kopf des Weibchens.
"Wie geil ist das denn?", fragte Petra, und ich antwortete:
"Denk mal an Hormonstörungen!" Die Natur hatte also wieder mal etwas noch nie Gesehenes für uns parat gehabt.

Ohrengeier
Ohrengeier (Torgos tracheliotos, Syn.: Aegypius tracheliotus)

Raubadler frisst an Hyänen Kadaver
Raubadler (Aquila rapax) frisst an Hyänen Kadaver

Raubadler frisst an Hyänen Kadaver

angefressener Hyänenkadaver

Impala Weibchen mit Hörnern
Impala Weibchen mit Hörnern (Aepyceros melampus)
Impala Weibchen mit Hörnern Impalas, Männchen und Weibchen

Impala Weibchen mit Hörnern



Zwischen diesen schönen, schaurigen und ungewöhnlichen Beobachtungen unternahmen wir noch einen Abstecher in das nahe Soroi Mara Bush Camp, um uns von Nelson zu verabschieden und ihm mitzuteilen, dass wir in den kommenden Tagen nun nicht mehr zum Übernachten ins Bush Camp kommen könnten.

Wie am Vortag auch wurde es am Nachmittag dann etwas ruhiger mit der spektakulären Wildbeobachtung, wobei wir noch das Glück hatten, ein weiteres Mal die Geburt einer Thomson-Gazelle nur knapp verpasst zu haben. Die stolze Mutter und ihr kleines Kitz erst entdeckten, als dieses schon auf wackligen Beinen aber durstig und voller Tatendrang neben ihr stand.
"Tja, das hat das andere Kitz nun nicht mehr erlebt!", stellte Petra nachdenklich fest, als die kleine Gazelle von der Mutter gesäugt wurde.

Mittagspause im Soroi Mara Bush Camp

Thomson Gazelle mit Kitz
Thomson Gazelle mit Kitz Thomson Gazelle mit Kitz

Thomson Gazelle mit Kitz

Thomson Gazelle mit Kitz



Den ganzen Tag über hatten wir die Feuer an der Rhino Ridge Hügelkette beobachtet und den Rauch am Himmel entlang ziehen sehen. Die Feuer und die gesperrten Gebiete beeinflussten unsere Pläne für unseren letzten Safaritag. Kurz vor Sonnenaufgang war der Hyänenkadaver dann fast vollständig vertilgt. Eigentlich hofften wir, auch die Leopardin Faulu auf dieser Safari noch zu sehen zu bekommen, auf der anderen Seite lockte die hungrige und sehr agile Leopardin Luluka mit ihrem Sohn. Bis zum Abend hatten wir noch keinen fertigen Plan für den nächsten Tag.

Buschfeuer in der Masai Mara

Sundowner in der Masai Mara
Sundowner in der Masai Mara Sundowner in der Masai Mara

Sundowner in der Masai Mara



Diesen ereignisreichen und spannenden Tag in der Wildnis der Mara ließen wir in aller Ruhe mit einem Sundowner und vor einem schönen Sonnenuntergang zu Ende gehen, ehe wir schließlich zurück in das Aruba Mara Camp fuhren. Zufrieden, unter anderem wieder eine Raubkatzenjagd live erlebt zu haben, ließen wir uns im Camp mit einem leckeren Dinner verwöhnen und fielen dann müde in unser Bett.
"Irgendwie sind die Tage ohne Silke und Falk wieder kürzer geworden!", stellte Petra fest, während wir vom Bett aus in die Nacht hineinlauschten.

