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Durstige Elefanten und die Löwen vom Lions Rock Für die Anfahrt von Nairobi brauchten wir, je nach Verkehrslage und Ereignissen 6 bis 7 Stunden und da wir möglichst auch am Ankunftstag noch eine ordentliche Pirschfahrt am Nachmittag erleben wollten, brachen wir dementsprechend früh in Nairobi auf. und Ereignissen sechs bis sieben Stunden. Da wir am Ankunftstag möglichst auch noch eine ordentliche Pirschfahrt am Nachmittag erleben wollten, brachen wir dementsprechend früh in Nairobi auf. Obwohl es selten wirklich viel brachte, hatten wir die Fahrt auf einen Sonntag gelegt, um eine einigermaßen erträgliche Verkehrsdichte zu haben. Ein Sonntagsfahrverbot für Lkws gibt es in Kenia natürlich nicht, aber zumindest auf den ersten Kilometern aus der Stadt heraus macht sich der Sonntag bemerkbar. Genau wie in den nördlichen Parks war auch die Landschaft in Richtung Tsavo-Gebiet sehr trocken. Nur wenige Sträucher und Bäume mit grünem Laub standen in der ausgedörrten, braunen Steppe. Das trockene, braune Gras am Straßenrand bot den überall an der Piste stehenden Haustieren wie Rindern, Schafen und Ziegen kaum noch genügend Nahrung. Je weiter wir in Richtung Tsavo fuhren, desto trockener wurde es. Nachdem wir Mtito Andai passiert hatten und uns somit im Tsavo-Gebiet befanden, begannen wir, intensiv nach Elefanten und anderem Wild rechts und links der Straße Ausschau zu halten. Hatten wir noch im Frühjahr auf unserer Fahrt von Nairobi in Richtung Voi jede Menge Wild und immer wieder Elefanten gesehen. Entdeckten wir nun zunächst nur wenige Zebras, einige Gelbe Paviane und zwei Dik Diks. Doch dann wurde es fast dramatisch. Ein großer einzelner Elefantenbulle stand am gegenüberliegenden Straßenrand und wollte die Straße überqueren. Wir stoppten und schalteten das Warnblinklicht an, doch die vorbeirasenden LKW Fahrer interessierte weder unser Blinklicht noch der Elefant. Immer wieder rauschten schwere Lastzüge oder Busse an dem Dickhäuter vor, zwangen ihn zurückzuweichen und machten ihn augenscheinlich unruhig. Der Elefant schien fest entschlossen zu sein. Doch der Verkehr ließ ihm keine Chance. Wir rollten auf die Straße und versuchten, zumindest auf unserer Seite den Verkehr einzubremsen, aber selbst jetzt noch umfuhren uns Pkws und Lkws gleichermaßen. Gerade hatten wir diskutiert, den Elefanten mit unserem Land Cruiser zur Umkehr in den Tsavo West zu drängen, da brach er sein Vorhaben von allein ab und trottete zurück in Richtung Park. Erleichtert und dennoch hilflos setzten wir unsere Fahrt fort.
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Ohne weitere tierische Unterbrechungen erreichten wir Voi, betankten den Land Cruiser und fuhren gleich weiter in Richtung Lumo Conservancy, wo wir am frühen Nachmittag in den Leopards Lair Cottages ankamen und "unseren Banda Nr. 5" bezogen. "Hi Mr. Jorg, hallo Petra! Good to have you back" waren wir freundlich empfangen worden und dann waren auch schon wieder viele hilfreiche Hände zur Stelle und schleppten Kisten, Boxen und Lebensmittel zu unserem Banda. Mehr als eine Woche Selbstverpflegung war auch immer eine logistische Herausforderung. Da wir später als geplant im Reservat angekommen waren zudem unterwegs die aus Nairobi mitgenommenen Brote gegessen hatten, verstauten wir nur kurz unsere Ausrüstung im Zimmer, genossen einen kalten Begrüßungsdrink und fuhren dann wenig später hinunter in die Ebene um uns einen ersten Überblick zu verschaffen.
