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Verspielte Elefanten Zunächst mussten wir erst einmal in das Samburu-Reservat einfahren, was sich an jenem frühen Morgen als gar nicht so einfach erwies. Wir waren ohne zu frühstücken aufgebrochen und standen pünktlich um sechs Uhr vor dem Archers-Post-Gate. Etwas verschlafen erschienen kurz nach uns die ersten beiden Ranger. Sie konnten jedoch nicht an das Kartenlesegerät für die Bezahlung herankommen, da der Schlüssel fehlte. "Sorry, he will be back in 10 minutes!" versicherte mir der Ranger hinter dem Tresenfenster, als sich ein weiterer Mitarbeiter mit einem Moped auf den Weg machte um das Kartenlesegerät zu holen. "My ten minutes or African ten minutes?" fragte ich lachend und bekam ein strahlendes Grinsen zurück. " What do you think, is there a chance, that Samburu and Buffalo comes back to jst one park fee and with out this border at the bridge?" sah ich den Ranger fragend an, " This is not in our hand, that´s politic between Isiolo and Samburu County. But with these Borana people it will never work!" schüttelte er energisch den Kopf. Dann, ungefähr 20 Minuten später, war der zweite Ranger tatsächlich zurück und ich konnte unsere Parkgebühren mit der Kreditkarte begleichen.
Unsere erste Pirschfahrt im Samburu National Reservat führte uns ziemlich straight in das Gebiet zwischen Larsens Camp und Samburu Lodge. Unterwegs sahen wir eine recht große Herde Grevy-Zebras, einige Oryx Antilopen und immer wieder umherziehende Elefantengruppen. So gut wie jede Elefantenfamilie führte kleine Kälber mit sich, sodass wir uns sicher waren, dass uns noch viele unvergessliche Begegnungen mit den Dickhäutern bevorstehen würden. Zunächst aber wollten wir uns jedoch einen kleinen Überblick verschaffen und am liebsten schon bei der Anfahrt herausfinden, was uns an Katzensichtungen erwarten würde. Am liebsten hätten wir bei dieser ersten Pirschfahrt uns bekannte Löwen aufgespürt. Doch die durchpirschte Uferregion schien katzenfrei zu sein. Zumindest entdeckten wir weder Löwen noch Geparden. Stattdessen erregten zwei jagende Schabrackenschakale unsere Aufmerksamkeit. Wir wussten, dass diese oft dreisten Diebe auch äußerst geschickte Jäger waren. Wir hatten sie schon oft bei der Jagd auf Vögel oder größere Säugetiere beobachtet. Umso spannender war es nun, ihnen zuzusehen, wie sie im hohen, trockenen Gras auf Nilgrasratten bzw. Mäusejagd waren. Ihre Beutetiere konnten wir nicht sehen und auch die Schakale im Auge zu behalten, war gar nicht so einfach. Zu hoch war das trockene Gras und zu gut die Tarnung der braunen Schakale zwischen den Gräsern. Während wir die Schakale sonst immer als mutige und ausdauernde Läufer erlebt hatten, die ihre anvisierte Beute umkreisten, ablenkten und dann blitzschnell angriffen und ergriffen, konnten wir nun miterleben, dass Schakale auch anschleichen und im hohen Bogen anspringen können. Auch wenn ihre Sprünge bei Weitem nicht an die einer Servalkatze heranreichten, konnten sie sich durchaus sehen lassen. Und damit waren sie auch noch erfolgreich. Während wir einen der beiden Schakale schnell aus den Augen verloren, erbeutete der andere innerhalb kürzester Zeit drei große Nilgrasratten, die er ebenso schnell mit Haut und Haar verspeiste.
