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Löwen in Gizas Revier Nach zwei Nächten in Nairobi brachen wir früh morgens auf in Richtung Tsavo Gebiet. Die Straßen in Nairobi waren noch leer, nur wenige Menschen huschten über die Teerstraßen und auch auf dem Express Highway fuhren kaum Fahrzeuge. Den schnell anschwellenden Berufsverkehr Nairobis hatten wir uns durch unseren rechtzeitigen Start also schon einmal erspart. Auch nachdem wir die sonst so quirlige Hauptstadt verlassen hatten kamen wir recht schnell voran, der starke Motor des neuen Land Cruisers erleichterte uns natürlich die diversen Überholmanöver und so wuchs mir der neue Wagen und seine Vorzüge schnell ans Herz. Seit knapp zwei Monaten waren wir nun in Kenya unterwegs, unternahmen unsere bisher längste Safari. Während wir im Februar vor gut anderthalb Monaten auf dieser Strecke rechts und links der Straße trockene, braune Gras- und Buschlandschaften erlebten, hatte die sehr früh eingesetzte Regenzeit nun nach der Masai Mara, Nairobi und anderen zentralen Landesteilen auch die Tsavo Parks erreicht. Überall sahen wir tief grünes Gras, Büsche und Bäume voller Laub und im blauen Himmel über uns trieben immer wieder weiße aber auch dunkle Wolken. Die Luft warm angenehm warm und wesentlich feuchter als im nördlichen Laikipia Hochland. Gegen Mittag hatten wir Voi erreicht, unsere Dieseltanks aufgefüllt und dann schnell auf dem Weg zum nahen Lumo Conservancy. Unterwegs füllten wir, wie immer, in Mwatate Markt unsere Lebensmittelvorräte mit den letzten noch gebrauchten frischen Gemüse und Obst auf und erreichten wenig später den Abzweig zum Conservancy. Die recht großen Pfützen und Wasserlachen auf der roten Piste verrieten die erst vor kurzem heruntergegangenen Regenfälle und machten uns neugierig auf das was uns im Park an Landschaft und vor allem Tierwelt erwarten würde.
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Wenig später hatten wir bereits die Parkgebühren beglichen und waren dabei unseren Land Cruiser auszuladen und uns in unserem Banda im Leopards Lair Cottage einzurichten. Dieses Mal war man natürlich auf unsere Ankunft vorbereitet und so ließ der Empfang wie gewohnt herzlich und reibungslos ab. Zahlreiche helfende Hände entluden das Fahrzeug und nach einer herzlichen Begrüßung schlürften wir einen kühlen Begrüßungsdrink auf unserer Terrasse. Die Landschaft unter uns war nicht wieder zu erkennen. Wo vor anderthalb Monaten staubige, trockene, braune Bushsavanne vorherrschte, stand nun ein Meer aus grünen Gräsern, dichte grüne Büsche und dunkelgrüne Bäume. Ein Teil unserer Aussicht war gar fast zugewachsen. Schon kurz nach dem Gate hatten wir bemerkt, dass die im Februar noch ausgetrocknete Wasserstelle, jetzt recht gut gefüllt war. Obwohl ich es eigentlich nicht erwarten konnte durch die grüne Savanne zu pirschen, gönnten wir uns nach unserer Ankunft erst einmal ein kräftiges, spätes Frühstück. Ein paar frische Bananen, zwei Spiegeleier mit Schinken und Käse auf Toast, dazu heißer Tee sowie Orangensaft, fertig war die erste Mahlzeit des Tages.