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Die lange Trockenzeit hatte ihre Spuren hinterlassen. Das recht hohe Gras war braun und ausgetrocknet, frische grüne Halme suchte man vergebens, keine der natürlichen Wasserstellen hatte noch Wasser. Ausgetrocknet lagen die Wasserlöcher vor uns. Masai-Strauße zupften an den trockenen Gräsern und verspeisten die Samen. Hunderte von Steppenzebras zogen durch das Reservat und fraßen das trockene Gras. Aber auch erste Gnus konnten wir beobachten. Kleine Tiere waren in dem Meer aus braunen Gras schwer auszumachen. Dann trafen wir ihn: den König des Lumo, majestätisch kam er mitten auf einer Pisten auf uns zu gelaufen. Einer der drei blonden Löwenmänner, die wir seit einiger Zeit im Reservat beobachteten. Hatten wir im März schon befürchtet, dass diese Löwen in den Tsavo West abgewandert waren und das sich ein anderes junges Löwenmännchen etablieren wollte, freuten wir uns nun zumindest einen der dreier Koalition wiederzusehen. Wir folgten dem mächtigen Löwen eine Weile in Richtung Salt Lick Lodge und fuhren dann wie geplant zum Lions Rock. Dort erfuhren wir von einigen Rangern, dass es in der vergangenen Nacht unterhalb des große Felsens, schwere Kämpfe zwischen den Löwen gegeben hatte und sich eine weitere Gruppe von Löwen etwas weiter westlich vom Rock aufhalten sollte. "Vermutlich hatte der große Blonde sein Revier erfolgreich verteidigt? Aber wer war oder waren seine Gegner?" sah ich Petra fragend an und fuhr weiter, um nach den anderen Löwen zu suchen. Dann klingelte plötzlich mein Handy. "Hi Jorg. I saw your Land Cruiser. Good to see you here. We have a group of lions not far from the road to Tsavo West!" "Asante Sammy! Will be there soon, we are not far from you!" freute ich mich über Sammys Anruf. Er war einer unserer guten und zuverlässigen Kontakte im Park. Wenig später konnten wir Sammy nicht nur persönlich begrüßen, sondern entdeckten in der Dunkelheit auch eine Gruppe von neun Löwen. Mit dem Fernglas konnten wir ein jüngeres Männchen, ein altes Weibchen und mehrere jüngere Löwen ausmachen. Wir waren uns sicher, das Rudel angetroffen zu haben, das wir im Februar zuletzt in diesem Revier beobachtet hatten. Das Männchen und vor allem das alte Weibchen mit dem Funksender um den Hals bestätigten unsere Vermutung. Zufrieden mit den ersten Beobachtungen verabschiedeten wir den Tag mit einem Sundowner mit Blick auf die Löwen. Da es schnell dunkel geworden war und wir uns sicher waren, diese Löwen am nächsten Tag leicht wiederzufinden, begnügten wir uns damit, die in Richtung Tsavo West wandernde Gruppe zu beobachten, ohne Bilder zu machen. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Nachdem die Löwen vollständig von der Nacht verschluckt worden waren, fuhren wir zurück zum Camp. Dort bereiteten wir uns noch ein kleines, schnelles Dinner und gingen dann schlafen.