Noch vor dem Einschlafen hatte ich einen Entschluss gefasst und mich für die Suche nach der Leopardin Luluka entschieden. Als würde die Natur ahnen, wie schwer uns der Abbruch der Safari fiel, gab sie sich für unseren letzten Tag in der Mara alle Mühe, uns noch einmal mit vielen guten Katzenbeobachtungen zu verwöhnen. Wobei wir natürlich auch das Glück der Tüchtigen in Anspruch nahmen. Dieses Glück, kombiniert mit unserer Erfahrung, ließ uns nach nur dreißig Minuten gezielter Pirsch die Leopardin Luluka entdecken. Lauernd hockte die gefleckte Raubkatze am Rande des niedergebrannten Areals und beobachtete einige Thomson-Gazellen. Die Sonne stand noch tief und hatte ihre Position hinter dem leichten Hang noch nicht erreicht. Geduldig behielt die Leopardin die Gazellen im Auge, entschied sich dann aber doch, noch ein wenig zu ruhen. Während Luluka vor sich hin döste, nutzten wir die Zeit, um nach ihrem Sohn zu suchen. Sorgfältig scannten wir mit unseren Ferngläsern die nahen Büsche und vor allem die Bäume ab. Wir waren alleine mit der Leopardin und genossen die Ruhe, als ich plötzlich in einem der Bäume eine tote Thomson-Gazelle entdeckte.
"Sie hat bereits gekillt. Da oben hängt eine angefressene Thomy!" informierte ich Petra über meine Entdeckung.
"Umso erstaunlicher, dass sie sich schon wieder für die Gazellen interessiert, aber okay, sie hat ja auch zwei Bäuche zu füllen!", sinnierte ich vor mich hin, während wir uns wieder auf die Leopardin konzentrierten. Als diese plötzlich aufstand, mit weit aufgerissenem Maul gähnte und sich anschließend genüsslich streckte, waren wir gespannt. Ging es jetzt erneut auf Gazellenjagd oder nach oben zur vorhandenen Beute? Stellten wir uns die Frage, ehe die Leopardin aus unserer Sicht verschwand.

Luluka, Leopard von Leopard anvisierte Thomson Gazellen

Luluka, Leopard beobachtet vermeintliche Beute
Luluka, Leopard Luluka, Leopardenkill im Baum
Luluka, Leopard

Luluka, Leopard

Luluka, Leopard

Luluka, Leopard



"Ich tippe auf die alte Beute!", brach ich unser gespanntes Schweigen und positionierte den Land Cruiser so, dass wir den kleinen Baum mit der Thomson-Gazelle in der Astgabel gut sehen konnten. Angespannte zehn Minuten vergingen, die Kameras wurden schwerer in unseren Händen und die Luft knisterte fast vor Anspannung. Dann wurden wir für das Warten belohnt. Mit wenigen, kräftigen Sätzen erklomm die Leopardin, die lautlos aus dem Dickicht heraus den Baum angesprungen war, den Stamm. Aber als ob sie sich nur vergewissern wollte, ob die Beute noch im Baum war, drehte sie sich nach wenigen Augenblicken wieder um und verließ den Baum, so leise, wie sie gekommen war. Vielleicht suchte sie aber nun auch erst einmal ihren Sohn auf? Aber diese Vermutung blieb eine Vermutung, denn die Leopardin entschwand erneut unserer Sicht.

Luluka, Leopard

Luluka, Leopard



Nach ungefähr dreißig Minuten waren wir uns sicher, dass sie nun erst einmal in ihrem Versteck oder bei ihrem Sohn bleiben würde.
"Ganz sicher taucht sie heute Nachmittag oder spätestens heute Abend wieder an der Beute auf!", erklärte ich und fuhr zunächst einmal in Richtung Rongai River weiter.
"Löwen?", fragte Petra kurz, und ich nickte. Wir hofften beide, die zwei Löwen an dem Flusspferdkadaver noch einmal aufzuspüren. Als wir jedoch am Ufer des Rongai ankamen, stießen wir anstatt auf die beiden Männchen auf drei Weibchen. Aufmerksam lagen die Katzen in der inzwischen schon hoch am Himmel stehenden Sonne. Von dem Flusspferdkadaver gab es keine Spur mehr, sodass wir vermuteten, dass er weiter abgetrieben war. Wir blieben als Erstes einmal eine Weile bei den Löwinnen und folgten ihnen entlang des Rongai-Flusses. Dann pirschten wir weiter.