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""Kill!" meldete ich jedes Mal, wenn der Schakal erfolgreich Beute geschlagen hatte. Nach der dritten Maus, meinte Petra: "Nicht, dass ich Hunger auf Mäuse hätte, aber wir hatten auch noch kein Frühstück!" Der Wink war eindeutig, also drehte ich ab um zum Larsen-Camp zu fahren, wo wir herzlich in Empfang genommen wurden. Auch wenn uns einige vertraute Gesichter fehlten. Harrison, der neue vorübergehende Manager des Soroi Larsens Camp empfing uns nicht nur herzlich, sondern erwies sich auch als sehr hilfsbereit, wenn es um irgendwelche Sonderwünsche oder Fahrzeugreparaturen ging. Denn der Samburu und seine teilweise schroffen Pisten an den Felshängen, sollten ein paar Spuren am Fahrzeug hinterlassen. Außerdem stellte er uns Moses, unseren Askari und Camp Begleiter vor. "Moses will show you the photo hide and take care of you!" Natürlich bemerkte ich sofort Petra mahnenden Blick: "Thank you, nice to meet you Moses!" reichte sie dem noch sehr jungen Mann ihre Hand. Ich tat es ihr gleich. Dann erklärte sie mir: "Ich weiß, dass du es hasst, aber er muss es lernen. Außerdem ist er nett! Und woher sollte Harrison auch wissen, dass du ungern durchs Camp geführt wirst!" "Alles gut, nachts zum Hide ist es schon gut und vielleicht kann er ja noch etwas lernen!", lachte ich. Für uns war es seit der Übernahme und Neueröffnung durch die Soroi-Kette inzwischen der dritte Aufenthalt im Larsens Camp. Wir freuten uns nicht nur einige bekannte Menschen wiederzutreffen, sondern hofften auch auf einige bekannte Vierbeiner. Außerdem freute ich mich auf den Fotohide, der nun endlich fertiggestellt war. Am Ende brachte er uns zwar nur wenige Fotos, dafür aber viele gute Beobachtungen. Dafür wurden wir in puncto bekannte Vierbeiner nicht enttäuscht!
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![]() Für ein Frühstück war es inzwischen schon zu spät, aber nachdem wir unser großes, mehr als geräumiges Zelt für die nächsten sieben Nächte eingerichtet hatten, war es schon fast Lunchzeit. Vor unserer Terrasse stocherten zwei afrikanische Wiedehopfe mit ihren langen, schlanken Schnäbeln im Ufersand herum und suchten nach etwas Essbarem, während ein gar nicht mal so kleines Nilkrokodil fast bewegungslos, an ihnen vorbeigleitete. Genau wie einige Nilwarane, sahen wir das Krokodil wenig später unterhalb der Restaurantterrasse wieder.
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Nach dem sehr schön angerichteten Lunch fuhren wir gleich wieder aus dem Camp und widmeten uns fast den gesamten Nachmittag der Elefantenbeobachtung. Wenn wir uns im Samburu-Reservat aufhalten, genießen wir es besonders am Ufer des Ewaso Ngiro entlangzupirschen. Zwar haben die beiden letzten, verheerenden Fluten, viele der alten ufernahen Pisten zerstört und auch hunderte große Doumpalmen sind den Fluten zum Opfer gefallen, aber der Flusslauf ist mit oder ohne Wasser Lebensraum für viele unterschiedliche Tierarten - letztendlich müssen alle Bewohner der Samburu-Savanne irgendwann zum Trinken an den Fluss kommen! Die großen Dickhäuter und die imposanten Netzgiraffen sind dann am Ufer immer die auffälligsten. Es verging kein Tag, an dem wir nicht Elefanten und Giraffen am oder im Ewaso Ngiro beobachten konnten. Während die erwachsenen Elefanten meist gelassen durch das für sie meis nur knietiefe Wasser wateten, waren die Flussüberquerungen für die neugeborenen Jumbos jedes Mal eine echte und manchmal dramatische Herausforderung. Mehrfach beobachteten wir Elefantengruppen, die ihren Nachwuchs schützend in die Mitte nahmen oder mit dem Rüssel wieder aufrichteten, wenn die Mini Jumbos im Wasser lagen, man den erschrockenen und hilflosen Blick in ihren Augen sehen konnte und manchmal nur noch die kleine Rüsselspitze aus den Fluten ragte! Aber immer ging es gut, immer erreichte der ganze Familienverband das andere Ufer. Kamen die Elefanten auf uns zu verweilten sie oft in unserer Nähe. Bewarfen sich mit Schlamm, wälzten sich im Wasser oder Tauchten vor unserer Nase. War das Ufer dann erklommen, erlebten wir unglaublich neugierige Elefantenkinder und unglaublich gelassene Elefantenmütter! Der Höhepunkt war tatsächlich ein noch sehr kleiner Elefant, der unseren Land Cruiser als Spielzeug auserkoren hatte und erst vom Bullfänger abließ als ich den Motor startete. Jeden Tag ließen sich die Jumbos etwas Neues einfallen um uns zu begeistern und so verbrachten wir Stunden zwischen den friedlichen roten Jumbos.
