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Es bleibt spannend, viel Zeit mit dem Gepard Ruka Wir hatten uns schon am Vorabend von Peter und seinem Team im Aruba Camp verabschiedet und brachen wieder gewohnt früh auf. An diesem Morgen allerdings ohne uns Frühstück vom Camp mitzunehmen, eine paar Kekese und unseren Tee hatten wir wie jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen vor unserem Cottage zu uns genommen und so war es unser Plan spätestens zum Lunch im Aruba Mara Camp zu sein. Wieder fuhren wir gleich in das Ol Kiombo Gebiet und wieder mussten wir uns zunächst einmal einen Weg durch die Rinderherden der Masai bahnen. Mal mehr, mal weniger dicht gedrängt trieben die Masai ihre Rinder durch den kleinen Ort Talek. Nicht jeder hielt sich an die Gesetzte und ließ sein Vieh außerhalb des Reservates grasen, einige der Wiederkäuer entdeckte man auch immer mal wieder im Mara Reservat. Aer, dass sollte an diesem Morgen nicht unser Problem sein, wir wollten nur möglichst zügig in das Reservat.
Im Ol Kiombo Gebiet angekommen, zeigte sich schnell die Sonne und brannte angenehm warm von einem blauen Himmel auf uns herab. Einzig die immer noch nassen Fahrspuren und einige tiefe Wasserlöcher auf den Pisten erinnerten an den Regen des gestrigen Abend und der vergangegen Tage. Gleich im ersten Licht des Tages fanden wir die Rongai-Löwen, fast genau dort, wo wir sie am Vorabend verlassen hatten. Friedlich und verschlafen lagen sie in der Morgensonne und dösten vor sich hin. Außerdem verbrachten wir einige Zeit mit einer kleinen Gruppe von fünf ausgewachsenen Elandantilopen-Bullen, die friedlich grasend durch die Savanne zogen. Drei Stunden später war der Frieden vorüber, einige von ihnen hatten ein Warzenschwein erbeutet und waren dabei, es zu vertilgen. Noch während wir den Löwen beim Fressen zusahen, sprang ein anderes Weibchen auf und erbeutete irgendwo zwischen den Büschen ein Warzenschweinferkel. Diese Löwin war allerdings nicht bereit, ihre kleine Beute zu teilen, und verzog sich mit ihrem Minikill zwischen höheres Gras und Büsche. Eigentlich wollten wir nach dieser unerwarteten Wildbeobachtung das nahe Mara Bush Camp anfahren und unser Zelt beziehen, aber kaum hatten wir die Löwen verlassen, entdeckten wir erneut das Gepardenmännchen Ruka. Wieder oder immer noch sah der Kater gut genährt aus. Außerdem liefen uns mehrere große, kräftige Elend-Antilopenböcke über den Weg und verleiteten uns zum Verweilen.
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Gegen Mittag erreichten wir dann aber doch das Soroi-Mara-Bush-Camp und bezogen, wie wir es uns gewünscht hatten, eines der beiden hinteren Zelte im Camp. Uns selber gönnten wir statt eines späten Frühstücks im Bush ein leichtes Lunch im Camp und dem Land Cruiser gönnten wir eine ordentliche Wäsche. Genauso, wie wir uns einen ersten kurzen Mittagsschlaf erlaubten. Das Mara Bush Camp kennen, schätzen und nutzen wir regelmäßig seit der Gründung im Jahr 2006. Damals lernte wir das Camp und seine Beitzer Gaby und Dave durch den Kauf unseres Land Cruisers kennen. Der eigene Land Cruiser ist inzwischen Geschichte, aber die Freundschaft zu Gaby und Dave und die Verbundenheit zu ihren Camps ist geblieben.