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![]() ![]() ![]() Wenig später starteten wir unsere erste Pirschfahrt und wurden schnell ernüchtert. Obwohl alle Wasserstellen prall gefüllt waren und es saftiges Gras im Überfluss gab, sahen wir verhältnismäßig wenig Tiere. Wo vor sechs Wochen noch rund 2500 Zebras, hunderte von Elefanten und große Gruppen und Herden von Kongonis oder Impalas gegrast hatten endeckten wir nun nur noch vereinzelt Tiere. Als erstes endeckten wir auch in diesem Schutzgebiet die kleinen, scheuen Dik Diks. Allerdings hatten wir es hier im Lumo mit Kirk Dik Diks zu tun. Außerdem sahen wir einige Südliche Grant Gazellen bei denen es sich ebenfalls um eine andere Unterart als die im Hochland Vorkommenden Nördlichen Grand Gazellen handelte, aber auch ein paar Kongonis und die großen Elend Antilopen bekamen wir zu Gesicht. Die Vogelwelt hingegen zeigte sich üppig und präsentierte sich mit den unterschiedlichsten Vögeln. Besonders freuten wir uns über eine Europäische Rohrweihe, die sich nur zum Überwintern in Afrika aufhält und die wir im Lumo noch nie beobachtet hatten. Die seltene Weihe saß ihrem Namen alle Ehre machend am vom Regen frisch aufgefüllten Wasserloch neben dem, jetzt grün bewachsenen Lions Rock Felsen. Außerdem schwammen einige Höckerglanzgänse und Rotschnabelenten auf dem Wasser und am Ufer stand ein Schwarzkopfreiher. Am späten Nachmittag hatte es dann angefangenen zu regnen und es zeigte sich schnell ein runder, bunter Regenbogen.
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![]() Es gab also grundsätzlich jede Menge zu sehen und zu beobachten, nur eben in einer ganz anderen Umgebung und viele Tiere, die man sonst schon einmal übersieht oder weniger beachtet. Neben der vielfälltigen Tierwelt faszinierte uns das blühende, fast rosa schimmernde lange Gras im Lumo. Es gab der Savanne ein für uns untypisches Erscheinungsbild und erinnerte ein wenig an die Heidelandschaften im Norden Deutschlands. Zufrieden, aber auch gespannt auf die nächsten zwei Wochen beendeten wir unsere Abendpirsch am Lions Rock und zelebrierten dort unseren Sundowner. In der einen Hand den Gin & Tonic und in der anderen Hand eine Zigarette, bemerkte ich im hohen, grünen Gras wähernd der Dämmerung, einen sich bewegenden dunklen Fleck und identifizierte ihn zunächst als junges Warzenschwein. "Oh, sieh mal da drüben, da rennt sogar noch ein Warzenschwein im Abendlicht!" kommentierte ich meine Sichtung und ging gleichzeitig weiter in die Richtung des Gesehenen. "Scheiße, das ist ein Serval, Ein schwarzer Serval" rief ich und konnte fast nicht glauben was ich gesehen hatte. Aber da war die kleine schwarze Raubkatze auch schon verschwunden. Gerade erst hatten wir die Beobachtung der schwarzen Leopardin im Hochland beendet, da lief uns hier ein schwarzer Serval über den Weg. Zwar wussten wir schon seit langem von der Existenz der schwarzen Servale im Lumo und hatten diese ja auch schon öfters, zuletzt sogar vor sechs Wochen, beobachtet, aber hier am Lions Rock und bei dieser dichten Vegetation hatten wir nicht mit einer Sichtung gerechnet. Das ausgerechnet die Servale unsere Zeit im Lumo prägen sollten ahnten wir zu dieser Zeit genauso wenig.
Mehr als zufrieden mit dieser ersten Pirsch, die ja in erster Linie dazu gedacht war sich einen Überblick über Pistenverhältnisse, Wasserstellen, Vegetation und Wildvorkommen zu machen, fuhren wir mit einer ersten Abendpirsch im Dunkeln zurück zu unserem Cottage. Bei der Auffahrt zum Camp entdecken wir am Pistenrand eine scheue Ginsterkatze und beenden mit dieser Sichtung die Wildbeobachtung des Tages. Oben angekommen brutzelten wir uns noch etwas leckeres zum Abendessen und dann verschwanden wir auch schon unter dem Moskitonetz unseres großen Bettes.