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![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Während man die Elefanten gar nicht suchen musste, sondern wir das Gefühl hatten die Dickhäuter finden uns. Gestaltete sich die Suche nach Raubkatzen zunächst schwieriger. Am zweiten im Tag im Reservat bekamen wir zumindest einen Hinweis auf zwei Löwenmännchen und ich glaubte auch sofort zu wissen, um welche es sich handelt. Auch das Gebiet, in dem sie sich aufhalten sollten war uns bekannt. Selbstsicher fuhren wir am Ufer eines großen, ausgetrockneten Flussbettes entlang, suchten nach Spuren im Sand und großen schattenspendenden Büschen da wir hofften die Löwen dort zu finden. Es dauerte nicht lange, da fanden wir zwar nicht die Löwen, aber ihre Fussspuren und drei weitere Land Cruiser, die einen Busch umstellt hatten. Um niemanden zu stören, entschloss ich mich das Buschwerk langsam zu umfahren. Während ich versuchte die Löwen unter dem Busch zu entdecken, rollte ich langsam in das Flussbett und vor lauter Löwensuche achtete ich nicht wirklich auf den Untergrund vor mir, es kam wie es kommen musste: Wir steckten fest! "Hast du die Naben wenigstens verriegelt?", wollte Petra wissen. "Natürlich nicht!" schüttelte ich den Kopf. "Und jetzt?" fragte sie weiter. "Jetzt verriegle ich die Radnaben!" antwortete ich. "Und die Löwen?" hörte ich Petra noch sagen, während ich ausgestiegen war. "Die schlafen!" flüsterte ich und legte die Nabenriegel um. Doch selbst mit zugeschaltetem Allrad konnten wir uns aus unserer misslichen Lage nicht befreien. Nur das Rausziehen mit einem anderen Fahrzeug konnte uns helfen. Die drei Fahrzeuge, die bei den Löwen gestanden hatten, hatten sich bereits entfernt und auch ein viertes Fahrzeug ließ uns freundlicherweise stehen. Obwohl die Gäste im Fahrzeug ihren Guide auf unsere missliche Lage aufmerksam gemacht hatten, zog dieser es vor seinen Gästen die Löwen zu zeigen, und fuhr dann weiter. Zum Glück tickten nicht alle Safarguides so. Mit Hilfe eines zweiten Land Cruisers und unter Absicherung einiger zufällig angekommener Ranger, waren wir dann irgendwann und recht schnell wieder fahrtauglich. Die Löwen bekamen wir allerdings nicht mehr zu sehen; denn denen war es wohl zu viel Trubel, sodass sie sich unauffindbar in ein anderes Dickicht zurückgezogen hatten.
![]() Wir zogen uns ebenfalls aus dem Gebiet zurück und fuhren wieder an das Flussufer. Wo wir zunächst einmal ein ordentliches Buschfrühstück einnahmen. Die Lage und die Aussicht auf den Fluss entschädigten uns schnell für die von mir verkorkste Löwenpirsch. Nach dem entspannten Frühstück am Ufer des Ewaso Ngiro versuchten wir noch einmal vergeblich unser Glück und suchten nach den Löwen. Abgesehen von Raubkatzen gab es jede Menge Wild zu beobachten und immer irgend etwas zu entdecken. Am Ende des Tages waren es wieder die Elefanten, die unsere Beobachtungen geprägt hatten, Katzen bekamen wir keine zu sehen!