Löwen, Weibchen des Rongai Rudels

Löwen, Weibchen des Rongai Rudels

Löwen, Weibchen des Rongai Rudels

Löwen, Weibchen des Rongai Rudels

Löwen, Weibchen des Rongai Rudels

Löwen, Weibchen des Rongai Rudels



Noch immer brannten weite Teile der Masai Mara, überall stieg weißer Rauch auf, als wir das Grasmeer durchkreuzten. Wir fuhren noch einmal den Baum mit dem Leoparden-Kill an, ohne jedoch Veränderungen oder eine Spur von Luluka zu entdecken. Die Zeit war wieder einmal wie im Fluge vergangen, und so bauten wir unser spätes Frühstück unter einer einzelnen Akazie auf. Zufrieden mit den ersten Beobachtungen des Morgens genossen wir die Zweisamkeit in der Masai Mara. Nach dem Buschfrühstück nahmen wir uns vor, noch einmal Geparden aufzuspüren, denn von den gefleckten Sprintern erwarteten wir von allen Raubkatzen am ehesten aktives Verhalten in den Mittagsstunden.

Buschfeuer in der Masai Mara
Buschfrühstück in der Masai Mara Buschfrühstück in der Masai Mara

Buschfrühstück in der Masai Mara



Zunächst aber genossen wir eine entspannte Begegnung mit einem Elefantenbullen, ehe wir auf einmal anstatt der gesuchten Geparden, zwei Löwenrücken im hohen Gras entdeckten. Beim näheren Heranfahren wurden wir dann überrascht. Eine der Löwinnen musste kurz vor unserem Eintreffen ein kleines Warzenschweinbaby erbeutet haben. Entschlossen deckte sie das kleine Schwein mit ihrem Körper ab und nichts deutete darauf hin, dass sie auch nur den kleinsten Happen abgeben wollte. Vermutlich hatten die beiden Löwinnen gemeinsam gejagt, aber geteilt wurde bei dieser kleinen Beute trotzdem nicht. Knurrend hielt die Jägerin ihre Minibeute mit ihren riesigen Klauen fest. Die zweite Löwin traute sich nicht einmal, näher heranzukommen.

Dann geschah auf einmal das Unerwartete. Die Löwin erhob sich mit dem Rest ihrer kleinen Beute im Maul und ging zielstrebig durch das hohe Gras auf einen Busch zu. Kaum angekommen im Schatten des Busches, erschienen zwei weitere Löwinnen mit insgesamt vier Jungen unterschiedlichen Alters im Schlepptau. Während die Löwin ihre Beute lautstark und fauchend gegen die beiden Löwinnen und die zwei älteren Jungen verteidigte und diese auf Abstand hielt, durften sich die beiden kleinsten, erst wenige Monate alten Junglöwen nähern und von dem Warzenschwein fressen. Schmatzend machten sich die kleinen Löwen über die Reste des Warzenschweins her. Viel konnten wir durch das hohe Gras von der Mahlzeit nicht sehen, aber hören konnten wir das Gelage gut. Es dauerte nicht lange, da kuschelten sich die Kleinen satt an ihre vermeintliche Mutter und wir zogen zunächst weiter.

Elefant in der Savanne

Elefant in der Savanne

Elefant in der Savanne

Kaffernbüffel beim Schlammbad, Masai Mara

Kaffernbüffel beim Schlammbad, Masai Mara
Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet

Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet

Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet

Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet

Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet

Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet

Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet

Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet

Löwen haben ein Warzenschweinferkel erbeutet



Nur zwanzig Minuten später fanden wir, was wir eigentlich gesucht hatten: Im hohen, inzwischen sehr trockenem Gras lag eine Gepardin. Hechelnd und unsicher um sich blickend lag die Gepardin da, dann erhob sie sich und wir erkannten nicht nur die Blutspuren in ihrem Gesicht, sondern entdeckten auch ihre frisch geschlagene Beute. Wieder waren wir wenige Minuten zu spät dazugekommen, aber wieder hatten wir eine Raubkatze mit einem frischen Kill entdeckt. Aber anders als die Löwen war die Gepardin aufgrund ihrer kräftezehrenden Jagd und der hohen Temperaturen der Mittagszeit aktuell gar nicht in der Verfassung, zu fressen. Ganz abgesehen davon, dass sie nicht nur einen Snack, wie ein Warzenschweinbaby, sondern einen ausgewachsenen Thomson-Gazellen-Bock erlegt hatte, hatte sie in der offenen Savanne weder die Ruhe noch den Schatten, um sich von der anstrengenden Jagd zu erholen. Immer wieder sah sie sich, hechelnd, nach vermeintlichen Störenfrieden wie Schakalen, Hyänen oder Löwen um. Nach schattenspendenden Büschen oder Bäumen suchte sie in der näheren Umgebung vergeblich. Um die recht große Beute über ein längeres Stück bis in den Schatten zu schleppen, fehlte ihr ganz offensichtlich die Kraft. Die zweite Alternative wäre, die Beute liegenzulassen und ohne diese in den Schatten zu gehen. Letzteres hätte aber aufgrund der Distanz bis zu den ersten schattigen Plätzen vermutlich den Verlust der Beute bedeutet.