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Zwar freute sich mein Körper über den angebotenen Extraschlaf, aber mein Kopf fragte sich immer wieder: "Weißt du, was da draußen jetzt gerade passiert?" Nach einer Stunde Pause gewann der Kopf (wer auch sonst). "Du bist ein unruhiger Geist, du hast mir Mittagspausen im Mara-Bush-Camp versprochen!" war Petra wenig begeistert von meiner Aufbruchsstimmung. "Morgen ok?", versuchte ich, sie zum Aufstehen zu bewegen. "Ich hole schon mal den Cruiser vom Waschplatz und dann hole ich dich ab!" verschaffte ich ihr etwas Zeit. Kurze Zeit später standen wir wieder draußen im Busch neben den Löwen. Diese wurden gerade von einer größeren Herde Masai-Giraffen beobachtet, wobei die Giraffen weiter und näher auf die Löwen zugingen. So als wollten sie sagen: "Wir sehen euch, kommt nicht auf dumme Gedanken!" Etwas abseits des Rudels lag Oloimina und ließ sein Rudel nicht aus den Augen.
So enttarnt ließen wir die Löwen zunächst alleine und fuhren dorthin, wo wir vor der Mittagspause den Gepard zurückgelassen hatten. Kaum hatten wir Ruka entdeckt, da verdunkelte sich der Himmel. Der Gepard hatte das aufziehende Unwetter ebenfalls bemerkt und steuerte eine große Akazie an, neben der einige größere Baumstümpfe aufgestellt waren. Die Baumstümpfe sollten eigentlich Touristen als Frühstücks- oder Lunchplatz dienen und als Tisch genutzt werden. Und schon oft hatten wir Safarigruppen beobachtet, die dieses Angebot in Anspruch genommen hatten. Noch öfter haben wir aber die Gepardenmännchen, speziell damals die Tano-Bora-Geparden, dabei beobachtet, wie sie diese markanten Baumstämme in ihrem Revier markierten. Darauf sprangen und die Stämme mit ordentlichen Urinspritzern überdeckten. Das ist aber nicht der Hauptgrund, warum wir uns andere Frühstücksplätze suchen. ;-) Jetzt aber wollte der Gepard nicht sein Revier markieren, er wollte einfach nur Schutz vor Wind und Wetter haben. Gerade noch rechtzeitig hatte Ruka die Stämme erreicht, als die ersten dicken Tropfen vom Himmel fielen. Dann kam heftiger Wind auf und innerhalb von Minuten peitschten ein heftiger Regen und Hagel vom Himmel. Ruka versuchte, so gut es ging, Schutz vor dem Unwetter zu finden, und drängte sich dicht an die Baumstämme. Diese schützten ihn zwar etwas vor dem Wind, nicht aber vor dem Starkregen. Fast verzweifelt sah sich der Gepard nach anderem Schutz in der Umgebung um, aber da war nichts, was ihn schützen konnte. Dreißig Minuten später hörte es genauso abrupt auf zu regnen, wie es begonnen hatte. Wieder war aus der Grassavanne innerhalb von wenigen Minuten eine Seen- und Flusslandschaft geworden. Zusammengekauert hockte Ruka neben seinem Versteck und sah alles andere als glücklich aus. Überall stand hilfloses Wild und wartete sehnsüchtig auf ein Ende der Schauer. Nachdem es endgültig aufgehört hatte zu regnen, setzte Ruka sich wieder in Bewegung, erst jetzt ekannten wir wie prall gefüllt sein Bauch immer noch war. Auch wenn Geparden genauso wie alle anderen Katzen gerne im Regen jagten, dieser Gepard, sah satt aus.
"Aber Regen ist Katzenwetter!", erklärte ich und startete den Motor. "Du willst doch jetzt nicht wieder zurück zu den Löwen?", hatte Petra Zweifel an der Sinnhaftigkeit meines Vorhabens. "Die Löwen sind ja nicht weit weg! Nur mal nachsehen, wie sie den Regenguss überstanden haben!", fuhr ich los. Lange mussten wir dann auch nicht suchen, um das Rudel zu finden. "Sag ich doch, Regen ist Katzenwetter!", wiederholte ich meinen Satz. "Das glaube ich jetzt nicht!", staunte Petra. Das Rongai-Rudel hatte den Regen ausgenutzt und erneut einen Kaffernbüffel gerissen. Als wir das Rudel erreichten, waren sie bereits dabei, die Beute zu verspeisen. Olominia beobachtete sein Rudel immer noch as der Distanz, allerdings hatte der König der Savanne im Unwetter deutlich an Würde verloren. Nass wie ein Pudel lag er da, zu faul sich das Wasser aus der Mähne zu schütteln.