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Auch nach mehr als zwei Wochen Safari mit vielen spannenden und guten Wildbeobachtungen waren wir noch nicht satt und waren somit bereits vor Sonnenaufgang wieder auf den Beinen. Wir bereiteten uns unseren Tee zu, stärkten uns für die ersten Stunden mit ein paar Keksen und brachen dann im ersten Dämmerlicht zu unserer Pirschfahrt auf. Unser erstes Ziel war natürlich der Lions Rock und seine Umgebung, wo wir aber vergeblich nach den Löwen suchten. Stattdessen aber wieder eine einzelne Klippspringer Antilope entdecken konnten. Schon seit meheren Jahren beobachteten wir immer nur ein einzelnes Tier dieser geschickt kletternden Antilopenart. Nach der Sichtung entschlossen wir uns abzudrehen und zum Photo Hide zu fahren und dort unser Glück zu versuchen. Mussten aber am Abzweig zum Photo Hide erstaunt feststellten, dass dieser nun nur noch durch eine verschlossene Barriere zu erreichen war. Grund genug für uns zu telefonieren: "Hi Douglas, is it possible to use the photo hide today?", rief ich kurzerhand den Manager der Soroi Lins Bluff Lodge an. "Hi Jorg, yes, it´s possible, we don´t have private bookings there in the moment. I can see you in front of the gate, should I send somebody with a key?", fragte er sogleich. "No, I can go offroad!", antwortete ich. " Please don´t! You can get your own key so long as you are here, but don't pass the gate offroad! Others will follow you! And there is not much water there. But the truck will come later", erklärte Douglas und hatte natürlich recht. "Ok, you are right, let me get a key by noon, when we are back at the camp!" Unser Plan B war, zum Bura Damm zu fahren,. Hier sollte aufgrund des noch vorhandenen Wassers im Damm ebenfalls Wild stehen.
Unterwegs begegneten wir in vor allem Zebras, Gnus, Kongonis, Fransenohr-Oryx und Masai Strauße. Am Damm selbst konnten wir neben verschiedenen Wasservögeln auch einige Eland-Antilopen beobachten. Aber auch dort waren keine Katzen zu finden. Stattdessen verbrachten wir Zeit zwischen einer aufgebrachten Gruppe von Gelben Pavianen. Die großen Affen stritten sich lautstark und zähnefletschend, rissen aneinander herum und bissen sich in Arme oder Beine, während andere der Gruppe sich liebevoll um ihren Nachwuchs bemühten. In der sehr grünen Vegetation entlang des kleinen, ausgetrockneten Bachlaufs, der in den Bura-Damm mündete, entdeckten wir nicht nur Elefanten, sondern zu unserer großen Freude auch viele Kaffernbüffel. Die schwarzen starken Büffel, waren nach der ungewöhnlich starken Regenzeit und frühen Regenzeit Anfang 2024 aus dem Reservat in trockeneres Gelände in den Tsavo West abgewandert und waren zunächst eher zögerlich wieder in das Conservancy eingewandert. Nun schienen nicht nur alte Bullen, sondern auch ganze Herden mit Kühen und Kälbern wieder da zu sein. Es gab also reichlich Wild zu beobachten und uns war an jenem Vormittag alles andere als langweilig. Zum späten Frühstück fuhren wir wie immer hoch zum Camp, wo wir uns einen üppigen Brunch mit frischen Mangos, Spiegeleiern, Speck, Würstchen, Toast und gebratenen Tomaten zubereiteten.
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Wie mit Douglas abgesprochen, hatten wir einen eigenen Schlüssel für das Gate und den Photo Hide erhalten sodass wir gleich nach dem Brunch aufbrachen um das Versteck mit der Wasserstelle zu erreichen. Petra hatte zu Recht ein etwas mulmiges Bauchgefühl, umrundet von aktuell nicht wirklich überschaubarer Graslandschaft auszusteigen und die Barriere zu öffnen. Aber natürlich suchten wir vorher die Umgebung nach möglichen Raubkatzen ab und ich fuhr zunächst bis dicht an das Gate, so dass sie grundsätzlich nah am Auto war. "Auf Schlangen musst du selber achten!", rief ich ihr zu. "Witzig ist das nicht da draußen!", erklärte sie dann auch, nachdem das Tor geöffnet und hinter uns wieder verschlossen war. "Nächstes Mal fährst du und ich öffne! Jetzt ist Mittag, alle Löwen schlafen!" lächelte ich ich ihr zu und fuhr weiter zum Hide. Auch der Hide musste mit einem Schlüssel geöffnet werden, aber diese Prozedur kannten wir bereits von früheren Besuchen der Wasserstelle. Leise öffneten wir die Tür und betraten den Tunnel zum Photo Hide. Dieser besteht aus zwei zur Hälfte eingegrabenen Containern und bietet mehreren Fotografen eine gute Ansitzmöglichkeit. Die Wände, die Decke und