Im Lumo waren wir komplett frei mit unseren Entscheidungen, da auch Nachtpirschfahrten erlaubt waren, konnten wir so früh wie wir wollten mit unseren Pirschfahrten beginnen. Wenn wir alleine waren nutzten wir auch gerne diese Möglichkeiten und starten auch schon mal um drei oder vier Uhr Morgens. Jetzt während der Regenmonate und aufgrund der dichten Vegetation wollten wir aber weitestgehend von Nachtpirschfahrten absehen. Trotzdem waren wir am nächsten Morgen früh auf den Beinen, kochten uns einen ersten Tee, knabberten zwei oder drei Kekse und fuhren dann noch vor Sonnenaufgang hinunter in die Ebene. Löwen suchten wir and diesem Morgen vergeblich, aber nachdem die Sonne über der Lions Bluff Hügelkette stand und die Savanne ausleuchtete, zeigte sich nicht nur der Kilimanjaro in seiner ganzen Pracht, sondern wir entdeckten in einer Fahrspur auf der Piste eine Servalkatze. Im Gegensatz zum Vortag, war dieser Serval normal gezeichnet. Zusammengekauert hockte die gefleckte kleine Raubkatze auf der Piste und wartete auf erste wärmende Sonnenstrahlen. Fasziniert stoppten wir den Land Cruiser in gebührender Entfernung und beobachteten den kleinen Jäger. Nachdem die Sonne den Körper des Servals erreicht hatte konnten wir zusehen, wie die Wärme die Lebensgeister der Katze erweckte. Zunächst setzte sie sich aufrecht und fig an ihre Umgebung genauer unter die Lupe zu nehmen, kurz darauf reckte und streckte sie sich um unmittelbar danach damit zu beginnen, rechts und links der Piste nach Beute zu suchen. Nach einer Weile verschwand sie dann im hohen Gras und setzte ihre Jagd ohne unsere neugierigen Blicke fort. Was für ein faszineirender Safaritag beginn, dachte ich als ich den Motor wieder startete.
Unsere weitere Pirschfahrt führte uns von Wasserstelle zu Wasserstelle wobei wir an der Wasserstelle am Lions Rock, wieder Rotschnabelenten, Höckerglanz- und Witwenpfeifgänse entdeckten. Alle Wasserstellen die wir aufsuchten waren mehr als gut gefüllt und immer wieder begegneten wir Leopardschildkröten auf den Pisten und vor allem in der Nähe von Wasser. Mehrfach sahen wir die Reptilien beim Trinken oder an einem kleineren Wasserloch, sogar mitten im Wasser. Aber nicht nur die eigentlich an Land lebenden Leopardschildkröten konnten wir beobachten, auch Halswender- und andere Sumpfschildkröten waren am Ufer der Wasserstellen zu beobachten. Außerdem entdeckten wir eine kleine Buschhörnchen Familie, die aufmerksam die Umgebung beobachtete. Zebras und Elefanten suchten wir allerdings vergeblich, Kongonis bekamen wir immer mal wieder zu sehen.
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Bevor wir zum späten Frühstück zurück zu unserem Banda fuhren, stellten wir am Fotohide, unterhalb der Lions Bluff Lodge unsere Fotofalle auf. Viel versprachen wir uns nicht von der Aktion, schließlich gab es aktuell über all im Park Wasser, aber so konnten wir uns einen Überblick verschaffen, wer trotzdem an diese Wasserstelle kam. Nach unserem verdienten und wieder späten Frühstück lernten wir Dominic, einen der neuen Manger von den Soroi Camps und Lodgen im Lumo kennen. Er war zusammen mit unserm jungen Freund Adam, der ebenfalls als Manger im Park fungierte von der Lions Bluff Lodge zu uns herunter gekommen um uns zu begrüßen. Adams und unsere Wege kreuzten sich in den letzten Jahren immer wieder. Egal ob irgendwo in der Wildnis oder in Nairobi, ein Wiedersehen war immer herzlich und bot uns die Möglichkeit viele neue Informationen zu bekommen, ganz abgesehen davon, dass Adam uns noch nie einen Wunsch abgeschlagen hatte. Auch jetzt gab es wieder viel zu erzählen und auszutauschen. So verbrachten wir eine ganze Weile zusammen, ehe wir am Nachmittag wieder zur nächsten Pirschfahrt aufbrachen.