Es war zwar Katzen-, aber nicht unbedingt unser Wetter und schon gar kein Wetter für einen romantischen Sundowner in der letzten Abendsonne des Tages. Wir gingen also über zu Plan B und genossen unseren "Begrüßungswein" auf der Terrasse vor unserem Zelt, ehe wir durch den immer noch anhaltenden Regen zum Dinner liefen. "Tolle Idee, das Zelt am Ende des Camps haben zu wollen!", kommentierte Petra unseren, zugegeben etwas feuchten, Marsch zum Abendessen. Doch im großen Zelt angekommen, wurden wir durch ein leckeres Dinner sowie süße Nachspeisen entschädigt und vor dem Rückweg zu unserem Zelt hatte es dann auch aufgehört, zu regnen. In dieser Nacht hörten wir zum ersten Mal die Löwen brüllen!
Auch am frühen Morgen, als wir den Land Cruiser mit unserem "Packet Breakfast" beluden, waren die Löwen noch einmal zu hören. Wie erwartet fanden wir wenig später auch das gesamte Rudel, wenn auch ohne Oloimina oder andere Männchen. Vollgefressen lagen die Löwen am Rande der Piste, unweit der Stelle, an der sie am Vorabend den Kaffernbüffel gerissen hatten. Nun schienen sie endgültig für eine Weile satt zu sein. Die aufgehende Sonne gab sich an diesem Morgen alle Mühe, die Feuchtigkeit und Nässe aufzusaugen, und so überzog ein bizarrer Nebel die Flussläufe im Ol-Kiombo-Gebiet. Auf der einen Seite ein perfekter Sonnenaufgang, auf der anderen Seite graue Nebelbänke und neben uns die Löwen.
"Was für ein genialer Morgen!", stellte ich fest, als wir die Löwen wieder verließen, um nach dem Geparden Ruka zu suchen. Wir waren uns nicht sicher, den Geparden überhaupt im Ol-Kiombo-Gebiet zu finden. Elena und ihr Gepardenteam gingen davon aus, dass Ruka das Ol-Kiombo-Gebiet wieder verlassen und in Richtung Mara-River weiterziehen würde. Um diesen zu erreichen, hätte er aber zunächst den Ol Are Orok überqueren müssen, ein River-Crossing, welches wir natürlich gerne beobachtet hätten. Es war noch sehr früh am Morgen, weshalb es keinen Sinn machte, Schattenplätze nach der gefleckten Raubkatze abzusuchen. Wenn er noch hier war, dann sollten wir ihn im offenen Gelände aufspüren können. Und so fuhren wir kreuz und quer durch die offene Grassavanne. Stoppten hier und da, um mit dem Fernglas die Weite abzusuchen, und bekamen auf einmal und völlig unerwartet Unterstützung von einer Tüpfelhyäne. Die Hyäne fiel uns auf, weil sie regungslos dasaß und irgendetwas intensiv beobachtete. Als wir näherkamen, sahen wir, dass es der Gepard war, den sie nicht aus den Augen ließ. Ruka war schon wieder im Jagdmodus und versuchte, einen Riedbock anzupirschen. Doch die scheue Antilope schien ihn schon bemerkt zu haben und flüchtete rechtzeitig. Als Ruka anfing, loszurennen, spritzte das Wasser im Gelände auf, kleine Matschklumpen flogen durch die Luft. Zwar setzte der Gepard noch zum Sprint an, wurde auf dem nassen Untergrund aber schnell langsamer und brach dann die Jagd ab. Wir begleiteten Ruka noch eine ganze Weile und ließen ihn erst alleine, als er sich in den Schatten eines Busches legte.