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle



Es war mittags, kurz nach 13 Uhr, und wir waren alleine mit der Gepardin, als wir und die Gepardin vermutlich den gleichen Gedanken hatten.
"Ja, mach ruhig und ruh dich erst einmal aus!", sagte ich, als die Gepardin sich erhob und auf unseren Land Cruiser zukam.
"Ist nicht ganz richtig, aber wäre doch schade um den Jagderfolg!", sagte ich, als die Jägerin unter unserem Fahrzeug in den Schatten kroch. Ich wusste, dass Geparden nach einer längeren Jagd gut dreißig bis fünfundvierzig Minuten brauchen, bis Herz und Kreislauf wieder normal liefen und der Körper sich etwas heruntergekühlt hatte. Diese Zeit sollte sie von uns nun auch bekommen. Während die Gepardin unter uns ruhte, ruhten auch wir etwas. Nach etwas mehr als einer halben Stunde fragte Petra:
"Und, wie bekommen wir sie jetzt unter dem Wagen heraus?"
"Na, ich steige aus und stupse sie an!", grinste ich. Machte dann aber stattdessen Mit Hilfe eines Einbeinstativs und unserer kleinen Unterwasserkamera ein Foto von der Gepardin, um mich zu vergewissern, wo sie sich genau befand. Anschließend startete ich den Motor und ließ den Land Cruiser weniger Zentimeter vor und zurückrollen. Die kleine Bewegung reichte und die Gepardin kam unter dem Auto heraus. Wie erhofft ging sie sofort auf ihre Beute zu.
"Das nenne ich win-win!", freute ich mich, als die Gepardin sofort begann, die Beute weiter zu öffnen und an der Thomson-Gazelle herumzuzerren. Die Raubkatze war vollständig regeneriert und wir hatten kein schlechtes Gewissen, ihr dabei geholfen zu haben. Mit kräftigen Bewegungen rollte sie ihre Beute so lange hin und her, bis sie die gewünschte Position zum Fressen hatte.

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle
Gepard mit erlegter Thomson Gazelle Gepard mit erlegter Thomson Gazelle

Gepard im Schatten des Land Cruiser
Gepard mit erlegter Thomson Gazelle Gepard mit erlegter Thomson Gazelle

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle

Gepard mit erlegter Thomson Gazelle



Nachdem wir der Gepardin weitere dreißig Minuten beim Fressen zugesehen hatten mussten wir eine Entscheidung treffen.
"Hierbleiben und ihr weiter zusehen oder darauf hoffen, dass unser Plan A aufgeht und die Luluka zurück zu ihrer Beute kommt?" Ich sah Petra fragend an.
"Luluka!", antwortete Petra nur knapp und eindeutig! So ließen wir die Gepardin mit ihrer Beute zurück und fuhren dorthin, wo wir die Leopardin am Morgen mit ihrer Beute im Baum zurückgelassen hatten.
Unsere Planung und unser "Timing" hätten nicht besser sein können, zwar hatten wir vermutlich verpasst, wie Luluka mit ihrem Sohn zusammen gekommen war oder nicht mitbekommen, wie sie erneut versucht hatte zu jagen, aber wir waren genau rechtzeitig wieder bei ihr um sie Beobachten wie sie zurück zu ihrer Beute kam. Ähnlich wie am Morgen kletterte sie mit wenigen starken Sprüngen in den Baum. Aber wieder sah es zunächst nicht danach aus, als ob sie von der Beute fressen wollte. Seelenruhig legte sich die kräftige Leopardin auf einen der stärkeren Äste und beobachtete die Umgebung.