der Fußboden sind schalldicht verkleidet. Vier zu öffnende Fenster bieten einen direkten Blick auf die flache Wasserstelle, die sich genau vor einem befindet und die natürlich nachts beleuchtet werden kann. Im zweiten Container befinden sich zwei Etagenbetten mit Bettwäsche, ein Kühlschrank, Trinkwasser, ein Wasserkocher sowie Tee und Kaffee. Vorne am Eingang des Tunnels befindet sich eine Toilette. Es ist also alles vorhanden, um durchaus mehrere Stunden oder eine ganze Nacht im Hide anzusitzen. Nachdem ich die total mit Schlamm verspritzten Fenster vor uns geöffnet hatte, blickten wir fast unmittelbar in die Augen einiger durstiger Zebras. Nur kurz schreckten die Huftiere auf, dann schlürften sie gierig weiter das letzte Nass aus der fast leeren Wasserstelle. Außer Zebras waren keine weiteren Tiere auszumachen. Und die Zebras waren durstig, unruhig und streitsüchtig. Kaum eines der Tiere konnte in Ruhe Trinken, kaum hatten ein oder zwei Zebras ihre Nüstern in das Wasser vor uns getaucht, erschienen weitere Zebras und vertrieben sie. Es wurde ausgetreten, gebissen und aneinander hochgestiegen. Dann nahte Hoffnung und Hilfe. Frisches Wasser war im Anmarsch, wie ich telefonisch von Douglas erfuhr: "Could you open the gate for the water truck?" hatte er mich angerufen. Kurzerhand fuhren Petra und ich zurück zum Gate und öffneten das Tor für den kleinen LKW mit dem ersehnten Nass. Anschließend sahen wir beim Befüllen der Wasserstelle zu und da man mir freundlicherweise die Wasserrechnung in die Hand drückte, wusste ich dann auch genau was so eine, kaum einen Tag ausreichende, Wasserladung kostete. "Das Geld ist das kleinere Problem!" erklärte Gaby Nowak von Sunworld Safaris uns später, "Wasser zu bekommen ist in der Region das eigentliche Problem!" Kaum waren die 10.000 Liter köstliches, frisches Wasser eingefüllt und der Wassertankwagen abgezogen, erschien ein durstiger Sekretär und löschte gierig seinen Durst, dann trabten die ersten Zebras zum Trinken heran. Mit der größeren Wassermenge hatte sich auch die Situation am Wasserloch entspannt. Zwischen den Zebras gab es kaum noch Rivalitäten, die Huftiere standen friedlich nebeneinander beim Trinken, während andere ein entspanntes Sandbad nahmen.
Soroi Lions Bluff Photo Hide - Lumo Conservancy
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Nach zwei oder drei Stunden verließen wir den Photo Hide und pirschten auf der Suche nach den Raubkatzen durch das Reservat. Am Ende des Tages, der wieder mit einem traumhaften Sonnenuntergang endete, hatten wir zwar viel Wild darunter auch ein Weißkehlwaran, aber keine Katzen zu sehen bekommen. Also fast keine Katzen, als wir nämlich nach unserem Sundowner in der Dunkelheit zurück zum Leopards Lair fuhren, glaubten wir einen winzigen Augeblick unseren Augen nicht zu trauen. "Ein Albino Serval!" rief ich, erkannte aber Sekunden später, dass wir nur eine im hohen Gras jagende verwilderte Hauskatze vor uns hatten. Die kleine schlanke Katze schlich in der Nähe der alten Pumpenstation herum und war vermutlich einem der Viehhirten, die ihre Herden immer noch illegaler Weise ins Reservat trieben, gefolgt. In der Hoffnung, dass sie keine Krankheiten einschleppte und sich nicht mit den echten Wildkatzen im Reservat verparrte, ließen wir sie gewähren und weiterziehen. Am Abend bereitete ich ein paar Braaiwürste und selbst geschnitzte Pommes als Abendessen zu. Nach dem Essen zogen wir uns recht zeitig ins Bett zurück. Während Petra durchschlafen konnte, fuhr ich kurz vor Mitternacht runter zum Photo Hide. Gespannt öffnete ich zwei der vier Scheiben vor mir und wartete. Die Nacht war ruhig, vor mir quakten einige Kröten im Wasser, ansonsten war es totenstill. Meine Geduld und Ausdauer wurden auf eine harte Probe gestellt, nichts regte sich. Kein nächtliches Säugetier zeigte sich. Doch dann erschien plötzlich ein Serval, sah sich um und begann an zu trinken. Ich hatte keine Chance, das aufmerksame Tier zu fotografieren. Der Serval war von links an der Wasserstelle erschienen und saß zwar fast neben mir, aber letztendlich genau da, wo das Fenster geschlossen war. Um die kleine Raubkatze nicht zu verscheuchen, verhielt ich mich ruhig und begnügte mich mit der Beobachtung. Nachdem der Serval wieder verschwunden war hieß es für mich wieder warten. Am Ende zeigte sich bis zum Sonnenaufgang tatsächlich nur der Serval.