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Unsere Pirschfahrt und die Begleitung von Ruka hatten uns nahe an das matschige Ufer des Ol-Are-Ork-Rivers gebracht, als uns die Nachricht erreichte, dass die Leopardin Faulu gesichtet worden sein soll. Schon vor zwei Tagen gab es eine solche Nachricht, aber da hatten wir so gar keine Lust, uns zwischen im Matsch steckengebliebenen Minibussen und wie geistesgestört fahrenden Land-Cruisern einzureihen. Auch dieses Mal versuchten wieder mehrere Fahrzeuge, das immer noch nasse Gelände an den unmöglichsten Stellen zu bezwingen. Einige beendeten damit ihre Leopardenbeobachtung, noch ehe sie begonnen hatte. Gerade wollten wir den quirligen Schauplatz wieder verlassen, da entdeckten wir die Leopardin, wo sie keiner vermutet hatte. Langsam fuhren wir ihr entgegen und hatten dann das Glück, dass sie aus der Senke am Ufer des Flusses genau auf uns zukam und uns passierte. Es war keine spannende Sichtung, aber für uns ein schönes Wiedersehen!
Mit diesen schönen Leopardenbildern im Kopf und in der Kamera suchten wir uns nach der unerwarteten Begegnung einen ruhigen Frühstücksplatz und Petra freute sich, endlich einmal vor elf Uhr etwas zu essen zu bekommen. Der Tag hatte mit sehr guter Wildbeobachtung begonnen und wir waren einfach nur zufrieden, die Wildnis genießen zu dürfen, und so zog sich das Frühstück an diesem Morgen etwas länger hin. Nach dem Frühstück suchten wir nacheinander noch einmal die Ruheplätze des Geparden sowie der Löwen auf und fuhren dann runter zu Smelling Crossing. Nicht, weil wir dort den Ol Are Orok durchqueren wollten, sondern einfach, weil man dort oft und gut Flusspferde und anderes Wild beobachten konnte. So auch an diesem Tag: Kaum hatten wir die Wasserkante der Furt erreicht, entdeckten wir einige Elefanten. Aber auch ein Nilkrokodil sonnte sich auf einer der schroffen Felsplatten im Fluss. Der dahinströmende Fluss und die friedliche Tierwelt strahlten unendliche Ruhe aus. Einzig ein alter Flusspferdbulle fühlte sich von uns gestört und machte ordentlich "Kelele" (Lärm), als er im Wasser aufsprang und laut schnaubte! Grund genug für uns, den Rückzug anzutreten und zum Camp zu fahren. Dort hatten wir ja direkt vor dem Zelt ebenfalls die Gelegenheit, Flusspferde im Ol Are Orok zu beobachten.
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Das Mara-Bush-Camp kannten wir seit seiner Gründung vor genau 20 Jahren und waren regelmäßig Gäste in diesem Camp. Oft einfach nur in den etwas kleineren Bush-Wing-Zelten, die uns immer noch mehr als genug an Luxus boten. Aber dieses Mal wieder in einem der großen Luxuszelte, die inzwischen wegen möglicher Hochwasser alle auf hölzernen Plattformen stehen. Für uns gehört das Mara Bush Camp immer noch zu einem der schönsten und authentischsten Safari-Camps, die wir kannten! Genau wie inzwischen im Aruba-Camp war ein Besuch im Bush-Camp immer wie nach Hause kommen. Genauso wurde man auch empfangen und bewirtet, man war zu Hause im Bush! Wie ich es Petra versprochen hatte, dehnten wir dieses Mal unsere Mittagspause etwas aus und konnten trotz anderer Vorsätze auch dem köstlichen Lunch nicht widerstehen.