Soroi Leopards Lair Cottages - Self Cattering - Lumo Conservancy - Tsavo West ![]()
Abgesehen von einigen Antilopen, weiteren Schildkröten und einer reichen Vogelwelt entdeckten wir am Nachmittag zunächst kaum Wild. Dann überraschte uns plötzlich ein weißer oder besser blasser Savannenadler. Zusammen mit einem dunklem Artgenossen oder Partner saß er in der Krone eines Baumes. Dann plötzlich kurz vor Sonnenuntergang eine erste Löwin im hohen Gras. Die braune Raubkatze hatte gerade Beute ins Visir genommen und versuchte sich dieser unbemerkt zu nähern. Außer dem Kopf und einen Teil des Rückens, konnten wir kaum etwas von der Löwin sehen und auch von ihrer vermeintlichen Beute sahen wir zunächst nur die Ohren. Dann sprang ein plötzlich ein Bushbock Weibchen los und war schnell der Reichweiter der Löwin entkommen, was diese auch schnell erkannte, die Jagd abbrach und ebenfalls im hohen Gras verschwand.
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Der Lions Rock hielt an seiner Wasserstelle zwar viele unterschiedliche Vögel parat von den eigentlich gesuchten Löwen entdeckten wir aber weiterhin keine. Stattdessen hatten Gelbe Paviane den Rock besetzt und tobten dort wo wir sonst oft Löwen beobachtet hatten auf den Felsen herum. Wieder zelebrierten wir unseren Sundowner am Lions Rock und brachen dann nach Sonnenuntergang auf um mit einer mehr oder weniger kurzen Pirschfahrt zurück zum Camp zu fahren. Es machte wenig Sinn das umliegende Gelände mit einem Scheinwerfer abzusuchen, zu dicht und zu hoch war das Gras, es war kaum möglich die kleinen nachtaktiven Tiere die wir eigentlich gesucht hätten zu entdecken. Sah man dann tatsächlich einmal reflektierende Augen im Scheinwerferlicht, rechts oder links von der Piste, waren diese meist sofort auch wieder verschwunden. Um so mehr freuten wir uns, als wir in dieser Nacht gleich zweimal das Glück hatten weitere Servale auf der Piste zu entdecken oder ihnen zu begegnen. Interessanter Weise waren die gefleckten Jäger selten scheu und nutzten die Piste für ihre nächtlichen Streifzüge, so dass wir ihnen leicht folgen konnten. Später sahen wir fast an der selben Stelle wie in der Nacht zuvor, die Ginsterkatze wieder. Oben an unserem Banda angekommen, belohnte ich mich für die drei Servale mit einem kühlen Drink und dann bereiteten wir unser Dinner zu. Nach der an diesem Abend leichten Mahlzeit verschwanden wir recht schnell im warmen Bett.
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Auch die zweite Nacht war eher kurz und wir am nächsten Morgen wieder früh unterwegs. Zwar zeigte sich dieses Mal der Kilimanjaro nicht, sondern blieb hinter seinem Wolkenmantel verborgen, dafür entschädigte uns aber ein interessanter Sonneaufgang. Ansonsten erlebten wir bis zu unserem späten Frühstück im Leopards Lair eine friedliche, ruhige Tierwelt im Reservat. Sahen grasende Grant Gazellen, erste Fransenohr Oryx und damit wieder eine andere Unterart als die Oryx im Hochland von Laikipia. Aber beobachteten auch einige Strauße, diverse andere Vögel und wieder mehrere verschiedene Schildkröten sowie bei der Kontrolle unserer Kamera am Fotohide eine für uns neue Froschart. Fasziniert treffen wir auch an drei unterschiedlichen Stellen im Park erneut auf Servale auf der Piste. Dieses Mal waren die Begegnungen zwar nur kurz und die kleinen Raubkatzen verschwanden schnell im hohen Gras, aber es zeigte uns, dass die hohe Vegetation durchaus auch Vorteile für uns haben konnte, zwang sie doch viele kleinere Tiere, die sonst die Wildwechsel oder Trampelpfade der großen Tiere nutzten, nun auf den Pisten durch den Park zu pirschen.