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Endlich Katzen Unsern dritten Tag begannen wir erneut mit einer Pirschfahrt entlang des Ewaso Ngiro, denn schon oft hatten wir das Glück, in den frühen Morgenstunden Löwen oder einen Leoparden am Ufer oder zumindest in Ufernähe aufzuspüren. An jenem Morgen allerdings waren es in erster Linie Antilopen, die nach Sonnenaufgang ihren Durst stillten. Außerdem sahen wir natürlich wieder viele Elefanten am oder im Fluss. Wenn ich die beiden Tage im Buffalo-Springs-Reservat mit einbeziehe, hatten wir in den letzten vier Tagen im Samburu / Buffalo Reservat tatsächlich bisher nur einen Löwen aufspüren können und zwei weitere, von denen wir zumindest wussten, dass sie da waren. Ganz abgesehen davon, dass ich abends zum Sundowner gerne mal wieder einen Whisky statt Gin & Tonic getrunken hätte (Achtung Insider ;-); fand ich, dass es tatsächlich an der Zeit war Raubkatzen zu finden. Wir nahmen an, dass das Löwenrudel, das wir in diesem Gebiet kannten, den Fluss überquert hatte, um auf der anderen Seite im Buffalo-Gebiet zu jagen. Über die aktuellen Standorte von Geparden hatten wir keine Informationen. "Vielleicht sollten wir uns erst einmal hinter Infos über Leoparden-Sichtungen klemmen. Wir könnten das Ufer und die Bergkette erkunden!", schlug ich Petra beim Buschfrühstück am dritten Tag im Samburu vor. Wir hatten uns erneut einen schönen Platz am Flussufer ausgesucht und genossen unser aus dem Camp mitgenommenes Frühstück. "Flussufer mit vielen Antilopen hatten wir ja heute Morgen, also jetzt Bergkette?", sah mich Petra fragend an. "Wäre mein Vorschlag und ein Versuch, aber die Pisten da oben sind ruppiger als hier unten!", antwortete ich. "Auf den Steinen kannst du dich wenigstens nicht festfahren!" grinste sie mich an. "Autsch!" sagte ich nur kurz und fing an die Sachen wieder in den Land Cruiser einzuladen.
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![]() Anschließend fuhren wir an den Fuß des Koitogor Hill. Zwar hatten wir in den vergangenen Tagen auch an seinen flach in Richtung Fluss auslaufenden Gesteinsmassen nach Leoparden gesucht, aber keine gefleckte Katze zu sehen bekommen. Nun wollten wir zumindest eine Seite der langgestreckten Hügelkette abfahren und Stein für Stein unter- bzw. absuchen. Die fast glatten Sandpisten im Reservat und am Flussufer liebte ich, auf ihnen konnte man dahinrollen und während der Fahrt mehr oder weniger bequem nach Wild suchen. Auf den rauen Pisten am Hang des Koitogor musste man dagegen ständig auf große Gesteinsbrocken, vorstehende Felsen und andere Kleinigkeiten im Gelände achten. Auf der anderen Seite boten sich die großen, teils quadratischen Felsblöcke geradezu als Ruhe- oder Aussichtspunkt für Leoparden an. Wir wussten also, wo wir suchen mussten, und so schaukelten wir langsam an der Hügelkette entlang. Hin und wieder erspähten wir Dik Dik oder auch Impalas, weiter unten in der Ebene einige Netzgiraffen und natürlich immer wieder die verschiedensten Vögel. Auch Klippschliefer bekamen wir zu sehen, nur eben keinen Leoparden . Fast wollten wir aufgeben und abdrehen, da entdeckten wir in einer Felsspalte die gesuchten Flecken auf gelben Untergrund. Ein junger Leopard, besser gesagt eine Leopardin! Völlig entspannt lag die junge Raubkatze im Halbschatten auf einem kleinen Felsblock unterhalb eines mächtigen Felsbrockens. Das Gelände bot hier einfach perfekte Leopardenverstecke. Wir machten einige Fotos und fuhren dann etwas dichter an die Leopardin heran. "Ich schätze mal, wir warten hier!" kippte Petra ihre Sitzlehne nach hinten und nahm eine bequeme Sitzhaltung ein. Dann warteten wir.