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Am Nachmittag entdecken wir zunächst die beiden Fig-Tree-Weibchen mit den drei Kleinen wieder und kamen genau im richtigen Moment dazu. Die beiden ausgewachsenen, kräftigen Löwinnen hatte gerade eine gemischte Gruppe von Beutetieren ins Visier genommen. Aus ihren verdeckten Positionen beobachteten die Raubkatzen einige friedlich grasende Zebras, Elend-Antilopen und Gnus. Vorsichtig versuchten sie sich ihrer vermeintlichen Beute zu nähern. Neugierig beobachteten die Jungen ihre Mütter, aber wie so oft war einer der verspielten Junglöwen zu neugierig und vertrieb die vGrasfresser, ehe auch nur eine der Löwinnen zur eigentlichen Jagd ansetzen konnte. "Schade, ich hätte es ihnen und uns gegönnt!", lachte ich, während wir weiterfuhren. Wenig später traffen wir auf einen großen alten Elefantenbullen und dann fanden wir dann den Geparden Ruka. Der gefleckte Kater lag auf einem Termitenhügel und beobachtete die Umgebung. Ganz in seiner Nähe schlich eine Tüpfelhyäne umher und behielt ihrerseits den Geparden im Auge. Aber der Gepard war clever und erfahren genug, nicht zur Jagd aufzubrechen. Zu groß war die Gefahr, die Beute sofort an die viel stärkere Hyäne zu verlieren. Das Rongai-Rudel lag, wie erwartet, zwischen irgendwelchen Büschen und döste weiterhin vor sich hin. Für den Moment waren nicht einmal mehr Warzenschweine für die satten Löwen interessant. So pendelten wir am späten Nachmittag zwischen den verschiedenen Löwen und dem Geparden hin und her, ohne noch irgendwelche Aktionen der Raubkatzen zu beobachten. Im Gegensatz zu den Raubkatzen zeigte sich allerdings der Himmel erneut sehr aktiv und wurde schnell dunkler. Wieder zog ein heftiges Gewitter auf, so dass wir es vorzogen, das Mara-Bush-Camp an diesem Abend rechtzeitig anzufahren. Auch an diesem Abend fiel der Sundowner im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser und wir nahmen den abendlichen Drink in Form eines Glases Rotweins vor unserem Zelt ein. Anschließend beendeten eine heiße Dusche und ein sehr gutes Dinner unseren Tag, ehe wir dann müde in unserem großen, gemütlichen Bett verschwanden und schnell einschliefen.
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Wir hatten inzwischen erfolgreich jagende Geparden, Löwen und sogar Leoparden beobachtet. Hatten trotz des schwierigen, nassen Geländes jeden Tag mehrere gute Katzenbeobachtungen erlebt und ich hatte so ganz nebenbei jede Menge Spaß beim Autofahren gehabt. So hatten wir an unserem letzten Tag in der Mara eigentlich keine großen Erwartungen oder offenen Wünsche mehr. "Heute darf es dann gerne mal wieder den ganzen Tag trocken bleiben!", wünschte Petra sich dann allerdings doch noch, als wir kurz vor Sonnenaufgang den Land Cruiser für unsere Frühpirsch vorbereiteten. Und ich bestätigte: "Ja, ein Sundowner mit Sonne und draußen im Bush wäre tatsächlich ein schöner Abschluss heute Abend!" Als ich unser Frühstück aus der Küche des Mara Bush Camps holte, überraschte mich die neue Managerin mit einer Einladung zum Bushfrühstück. Ich wusste anfangs gar nicht, wie ich reagieren sollte. "Gaby would like to invite you for a bush breakfast. Just two other guests and the two of you. Around nine o'clock, we'll call you to let you know the exact location!" erklärte uns die Managerin und sah in mein ratloses Gesicht. Grundsätzlich freuten wir uns natürlich, aber ich wollte mich ungern an irgendwelche Zeiten binden und schlug die Einladung erst einmal aus. "Let's do it this way: We call you, when breakfast is ready, and then you let us know if you will come or not. If not, we won't be upset." schlug man uns dann vor und wir waren einverstanden. Zunächst aber begann auch dieser Tag wieder mit Nebel aber auch einem traumhaften Sonnenaufgang. Ballonsafaris glitten über die grüne Savanne und Topis und anderes Wild standen relaxt in der immer noch nassen Savanne, während wir uns