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An den folgenden beiden Tagen verbrachten wir viel Zeit mit der vergeblichen Suche nach einer Gepardin und ihren beiden fast erwachsenen Jungen. Dabei führte uns die Pirsch bis an die Reservatsgrenze, wo das Lumo-Gebiet nahtlos in den Tsavo-West-Nationalpark übergeht. Immer wieder trafen wir auf große rote Elefantenbullen und freuten uns darüber, dass auch im Lumo-Reservat, genau wie im Samburu-Nationalreservat, fast alle Elefantenverbände junge Kälber dabei hatten. Ein ums andere Mal erinnerten uns die Dickhäuter daran, dass wir uns im Tsavo und nicht im Samburu befanden. Die Tsavo-Elefanten waren einfach nervöser, wenn es um ihre Jungen ging oder man ihnen zu nahe kam. Aber auch Gruppen von Masai-Giraffen, Fransenohr-Oryx und Eland Antilopen konnten wir beobachten. Genauso wie uns die artenreiche Vogelwelt viele schöne Sichtungen bescherrte. Wenn wir nicht auf Pirsch waren, genossen wir die Mittagszeit oben an unserem Banda, wo wir gemeinsam Einsam sein konnten. Statt der erhofften Gepardensichtung, trafen wir sowohl auf das kräftige blonde Männchen, als auch auf das Männchen, welches wir am ersten Tag mit dem gesamten Rudel in der Dunkelheit beobachtet hatten. Wir hatten das Glück, dem blonden Löwen fast zwei Stunden lang quer durch das Reservat folgen zu können, ehe er im Dickicht verschwand. Der andere Löwe war in Gesellschaft eines Weibchens, wobei beide zwar Sicht- aber keinen Körperkontakt hatten, weil das Weibchen dem Männchen immer wieder auswich. Möglicherweise hatte sie auch irgendwo sehr kleine Junge und musste das Männchen deshalb ablenken, den ihr Bauch war ausgemergelt, schlaf und ihre Zitzen deutlich sichtbar? Aber in dem hohen Gras war es sogut wie unmöglich beide Löwen über einen längeren Zeitraum im Auge zu behalten.
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![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Nachdem auch ich eine Nacht durchgeschlafen hatte, zog es mich am Ende des vierten Tages nach dem Abendessen wieder in den Photo Hide. Die Zeit war gut gewählt, denn bereits nach einer Stunde erschien der Serval wieder an der Wasserstelle. Dieses Mal war ich nicht nur besser vorbereitet, sondern der Serval kam auch weiter um die Wasserstelle herum. So ließ er sich nicht nur gut beobachten, sondern auch fotografieren. Leise schlabbernd schleckte die kleine gefleckte Katze das Wasser auf, ehe sie wieder in der Dunkelheit verschwand. Kurz nach Mitternacht erschien dann zu meiner Überraschung ein Zebra am Wasserloch. Der Hengst musste sehr durstig sein, dass er zu dieser Zeit das Wasser aufsuchte. Immer wieder sah er sich vorsichtig um, aber der Durst war größer als die Angst gefressen zu werden. Nach kurzer Zeit verschwand dann auch der Zebrahengst wieder im Dunkel der Nacht. Gespannt wartete ich auf weitere durstige Tiere der Nacht, wartete aber vergeblich. Erst gegen Morgen, bevor es zu dämmern begann, erschienen die ersten Zebras am Wasser . Nachdem sie verschwunden waren, fuhr ich wieder hoch zu unserem Banda um Petra abzuholen und mit einer weiteren Pirschfahrt zu beginnen.