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Die Leopardin hob hin und wieder ihren Kopf oder veränderte ihre Liegeposition. Bis sie nach etwa einer Stunde zwischen den Felsspalten verschwand. Wir warteten noch eine Weile und beschlossen dann am Nachmittag wieder nach ihr zu sehen. Zufrieden fuhren wir das Larsens Camp an, gönnten uns ein leichtes Lunch und brachen dann nach einer halbstündigen Ruhepause auf dem gemütlichen Sofa oder Bett, wieder auf. Hinaus in die Savanne um nach der Leopardin zu sehen. Diese verharrte jedoch weiterhin unsichtbar in ihrem Versteck, sodass ich mich entschloss ein wenig weiter zu pirschen! Unten am Fuße der Hügelkette stießen wir auf eine größere Herde von Netzgiraffen. Wir folgten den Tieren, von denen wir annahmen, dass sie zum Fluss wollten. Das dichte, spinnennetzartige Wegenetz des Samburu-Parks ist geradezu ideal um Tieren zu folgen ohne sie zu stören und ohne off road fahren zu müssen. So konnten wir die Giraffen tatsächlich bis an den Fluss begleiten und ihnen beim Trinken im Flussbett zusehen. Nach diesem beeindruckenden Naturschauspiel hielten uns dann noch ein Pärchen Gerenuks und eine größere Gruppe Somali-Strauße in Ufernähe auf. Damit war unser Zeitplan komplett über den Haufen geworfen. "Meinst du, die Leopardin schläft immer noch?" fragte Petra vorwurfsvoll. "Keine Ahnung, aber das hier war doch auch genial!", versuchte ich mich herauszureden, wusste aber nur zu gut, dass ich den Zeitplan vermasselt hatte. Es kam dann auch wie es kommen musste. Von einem befreundeten Guide erfuhren wir bei unserer Ankunft, dass die Leopardin vor fünf Minuten aufgebrochen war. Ich hatte dem Guide zwar mittags die ungefähre Position beschrieben, da er aber nicht genau wusste wo sie gelegen hatte, hatte auch er sie nur noch über die Piste huschen sehen und dann aus den Augen verloren. Gemeinsam suchten wir noch eine ganze Weile nach der gefleckten Katze ohne sie aber wiederzusehen.
Soroi Larsens Camp - Samburu ![]()
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"Na ja, für nen Whisky reicht es ja!" sah Petra mich an, "Komm, wir haben fast eine Stunde lang alleine neben ihr gestanden! Das war bestimmt nur der Anfang. Ab morgen geht es los mit den Katzen!" antwortete ich erwartungsvoll ohne zu ahnen wie recht ich haben sollte. Zunächst aber ließen wir uns von Moses zum Dinnerplatz bringen und genossen ein leckeres Barbecue. Auch nach dem Essen hatten wir keine Chance ihm zu entkommen. Geduldig wartete er auf uns und führte uns in Richtung unseres Zeltes. Doch an diesem Abend kam alles ganz anders. Als wir uns dem Zelt näherten entdeckte ich auf einmal einen Elefantenbullen im Flussbett und stürmte sofort an Petra und Moses vorbei, um eine Kamera zu holen. Anschließend ging ich dem Elefanten entgegen. Der Koloss hatte das Flussbett bereits verlassen und stand an der hüfthohen Mauer vor unserer Zeltterrasse. Er trug einen Sender um den Hals und ich hatte in sofort wieder erkannt. Dieser Bulle war mehr als entspannt und wir waren uns schon einmal fast hautnah im Bush begegnet. "Sir, this is a wild elephant!" hörte ich Moses mit leiser Stimme hinter mir rufen. "I know, I know him, and I know what I do!" ging ich langsam rückwärts, ergriff Moses Hand und zog ihn dann mit mir mit. Schritt für Schritt näherten wir uns dem Dickhäuter. Der Elefant beobachtete uns genau, zeigte