mit zugeschalteter Allraduntersetzung einen Weg durch die Mara bahnten. Wieder hatten wir das nötige Safariglück und begegneten nach kurzer Zeit Ruka. Der Gepard war auf dem Weg in Richtung Rongai River. "Jetzt noch ein Cheetah-Crossing, das wäre auch ein schöner Abschluss!", erklärte ich Petra und folgte dem Geparden mit größerem Abstand, wobei die Piste wieder einmal immer matschiger wurde. Gerade überlegte ich, welche Piste wohl besser geeignet und trockener war, um dem Geparden bis an das Ufer zu folgen, da überschlugen sich wieder einmal die Ereignisse. Ansatzlos war der Gepard losgesprintet, nach wenigen Metern musste er schon seine fast 100 km/h erreicht haben. Vor ihm sahen wir kurz einen schwarzen Rücken auftauchen, dann flogen auch schon Matsch und Grassbüschel durch die Luft. Im nächsten Moment sahen wir außer grüner Landschaft nichts mehr. "Kill!", rief ich, er hat was erwischt. Jetzt flogen unter unseren Reifen die Grassoden, wir versuchten, so schnell wie möglich in die Nähe des erfolgreichen Jägers zu kommen, um uns zu versichern, dass er tatsächlich zum zweiten Mal erfolgreich vor unseren Augen gejagt hatte. "Wow, der hat tatsächlich ein Warzenschwein erlegt!", stellt Petra begeistert fest, als wir den Geparden wiedersehen konnten. "Und nicht mal ein kleines!", freute ich mich über diese für uns neue Beobachtung. Noch nie hatten wir einen Geparden ein Warzenschwein jagen sehen, noch nicht einmal Frischlinge. Bisher war es immer umgekehrt gewesen und wir hatten beobachtet, wie Warzenschweine Geparden vertrieben hatten. Jetzt aber lag vor uns ein Gepardenmännchen, das ein junges Warzenschwein fest mit seinen Kiefern am Boden hielt. Anders als vor einigen Tagen, als Ruka ein Impala-Kitz gerissen und bereits erdrosselt hatte, als wir ihn erreichten, lebte und wehrte sich das Warzenschwein noch. Immer wieder drückte der Gepard den schwarzen Körper gegen den Boden, sein verhältnismäßig kleines Gebiss umklammerte den kräftigen Hals des jungen Warzenschweins. Die Beine in die Luft gestreckt zuckte, zappelte und quiekte das Schwein, um dem tödlichen Biss zu entgehen. Dann hatte der Gepard sein Ziel erreicht. Am Ende hatte es tatsächlich mehrere Minuten gedauert, bis der Würgebiss Wirkung zeigte und das Warzenschwein tot war. Unmittelbar nach dem Töten packte der Gepard seine Beute an der Kehle und schleppte sie in einen höheren Grasbüschel um sich und vor allem die Beute vor Fressfeinden zu verstecken. Erst jetzt gönnte der Gepard sich eine kleine Ruhepause, ehe er dann begann, seine Beute zu öffnen. Wieder leckte die raue Zunge das Fell weg und dann begann die Raubkatze, die Beute am After bzw. Bauch zu öffnen. Der Gepard hatte Glück oder erneut vor seiner Jagd darauf geachtet, dass keine Hyänen in der Nähe waren oder die Jagd beobachtet hatten. Ungestört und wenig gierig fing er an zu fressen. Nach gut einer Stunde hatte er seine Beute fast ausgeweidet und die Hinterbeine verzehrt. Blutverschmiert machte er sich über die Innereien und das restliche Fleisch im Bauchraum her. Ruka machte nicht den Eindruck, als wolle er viel für die Aasfresser übriglassen. Dann klingelte plötzlich mein Handy: "Are you coming for breakfast? We can see you, you are not far from us!" Verdutzt drehte ich mich um und sah in einiger Entfernung einen größeren, mit einem roten Masaituch gedeckten Tisch und einen Sundworld-Land-Cruiser. Ich überlegte kurz und antwortete dann: "We can see you as well! But we are here with a cheetah!" "Don't worry, we will wait for you!" war die einfache Antwort. Worauf Petra und ich uns schnell einig waren, dass wir niemanden auf uns warten lassen wollten. "Ok, we come for a quick coffee or tea and a piece of toast!", beendete ich das Gespräch und zuckte mit den Achseln. "Der Gepard ist doch sowieso gleich fertig und verschwindet dann sicherlich in einem der Büsche, um zu schlafen!", versuchte Petra, uns die Situation schönzureden.