![]() Von Adam hatten wir von einer Löwin mit vier Jungen am Lions Rock erfahren und ahnten um welche Löwin es sich handelte und hatten bereits eine Vermutung wo sie die Jungen versteckt haben könnte. Als wir am Vormittag nach den kleinen Löwen suchten, konnten wir zwar weder die Jungen noch die Mutter entdecken, bekamen aber Mittags von Sammy, einem Freund und Guide von Sunword Safaris, die Bestätigung, dass unsere Vermutung richtig war.
Gespannt fuhren wir gleich nach unserem Brunch zurück zum Lions Rock und bauten uns geduldig unterhalb einer recht steilen Felswand auf. Immer wieder suchte ich den Felsen nach Hinweisen auf die kleinen Löwen ab, aber auch nach zwei Stunden hatten wir noch keine Spur von den Löwen entdeckt, als ich plötzlich ein kleines Löwenköpfchen zwischen zwei Büschen entdeckte. Wenig später zeigte sich das erste Junge am Hang. Im Laufe des Nachmittags zeigten sich dann nach und nach drei der vermeintlichen vier Jungen und kletterten noch etwas tollpatschig an der Felswand herum. Manchmal tobten sie übermütig auf den Felsen und am Hang, das wir befürchteten, sie könnten abstürzen, dann waren sie wieder Minutenlang verschwunden. Einer der kleinen Racker zeigte sich gar nicht richtig, von ihm sahen wir nur einmal kurz die Ohren. Wir vermuteten das es sich um die vier Jungen handelte, die wir in der Dunkelheit der Nacht im Maul ihrer Mutter gesehen hatten. Damals hatte die Löwin die Jungen, einen nach dem anderen, in ein neues Versteck getragen. Zusammen mit Karsten und Christiane konnten wir den gesamten nächtlichen Umzug mitverfolgen. Wir freuten uns die Familie wiedergefunden zu haben und nahmen uns vor diese Wildlife Geschichte so lange wie es ging mitverfolgen zu wollen. Ohne zu Ahnen welche dramatische Wendung das Leben dieser vier Löwenkinder nehmen würde. An diesem ersten Abend mit den kleinen Löwen blieben wir, bis es dämmerte und die Löwenbabys sich irgendwann wieder in ihr Versteck zurückzogen und somit für uns unsichtbar wurden. Unseren Sundowner hatten wir etwas vorverlegt und neben den Löwen im Land Cruiser eingenommen. Zufrieden und mit dem Ehrgeiz diese Löwen nun mögichst die nächsten 8 Tage zu beobachten, fuhren wir direkt und etwas früher hinauf zum Camp und schafften es so endlich, die wieder am Pistenrand sitzende Ginsterkatze zu fotografieren. "Die wartet doch auf uns oder?" lachte Petra, als wir weiter zum Leopards Lair Camp fuhren.
Natürlich waren wir am nächsten Morgen sehr früh unterwegs und machten uns sogleich auf die Suche nach den Löwenbabys. Tatsächlich mussten wir nicht lange warten, kaum hatten die ersten Sonnestrahlen den Felsen erreicht kamen auch die Jungen aus ihrem Versteck. Wieder oder immer noch waren sie alleine. "Eigentlich ungewöhnlich! Meist ist doch wenigsten eine Tante oder Cousine bei den Jungen!" wunderte ich mich und sah mich mit dem Fernglas in der Umgebung um. Konnte aber nirgendwo erwachsene Löwen entdecken. "Vermutlich war die jagende Löwin die wir gesehen hatten die Mutter der Jungen?" sprach ich weitere Gedanken aus, während wir die Baby Raubkatzen beobachteten. Wieder waren drei der Minilöwen sehr munter und spielten Fangen, Verstecken und Anspringen an ihrer Felswand, während wir das vierte Jungen nicht wirklich zu sehen bekamen. Als die Sonne immer mehr Kraft gewann und es immer wärmer wurde, zogen sich die Kleinen wieder in ihr Versteck zurück und wir fuhren zunächst weiter. In der Nähe des Lions Rock war eine scheue Gepardin gesehen worden und wir wollten versuchen die gefleckte Raubkatze zu finden und eventuell zu identifizieren.