jedoch keinerlei Regung. Genüßlich griff er mit seinem Rüssel nach umherliegenden Doumpalmnüssen und kleinen Zweigen und ließ diese in seinem Schlund verschwinden. Schließlich standen wir uns genau gegenüber. Nur die kleine Mauer trennte uns, ich hätte seinen Rüssel mit ausgestrecktem Arm berühren können. Leise sprach ich mit dem Elefanten und ebenso leise klärte ich Moses über das Verhalten alter, den Menschen gewohnten Elefantenbullen auf. "If he doesn´t like, that we are here, he will tell us, he will show us! But he is relaxt" "That´s so crazy, nobody will believe that; I can´t believe that!" flüsterte Moses während er meine Hand fester drückte. "Eh, come on man you are hunting lions with a spear and be scared of an old elephant?" fragte ich Moses. "A lion is just a lion and this size!" er zeigte mit den Händen die Größe eines Löwen, "this elephant is bigger than my house! I will never forget this moment in my life!" Während Moses es immer noch nicht fassen konnte, zog der Elefant langsam weiter, passierte irgendwann das Ende der Mauer um nun quer durch das Camp zu laufen, wo wir uns noch einmal Auge in Auge gegenüberstanden. Während Moses es vorzog bei Petra zu bleiben und, wie Petra mir später berichtete, mit leicht zitternder Hand die ihre hielt, folgte ich dem Bullen durch das Camp. Der Elefant sah mich hin und wieder an, trottete aber langsam weiter. Kein Stein, keine Zeltleine und keine Lampe berührte er mit seinen riesigen Füßen. Behutsam ging er Schritt für Schritt durch das Camp und ich folgte ihm. Dann befürchtete ich für einen Moment die Situation würde eskalieren. "Sir, stop Sir, you are in danger!" Dann hörte ich wie zwei Gewehre durchgeladen wurden! Erschrocken fuhr ich herum und erblickte zwei Ranger die ihre Gewehre im Anschlag hielten. "If you fire on this elephant, I kill you with my hands!" fuhr ich den ersten Ranger an. "Take the bullets out of the gun; immediately!" ich musste mich beherrschen nicht zu schreien. Gleichzeitig war ich natürlich stehen geblieben und der Elefant war weitergezogen. Inzwischen war auch Harrison, der Manager erschienen und ich klärte ihn über die Situation auf. "I know, you have the responsibility and the ranger want to take care of me, but the situation was under control. There was no danger, there was no need to handle with the gun!" Natürlich kann man in der Wildnis nicht einfach so auf jeden Elefanten zugehen oder sich in seiner Nähe aufhalten. Aber die großen alten Bullen sind in aller Regel sehr entspannt. Wenn sie aus freien Stücken, mitten in ein bewohntes Camp kommen, dann suchen sie neben Nahrung auch oft die Ruhe eines Camps. Wenn ein solcher alter Riese seine Ruhe haben will, verfügt er über eine ausgeprägte Körpersprache, um dies deutlich zu machen. Diese Sprache kann man lesen, und sollte ihr befolgen. Diskutieren, sollte man mit einem Elefanten nicht! (Bitte versucht niemals so etwas alleine nachzumachen, es gibt gute erfahrene Guide im südlichen Afrika, speziell in Zimbabwe, mit denen man sich durchaus Elefantenbullen nähern kann) Nachdem der Elefant das Camp auf der anderen Seite wieder verlassen hatte, kehrte wieder Ruhe ein. Wir erfuhren so ganz nebenbei von Harrison, dass die Brücke in das Buffalo-Reservat wieder geöffnet war bzw. die extra Parkgebühren nicht mehr erhoben wurden! Erstaunt über diese Neuigkeit begaben wir uns in unser Zelt.