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Es folgten zwei Tage mit sehr intensiver Löwenbeobachtung. Wir trafen sowohl auf die Männchen, als auch immer wieder auf verschiedene Weibchen. Entdeckten ein einzelnes Weibchen an einer der angelegten Wasserstellen im Taita-Gebiet und vier weitere Weibchen im Battlefield-Gebiet. Bei letzteren trug ebenfalls eines der Weibchen einen Sender um den Hals aber wir konnten die Tiere keinem Rudel zuordnen. Insgesamt gab es aktuell vier Löwenweibchen mit Sendern. Diese dienten letztendlich ihrem Schutz, denn mithilfe der Bewegungsdaten der Löwen, konnte verhindert werden, dass sie sich zu sehr den umliegenden Siedlungen näherten und es zu unnötigen "Human Wildlife" -Konflikten kam. Wir freuten uns über die vielen Begegnungen und genossen nicht nur die Zeit in der Nähe der Raubkatzen, sondern nutzten unsere Sichtungen auch regelmäßig um uns bei unseren Kontakten zu revanchieren und unsererseits Tipps bzw. Standorte durchzugeben.
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Doch nicht nur die Löwen sorgten für gute Wildbeobachtungen. Kaum hatten wir die vier vermeintlich unbekannten Weibchen verlassen, kamen wir auf eine größere Gruppe recht nervöser Elefanten zu. Die Dickhäuter waren unruhig, weshalb wir einen gehörigen Abstand hielten. Dennoch zeigte uns erst eine jüngere Kuh deutlich was sie von unserer Nähe hielt und drohte minutenlang mit erhobenen Kopf und ordentlich Trompeten. In ihrer Mitte hatte die Herde mehrere ganz kleine Kälber. Vielleicht waren ihnen aber auch die von uns beobachteten Löwen begegnet. Wir wussten es nicht, beobachteten aber neugierig das Verhalten der Elefanten. Unruhig zog die Herde weiter weiter und wir versuchten ihnen zu folgten ihnen. Was sich in dem Moment als schwierig erwies, als die gesamte Herde zu uns auf die Piste kam und augenscheinlich nicht verfolgt werden wollte. Angestachelt durch die jüngere Kuh die uns Minuten vorher schon bedroht hatte, Trompetete die gesamte Herden und einige größere Elefantenkühe bauten sich auf der Piste vor uns auf! Wir verharrten. Irgendwann beruhigten sie sich und zogen weiter, nach kurzer Zeit war ich mir sicher, die Elefanten wollten zum Wasser. Nach den Drohgebärenden der Herde hatten wir den Abstand noch einmal vergrößert. "Die ziehen in Richtung Lions Bluff Wasserloch, die wollen zum Foto Hide Wasser!" erklärte ich Petra. Die vorhandenen Pisten erlaubten es uns jedoch nicht den Elefanten direkt zu folgen. Während die Dickhäuter den Lions-Bluff-Hügel überqueren konnten, mussten wir ihn umfahren. Unterwegs hatten wir Sammy getroffen und er fragte uns: "Did you observe these elephant´s?" "Yes, since one hour!" antwortete ich und erklärte Sammy dann meine Theorie. "No, normally they pass here and will walk in that direction!" antwortete mir Sammy, während er am Hügel vorbei zeigte. Ich schüttelte den Kopf. "Hundertprozentig, die werden überqueren!" sagte ich zu Petra und winkte Sammy zum Abschied zu, dann gab ich Gas. Es war ein recht großer Umweg den wir im Gegensatz zu den Elefanten in Kauf nehmen mussten. Außerdem hielt uns ja die neue Barriere auch noch etwas auf, ich beeilte mich also zum Photo Hide zu kommen.