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Das Glück lag wieder bei den Tüchtigen und so entdeckten wir die Gepardin tatsächlich nach recht kurzer Suche, mussten aber fest stellen, dass die Raubkatze sehr scheu und vermutlich neu im Revier war. Zumindest konnten wir sie solange beobachten bis wir ihr Geschlecht erkennen und ein Weibchen bestätigen konnten. Als wir anschließend noch einmal nach den Löwen sehen wollten konnten wir zwar einen oder den einen Klippspringer (es scheint tatsächlich nur noch eine dieser Antilopen am Rock zu leben) entdecken und auch einige Klippschliefer sowie Zwergmangusten beobachten. In der Nähe der umliegenden Wasserstelle trafen wir wieder Fransenohr Oryx, Grantgazellen und Kongonis. Genauso wie wir eine weitere alte Leopardschildkröte und verschiedene Racken entdecken konnten, die Löwen bekamen wir aber an diesem Morgen nicht noch einmal zu Gesicht.
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Da die Löwen anscheinend nicht die Absicht hatten am Vormittag noch einmal aus ihrem Versteck zu kommen und wir nicht noch einmal zwei Stunden auf ihr Auftauchen warten wollten, entschlossen wir uns kurzerhand auf die andere Seite ins Taita Reservat zu fahren und uns am Bura Dam einen Überblick zu verschaffen. Auf diese Weise konnten wir an der Salt Lick Lodge vorbei fahren und dort sowie entlang des kleinen Baches nach Elefanten Ausschau halten. Von den Dickhäutern hatten wir nämlich seit unserer Ankunft im Reservat noch nicht einmal einen Kothaufen gefunden. Die Elefanten waren, genau wie die Zebras entweder auf der anderen Seite im Taita Gebiet oder in den Tsavo West Park abgewandert. Nach gut einer Stunde wussten wir zumindest wo die Elefanten und die Zebras nicht waren. Drüben im Taita Gebiet stand so gut wie gar kein Wild. Einzig eine handvoll Wasserböcke hatten wir entdecken können und das obwohl auch der Bura Dam endlich einmal wieder reichlich Wasser hatte. Letztendlich erlebten wir eine farbenprächtige Landschaft, die wir so leuchtend noch nie gesehen hatten und die uns auch ohne Wild faszinierte. Auf unserer Pirschfahrt zum Leopards Lair Camp überraschte uns dann nicht nur ein stolz dahinschreitender Sekretär sondern auch eine weitere Servakatze, die gerade damit beschäftigt war Kot abzusetzten. Kot den wir übriegens auf vielen Pisten feststellen und sehen konnten.
Wieder verbrachten wir die, auch in der Green Saison heißen Mittagsstunden oben am Banda, Frühstückten und ruhten uns etwas aus. Außerdem entschlossen wir uns, anstatt eines üppigen Dinners am Abend einfach nur ein paar Sandwich und Guacamole zu essen. Das ganze dann aber unten am Lions Rock und zum Sundowner. Es wurde also nicht nur geruht, sondern auch gerührt und geschmiert.
Gut mit Essen und Getränken ausgestattet starteten wir am Nachmittag runter in die Savanne und natürlich wieder zurück zum Versteck der Löwen. Als wir jedoch die lange gerade Piste vom Lions Bluff in Richtung des Lions Rock fuhren konnte ich kaum glauben was ich sah. Mitten auf der Piste kam uns die Löwin mit ihrem Nachwuchs im Schlepptau entgegen. Langsam schritt die kräftige Löwin auf der Piste voran und die vier Jungen folgten ihr. Als sie näher kamen ahnten wir, warum einer der Kleinen vermutlich nicht seinen Geschwistern gespielt hatte. Das vierte Junge war deutlich kleiner und schwächer als die drei anderen. Auch jetzt hatte der kleine Löwe Schwierigkeiten mit den anderen Schritt zu halten und so dauerte es nicht lange und seine Mutter kam ihm zu Hilfe. Auch wenn es immer beängstigend aussieht, wenn sich das riesige Maul der Löwin um den Hals der Jungen legt. Der Griff ist sanft und perfekt. Mit einem Kleinen im Maul und drei Minilöwen hintendrein zog die Löwin an uns vorbei und ganz sicher in Richtung eines neuen Versteckes. Natürlich behielten wir sie im Auge, bis wir ungefähr wussten wo dieses neue Versteck sein würde. Mussten aber dann aber feststellen, dass sie ein für Fahrzeuge schwer erreichbares Versteck ausgesucht hatte. Mitten in meterhohem Gras zwischen mehreren Büschen verschwand die Löwin schließlich aus unserer Sicht.