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Der nächste Tag begann gleich mit einem weiteren Highlight. Wie jeden Morgen hatten wir uns heißen Tee und Kekse an das Zelt bringen lassen. Nach dem kleinen Snack verluden wir unsere Taschen mit dem Frühstück und begannen mit der Pirschfahrt. Wir wollten zunächst entlang des Ufers fahren, um dann wieder an der Hügelkette weiter nach Leoparden zu suchen. Aber so weit kamen wir an jenem Morgen gar nicht. Kaum hatten wir das Ufer des Ewaso Ngiro unweit des Camps erreicht, entdeckten wir ein großes Leopardenmännchen am Wasser. Laut schlabbernd löschte der Kater seinen Durst, ehe er dann gemächlichen Schrittes zurück ins Buschland zog, wo er nach einiger Zeit aus unseren Augen verschwand. Jeder Schritt der mächtigen Katze war ein Erlebnis, jede Bewegung drückte Kraft aus. Letztendlich hatten wir nur zehn wundervolle Minuten Zeit diese beeindruckende Raubkatze zu beobachten, aber das waren zehn Minuten die man nie wieder vergisst!
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Kaum eine Stunde nach dieser unbeschreiblichen Leopardenbegegnung trafen wir endlich auf Löwen. Eigentlich hatten wir das Gebiet in dem wir die Löwen antrafen jeden Tag mehrfach durchquert. Entweder waren sie das trockene Flussbett hinunter in die Ewaso-Ngiro-Ebene gekommen oder sie waren in der Nacht über den Fluss zurückgekehrt. Diese Fragen konnten wir nicht beantworten. Was wir aber nach kurzer Beobachtungszeit wussten, war: Diese Löwen sind hungrig! Obwohl die kühleren Morgenstunden schon vorüber waren, zogen die Raubkatzen durch die Savanne. Zwar sahen die erwachsenen Tiere gut genährt aus, aber der Nachwuchs hatte augenscheinlich ganz gewiss Hunger. Immer wieder blieben die Löwen sitzen und sahen sich suchend in der Umgebung um. Dann entdeckten sie plötzlich eine Gruppe Warzenschweine. Fast augenblicklich begannen die Löwen die Jagd vorzubereiten, und es sah so aus, als hätten die alten Katzen einen Plan. Während eine der Löwinnen die Warzenschweine direkt anschlich, versteckten sich zwei weitere ausgewachsene Löwinnen im hohen Gras. Das vierte Weibchen blieb bei den Jungen. Nun kam es nicht nur auf das Geschick der Jägerinnen an, sondern es war auch wichtig, dass die Junglöwen sich zurückhielten und Ruhe bewahrten. Gut versteckt und geduckt lauerten zwei der vier Raubkatzen im hohen Gras. Die dritte schlich Zentimeter für Zentimeter näher an die ahnungslosen Warzenschweine heran. Bei jeder Bewegung waren die angespannten Nackenmuskeln und die Muskeln der Hinterläufe zu erkennen. Die Luft knisterte förmlich, als die Löwin ihrer Beute immer näher kam. Die vierte Löwin saß mit vier der sechs Jungen neben einem Busch. Die fünf Raubkatzen beobachteten nur, damit die Jungen für das Leben lernten. Doch dann waren da noch die beiden Junglöwen, die entweder glaubten, schon genug zu wissen, oder einfach zu hungrig waren. Auf jeden Fall konnten sie sich nicht zurückhalten und verschreckten die Warzenschweine. Wir beobachteten noch zwei weitere erfolglose Annäherungsversuche an Warzenschweine, doch jedes Mal wurden die Löwinnen frühzeitig entdeckt.
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![]() ![]() ![]() Irgendwann gaben wir auf und verließen die glücklosen Jägerinnen. Wenig später begegneten wir einem alten Bekannten, der uns, genau wie sein Vetter, der uns nachts im Camp besucht hatte, bewies, wie entspannt alte Elefantenbullen außerhalb der Musth sind. Seelenruhig kam der alte Gigant auf uns zu und passierte dann den Land Cruiser.