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Als wir letztendlich am Hide ankamen, konnten wir die Elefanten sehen wie sie den Kamm der Hügelkette überschritten. Wir hatten es geschafft und würden rechtzeitig im Erdversteck sein. Noch standen zwanzig oder dreißig Zebras in dem Matschloch vor unserem Fenster und waren gewohnt unruhig und aggressiv, denn es war wieder kaum noch Wasser in der Wasserstelle. Auch einige Warzenschweine waren eigentlich gekommen um zu trinken, traute sich aber augenscheinlich nicht an den übermütigen Zebras vorbei. Mehr noch als beim ersten gemeinsamen Besuch im Hide, tobten die gestreiften Huftiere vor uns herum. Immer wieder traten sie sich gegenseitig, schleuderten Schlammbrocken durch das Fenster und auf uns. Die Zebras bissen sich in Hals und Beine, standen auf den Hinterbeinen und schlugen wild mit den Vorderhufen nach ihrem Gegner. Die Kämpfe waren wild und lautstark. Dann flüchteten sie plötzlich und stoben auseinander, während die Elefanten die Szenerie übernahmen. Ein oder maximal zwei Meter vor uns bauten sich die Riesen auf um das letzte Wasser vor uns aufzusaugen. Ihre kräftigen Rüssel waren zum Greifen nah. Die Minijumbos purzelten vor unseren Nasen durch das kühle Nass und hatten sichtlich Spaß. Laut schlürfend sogen die Dickhäuter das Wasser in ihre Rüssel um es dann in ihren großen Schlund zu spritzen, wo laut platschend die Hälfte wieder herauslief. Immer wieder wischten einzelne alte Elefanten mit dem Rüssel über das Wasser um Staub und Pflanzenreste zu entfernen, ehe sie die lange Nase voll Wasser sogen. Was für ein unglaubliches Getümmel.
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![]() Irgendwann hatten die Dickhäuter ihren Durst gestillt und zogen weiter. Einzig ein alter Bulle, der der Herde gefolgt war, blieb zurück. Ich hatte Douglas in der Zwischenzeit informiert, dass wir praktisch nur noch eine Tasse voll Wasser vor dem Hide hatten. Er reagierte sofort und schickte einen Trecker mit zumindest 5.000 Litern Wasser. Dieser erreichte den Hide, nachdem die Elefanten weitergezogen waren. Die von den Elefanten verdrängten Zebras waren zurück an die Wasserstelle gekommen und ließen sich nicht einmal von dem Trecker stören. Während das Wasser noch aus dem Tank in die Wasserstelle lief, erschienen einzelne Zebras, um zu trinken. Nachdem der Trecker abgezogen war und die Wasserstelle befüllt worden war, erschienen nach und nach immer mehr Zebras vor uns und stillten ihren unglaublichen Durst. Einige schlaue Rotschnabelmadenhacker ließen sich von ihren gestreiften Wirten bis an das Wassertragen, um dann selber auch zu trinken. Zehn oder mehr Zebras in einer Reihe standen vor uns und schlürften das Wasser, als wäre es das letzte auf Erden. Nach der langen Nacht und dem aufregenden Morgen gönnten wir uns nach dem späten Frühstück eine etwas längere Mittagspause, und ich holte etwas Schlaf nach. Dass wir an diesem spannenden Tag auch noch die gesuchten Kleinen Kudus aufspüren konnten, war sozusagen das Sahnehäubchen auf der Beobachtungstorte. Den total unspektakulären Sonnenuntergang und den dazugehörigen Sundowner Drink, erlebten wir an diesem Abend oben am Pool der Lions Bluff Lodge. Zum kühlen Drink gab es ein kleines Ukulele Konzert von Michela (Ehemalige Mangerin der Lodge) und ihren Safari-Gästen.