Grund genug für uns, uns nach dieser beeindruckenden Beobachtung, auf unseren Sundowner und das Abendessen vorzubereiten. Schnell waren Tisch und Stühle aufgebaut, Essen und Getränke aufgetischt. Wir waren allein in der Wildnis, als fast alleine, denn vor uns saß eine recht große Leopardschildkröte und beobachtete jede unserer Bewegungen während über uns der Vollmond leuchtete und sich hinter uns die Sonne am Horizont verabschiedete. Das wir an diesem Abend zusätzlich zu den Beobachtungen am Tage, nach dem kleinen Bushdinner am Lions Rock noch einer weiteren Ginsterkatze begegneten machte den Tag, genau wie der Erdwolf den Petra entdeckt hatte und die nächtliche Sichtung von fünf weiteren Serval Katzen zu einem dieser außergewöhnlichen Tage. "Lumo, so wie wir ihn liebten!"
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Fast aufgeregt waren wir wieder sehr früh auf den Beinen und bereiten uns auf einen neuen, spannenden Safaritag im Lumo vor. Über unserer Terrasse steht noch ein fast voller Mond als wir mit einem ersten heißen Tee mit Milch, Keksen und einer ungesunde Zigarette den Tag begrüßen. Als die ersten zaghaften Sonnestrahlen in der Ebene unter uns ankommen, sehen wir in eine vom Nebel verschleierte Landschaft, wenig später erlebten wir einen traumhaften Sonneaufgang. Inzwischen hatten wir unseren Banda schon verlassen und fuhren in Richtung des neuen Löwenversteckes. Als wäre der gelb rote Sonneaufgang Anblick des höchsten nicht schon schön genug, tauchte am Horizont langsam der majestätische Kilimanjaro in seiner ganzen Pracht auf. "What a morning!" seufzte ich und wurde plötzlich von Petra jäh aus meiner Schwärmerei gerissen. "Serval!" meldete sie nur kurz und dann sah auch ich die kleine, gefleckte Raubkatze auf der Piste. Wieder nutzte eines dieser kleinen Raubtiere die Pisten des Reservates für ihre Pirschgänge und Jagd. An diesem Morgen war die Begegnung fast gespenstisch. Die langen Grashalme waren noch feucht und die ersten Sonnenstrahlen des Tages reflektierten im Tau an den Halmen und Spinnennetzen am Pistenrand. Dazwischen bewegte sich geschmeidig der Serval. Seine Bewegungen und sein Anmut konnten durchaus mit den großen Raubkatzen wie Leoparden oder noch eher Geparden mithalten. Alles war eben etwas kleiner. Die großen spitzen Ohren waren ständig in Bewegung, als der Serval sich auf der Piste vorwärts bewegte. Kein Vogel im Geäst, keine Maus im Gras entging ihm. Jedes kleinste Geräusch konnte diese Katze wahrnehmen. Immer wieder stoppte der Serval, wenn er etwas verdächtiges gehört hatte, manchmal verschwand er für ein paar Minuten im hohen Gras. Manchmal sahen wir den Jäger mit einem unerwarteten und gewaltigen Satz vorwärts springen. Wenn die kleine Raubkatze im hohen Gras für uns ein paar Minuten nicht sichtbar war, war es gut möglich, dass sie eine Maus erwischt hatte. Aber sie kam zunächst immer wieder zurück auf die Piste und mit Beute im Maul bekamen wir sie nicht zusehen. Irgendwann trennten sich unsere Wege und der Serval verschwand im hohen Gras.