Zehn Minuten später standen wir vor einem perfekt gedeckten Frühstücksbuffet. Es fehlte an nichts. Frische Früchte, Toast, Würstchen, Speck und Eier je nach Wunsch lagen lecker vor unseren Augen und erzielten ihre Wirkung. "Ok, you are the winner. Please, let me have some fried eggs, sunny side up! bat ich, während ich mir Würstchen und Speck selber vom Buffet nahm. Petra folgte meinem Beispiel und fragte verwundert: "Ich dachte, wir wollten nur schnell nen Tee trinken?" "Wäre doch schade um die ganzen guten Sachen, hier ist ja sonst keiner mehr!", lachte ich und genoss unser üppiges Bushfrühstück.
Das Frühstück dauerte dann auch etwas länger, als wir eigentlich geplant hatten, aber nach gut einer Stunde waren wir zurück bei dem Geparden. Dieser war tatsächlich immer noch dabei, sein Warzenschwein zu verspeisen. Inzwischen war nicht mehr wirklich viel Fleisch an dem Kadaver und als hätte Ruka auf uns gewartet, ließ der Gepard auf einmal den Rest liegen, stand auf und lief in Richtung des Flusses anstatt wie erwartet zwischen schattige Büsche. "Der will jetzt tatsächlich über den Fluss!", staunte ich, als Ruka am Ufer des Ol Are Orok angekommen war. Der Gepard wusste genau um die Gefahren der Flüsse und betrachtete den Fluss eine ganze Weile, ehe er sich dann entschloss, das Wasser an einer anderen Stelle zu durchqueren. Trotz mehrerer großer, lauernder Nilkrokodile fing Ruka an, zunächst über die Steinplatten zu klettern, musste dann aber bauchtief in das Wasser. Sofort reagierte eines der Krokodile und ließ sich auf den Geparden zutreiben. Grund genug für Ruka, das letzte Stück des Flusses mit wenigen großen Sprüngen zu überqueren. Während wir den Atem angehalten hatten entkam Ruka knapp den kräftigen Kiefern des Krokodils. "Ganz so spannend hätte er es jetzt nicht machen müssen!", entspannte Petra sich wieder, nachdem der Gepard sicher am anderen Ufer angekommen war.
Während der Gepard den Fluss durchquert hatte, hatten sich am Warzenschweinkadaver erste Kappengeier und Raubadler versammelt und damit begonnen, an den Resten herumzuzerren. Schon nach kurzer Zeit trafen mehrere Weißrückengeier ein und sofort wurde das Gezanke um den Kadaver lauter. Als dann noch ein Marabu angeflogen kam, eskalierte die Lage kurzfristig. Viel ruhiger ging es wenig später bei einer kleinen Herde von Kaffernbüffeln zu, die in ihren Reihen jede Menge Nachwuchs führte. Die, an diesem Tag endlich wieder heißen, Mittagsstunden verbrachten wir im Schatten des Mara Bush Camps, wo wir aufgrund des üppigen Frühstücks auf das Lunch verzichteten und uns stattdessen von einer Gruppe Zebramangusten bespassen ließen.
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Für den Nachmittag bzw. Abend hatten wir nur einen Wunsch und der wurde uns zum Glück auch erfüllt. Unweit des Rongai-Rudel Oberhauptes Oloimina zelebrierten wir unseren Sundowner. Dank unseres Kühlschrankes im Fahrzeug konnten wir kalten Gin & Tonic und Whisky mit Cola genießen, dazu als "Biting" etwas gut gewürzten Biltong! So hatten wir uns eigentlich jeden Abend in der Mara vorgestellt, aber wir wollen nicht undankbar sein. Am Ende hatte uns das "Katzenwetter" viele unvergessliche Momente und Beobachtungen beschert und wir waren mehr als zufrieden mit den vergangenen Tagen. Und das Beste war, dass es noch lange nicht das Ende unserer Safari war!
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