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Auch die letzten beiden Tage waren von spannenden Tag- und vor allem nächtlichen Beobachtungen geprägt. Bis auf eine Ausnahme hatten wir Löwen jeden Tag beobachten können. Wir hatten vermeintlich neue Löwen aufgespürt und trafen am letzten Tag das neunköpfige Rudel wie gewohnt am Lions Rock an. Damals ahnten wir schon, dass das Weibchen mit dem Senderhalsband trächtig sein könnte. Heute (Januar 2026) haben wir Gewissheit, die Löwin hat vier gesunde, inzwischen ca. 3 Monate alte Junge geworfen! Wir erlebten spannende Nachtpirschfahrten, wo wir neben den ganz großen auch immer wieder kleine Tiere wie Kaphasen, Kapohreulen, scheue Ginsterkatzen und auch ein schlafendes Lappenchamäleon entdeckten. Ganz zu schweigen von den täglichen traumhaften Sonnenauf und -Untergängen, zelebrierten wir nach wie vor den einen oder anderen Sundowner auf "unserem" Felsen neben dem Lions Rock. Außerdem entdeckten wir endlich einmal wieder eine der wunderschönen Puffottern und begegneten tagsüber den großen roten Elefantenbullen des Lumo das eine oder andere Mal. Überhaupt boten uns die Elefanten auf dieser Safari viele unvergessliche Momente. In der vorletzten Nacht erlebten wir sogar noch ein spannendes Spektakel vor der Wasserstelle am Foto-Hide. Nachdem wir uns entschlossen hatten an diesem Abend nach unseren Dinner noch einmal kurz in den Hide zu fahren, erschien nach kurzer Zeit plötzlich wie aus dem Nichts eine Elefantenkuh am Wasser. Sie war sehr unruhig drehte sich auf ihren vier Beinen im Kreis und trompetete laut. Trank dann wenige Schluck Wasser, drehte und Trompetet wieder und lief plötzlich in die Dunkelheit zurück. Als sie langsam zurück zum Wasser kam sahen wir den Grund für ihrere Erregung: Sie hatte ein Kalb dabei. Offensichtlich war ihr Durst stärker als ihr Mutterinstinkt, denn sie hatte das Kalb alleine zurückgelassen. Nun aber versuchte sie das nur wenige Tage alte Kalb ans Wasser zu führen. Wobei der kleine Jumbo immer wieder über seine eigenen Füße zu stolpern schien. Immer noch war die Elefanten Kuh aufgeregt und drehte sich hin und her. Dann erkannten auch wir die Gefahr, eine Tüpfelhyäne war dem Kalb gefolgt und rief bereits laut kichernd und heulend nach Verstärkung. Die Elefantenkuh reagierte mit Trompeten und ging mit gesenktem Kopf auf die Hyäne los, bis sie dies schließlich vertreiben konnte. Dann wurde es etwas ruhiger an der Wasserstelle und Mutter und Kalb konnten trinken, ehe sie wieder in der Dunkelheit verschwanden. Woraufhin kurze Zeit später ein alter Bekannter an der Wasserstelle erschien, Balu, wie unsere Enkelkinder den Elefanten getauft hatten stand vor uns und löschte ebenfalls seinen Durst.
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Neben der guten Wildbeobachtung hatten wir wieder eine schöne Zeit für uns allein oben an "unserem" Banda. Hatten uns leckere Mahlzeiten zubereitet, neue Rezepte ausprobiert und, wenn wir denn da waren, den Geräuschen der Nacht gelauscht. Der Lumo ist nur ein kleines Reservat, aber er hat so viel zu bieten, dass wir uns schon jetzt auf unsere nächsten Wochen in dem Schutzgebiet freuen. Zunächst hieß es aber erst einmal Abschied nehmen, Schlüssel abgegeben und den Land Cruiser zurück nach Nairobi bringen. Auf dem Weg zur Hauptstadt verbrachten wir noch eine Zwischenübernachtung im Small World Country Club, ehe wir am nächsten Morgen in Nairobi den Land Cruiser ausluden und unsere Safariausrüstung wieder in den Schränken verstauten. Am späten Nachmittag flogen wir dann nach Mombasa, wo wir einen Monat Zeit hatten um das Erlebte sacken zu lassen und Sonne, Strand, Meer und Zeit mit Freunden zu genießen.
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