Erst nach weiteren zwanzig Minuten wurden wir für unsere Geduld belohnt und Luluka stieg höher in dem Baum auf, machte einen kräftigen Satz und verschwand dann zunächst im Blättergewirr. Es war nicht einfach, sie und ihre Beute zwischen den Zweigen und Blättern zu beobachten, aber dennoch konnten wir ihr eine Weile zusehen, wie sie von der vermutlich nachts erbeuteten Gazelle fraß. Ihre Bisse und das Reißen an der Beute waren deutlich kräftiger als das zarte Zerren der Gepardin. Hin und wieder blinkten ihre langen Reißzähne über dem blutigen Gazellenkörper auf, ehe die Zähne sich wieder in das rohe Fleisch bohrten. Irgendwann war sie satt genug, um wieder auf ihren Ruheast zurückzukehren. Satt und faul hatte sie sich nach dem Fressen auf dem dicken Ast zu einem Nickerchen niederzulassen. Wir blieben, bis sie sich schließlich entschlossen hatte, den Baum zu verlassen, um erneut zwischen den dichten Büschen zu verschwinden.


Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück

Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück

Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück

Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück
Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück

Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück

Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück
Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück

Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück

Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück

Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück

Luluka, Leopard kehrt zu seiner Beute zurück



"What a day!", sagte ich zufrieden und steuerte den Wagen grob in Richtung Talek.
"Jetzt noch ein schöner Sundowner und dann rechtzeitig zum Camp!", schlug Petra vor, und so suchten wir nach einem passenden Baum in der Savanne. Unser Weg führte uns allerdings zwangsweise und ohne größere Umwege an den Löwen und ihren Jungen vorbei, und als wir eigentlich in dem Busch nach den Kleinen sehen wollten, entdeckten wir schon weit vorher das Rudel im hohen Gras.
"Das glaube ich jetzt nicht!", rief ich, als wir erkannten, dass die Löwen ganz offensichtlich erneut ein kleines Warzenschweinferkel erbeutet hatten. Dieses Mal war der Rest des Rudels allerdings nicht damit einverstanden, dass die Löwin nur ihre eigenen Jungen fütterte.

Knurrend und fauchend lagen zwei der Katzen über einem kleinen schwarzen Warzenschweinkörper. Während die eine Löwin die Beute im Maul hielt, hatte die andere Löwin beide Pranken auf der Beute. Dann eskalierte die Situation, eine dritte Löwin kam hinzu. Die Löwin mit der Beute im Maul versuchte mit der gesamten Beute zu entkommen, wobei das bereits tote Ferkel zerrissen wurde. Kaum mit den Resten aufgesprungen, wurde die Löwin mit der Beute zwischen den Pranken von einer ihrer Schwestern attackiert und neben uns kullerten die Körper der Raubkatzen fauchend durcheinander. Dann mischten sich auch die Halbwüchsigen ein. Zwar war das zweite Warzenschweinferkel etwas größer als das erste, aber dennoch war es natürlich viel zu klein, um auch nur eine Löwin satt zu machen. Und so wurde eben um jeden Fleischbrocken gekämpft.

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein

Löwen teilen lautstark sich ein junges Warzenschwein



Am Ende fiel sogar noch ein wenig für die beiden ganz kleinen Löwen ab. Einzig der Sundowner musste ausfallen und wieder einmal vor das Zelt verlegt werden, was aber natürlich bei solchen Wildbeobachtungen absolut "hakuna matata" war! Mit den verrauchten letzten Bildern des Tageslichts verließen wir das Reservat und fuhren zurück ins Aruba Camp, wo wir vor unserem Zelt einen letzten Drink genossen.

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück zurück nach Nairobi. Wie schon erwähnt war das eigentliche Ende dieser Safari eigentlich noch in weiter Ferne, aber in Deutschland hatte sich Petras Vater dazu entschlossen, seine letzte Safari anzutreten und auch wenn wir am Ende zu spät für ein letztes "Safari njema!" waren, so brauchte uns nun zunächst einmal die Familie.


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Boko Boko - Porini, Farm and Guesthouse