An diesem Tag verbrachten wir die heißen Mittagsstunden im Camp und nutzten die Zeit für einen kurzen Powernap, bevor wir wieder auf Pirschfahrt gingen. Unser primäres Ziel waren natürlich die Löwen, die wir nach nur kurzer Suche wiederfanden. Offensichtlich hatten die Katzen nicht wirklich geruht, entweder hatten sie gar keine oder nur sehr kleine Beute während unserer Abwesenheit geschlagen. Auf jeden Fall waren sie immer noch hungrig und auf Beutezug. Aber wie schon am Vormittag wurden sie auch am Nachmittag immer wieder von ihrer vermeintlichen Beute frühzeitig entdeckt. In ihrer Verzweiflung versuchten sie sogar, eine Gruppe Somalistraße anzupirschen. Doch auch dieser Versuch scheiterte, und die großen Vögel zogen unbehelligt weiter. Unweit des Löwendramas entdeckten wir nach einem Hinweis eine ebenfalls hungrig aussehende Gepardin. Die den Löwen weit unterlegene Raubkatze tat gut daran ihre Kraft nicht unnötig zu verschwenden. Aufgrund der Nähe zu den Löwen hatte sie eigentlich keine Chance ihre Beute vor den hungrigen großen Verwandten in Sicherheit zu bringen. Und so hockte die Gepardin fast regungslos zwischen einigen Büschen und beobachtete die Umgebung. Wir pendelten derweil zwischen den Löwen und der Gepardin hin und her.
Als der Abstand zwischen den beiden Raubkatzenarten größer wurde und die Sonne sich langsam dem Horizont näherte, setzte die Gepardin sich in Bewegung und wir folgten ihr. Weit war die gefleckte Sprinterin nicht gekommen, als sie plötzlich inne hielt und etwas in unmittelbarer Nähe ins Visier nahm. So sehr wir uns auch anstrengten, wir konnten vor ihr keine Beute entdecken. Dann machte sie einen unerwartet langen Sprung aus dem Stand, und im selben Moment sahen wir einen bräunlichen Körper flüchten und gleich wieder stoppen. "Hase!", rief ich kurz und konzentrierte mich mit der Kamera auf die regungslose Beute. Auch die Gepardin verharrte, schien die vermeintliche Beute aber aus den Augen verloren zu haben. Dann traute ich meinen Augen nicht. Gegenüber der Gepardin saß kein Hase, sondern eine bildhübsche Wildkatze. Absolut regungslos hockte die gut getarnte Wildkatze im hohen, braunen Gras. Ganz abgesehen davon, dass wir an diesem Tag bereits einen Leoparden, mehrere Löwen und eine Gepardin vor die Kameras bekommen hatten, war dies ein weiteres absolutes Highlight. Dies war die erste Wildkatze in Kenia, die sich bei zumindest halbwegs Tageslicht zeigte und sogar ablichten ließ. Als die Gepardin sich abwandte, flüchtete auch die Wildkatze und wurde nicht mehr gesehen. Mehr als zufrieden mit den Erlebnissen und Beobachtungen des Tages fuhren wir zurück ins Larsens Camp.
Im Camp angekommen folgten wir unseren alt bewährten Ritualen und genossen zunächst einen Drink als Sundowner, dann folgte eine heiße Dusche und der abendlich kleine Fußmarsch mit Moses zur Dinnerterrasse. Unterwegs begegneten wir das ein oder andere Mal einer im Camp per Hand aufgezogenen, verwaisten Impala. Eigentlich war die Antilope nun nicht mehr auf die Hilfe ihrer Retter angeniesen, aber sie schien sich im Camp sicher und wohl zu fühlen.
Beim Dinner war es ein schönes Gefühl, die optisch immer unglaublich angerichteten Drei-Gänge-Menüs haben zu können. Aber eigentlich reichten uns Kleinigkeiten zum Essen und so begnügten wir uns Abends meist mit einem Salat, einer Vorspeise oder der Käseplatte. Wobei letztere ganz klar mein Favorite war. Meist besprachen am Abend dann auch die Pläne für den oder die nächsten Tage und waren uns einig, dass wir auf jeden Fall für die kommenden Tage etwas längere Mittagspausen einbauen wollten. So zumindest der Plan.
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