Als wir wenig später am Lions Rock vorbei fuhren entdeckten wir auf den Felsplatten neben dem Rock, eine alte Bekannte und waren geneigt das Reptil Morla zu taufen. Die große alte Leopardschildkröte, die uns am Vorabend bei unserem Sundowner beobachtet hatte tatsächlich nur wenige Meter bewegt und war auch jetzt sehr gemächlich unterwegs!
Unser eigentliches Ziel an diesem Morgen waren aber natürlich die Löwin und ihre Jungen und so versuchten wir so nah es die Pisten eben zuließen, an das Versteck der Löwen heran zu kommen. Es dauerte eine Weile bis wir die gut getarnten Raubkatzen entdecken konnten, dann aber sahen wir nicht nur die Löwin, sondern auch zwei der Jungen. Beobachten konnten wir die Löwen tatsächlich nur durch unsere Ferngläser, zu weit waren wir von den Raubkatzen entfernt. Wir sahen die Kleinen auf ihrer Mutter herum turnen und konnten auch zusehen, wie die Löwin den Nachwuchs säugte. Wieder war die führsorgliche Mutter mit ihren Jungen alleine und es war nur eine Frage der Zeit, wann sie wieder losziehen würde um Nahrung für sich und die Kleinen zu suchen. Zunächst aber zog sich die ganze Familie in die dichten Büsche zurück und waren für uns nicht mehr zu sehen. Während der Löwenbeobachtung hatten wir genau neben unserem Land Cruiser ein Pärchen Rotschnabeltokos entdeckt. Im Gegensatz zur Löwin musste die Vogelmutter sich nicht alleine um den Nachwuchs kümmern, gemeinsam mit ihrem Partner war die Toko Henne eifrig dabei Nahrung für ihre in einem Baumstamm eingemauerten Küken heran zu schaffen. Hahn genau wie Henne gingen dabei auf Nahrungssuche und kamen nach kurzer Zeit mit Käfern oder anderen Insekten im Schnabel zurück zur Baumhöhle.
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Kaum hatten wir die eifrigen Elternvögel verlassen, da tauchte auf einmal eine Löwin im hohen Gras neben der Piste auf. Wir waren uns sicher, dass es sich um die Löwenmutter vom Morgen handel musste und erkannten diese dann auch wieder. Ohne ihre Jungen war sie auf Beutesuche und pirschte durch das hohe, grüne Gras. Die üppige, hohe Vegetation machte es ihr nicht leicht nach vermeintlicher Beute Ausschau zu hallten. Aber nicht nur die Vegetation machte die Jagd schwierig, viel mehr war es die Tatsache, dass sich aktuell verhältnismäßig wenig Grasfresser im Lumo aufhielten und diese wenigen Tiere in kleinen Gruppen oder alleine weit verstreut in der grünen Savanne grasten. Dennoch hatte die Löwin nach einiger Zeit eine kleine Gruppe Kongonis ins Visier genommen. Die Herde bestand aus einigen Alttieren und zwei Kälbern und war somit eigentlich genau das, wonach die Löwin gesucht hatte. Aber Kongonis gehören mit zu den aufmerksamsten und schnellsten Antilopenarten des Kontinents und sie ließen der Löwin nicht den Hauch einer Chance näher zu kommen. Die Raubkatze war aufgrund der Vegetation gezwungen immer wieder ihre Deckung zu verlassen und mit erhobenen Kopf nach der Beute Ausschau zu halten und jedes Mal wenn sie dies Tat wurde sie von den Antilopen entdeckt. Am Ende floh die Herde mit weiten und hohen Sprüngen und war für die Löwin unerreichbar. Aber die Raubkatze gab nicht auf. Wir wussten nicht, wann diese Katze das letzte Mal erfolgreich Beute geschlagen hatte, wir sahen nur, sie war sehr hungrig. Sie brauchte Beute für sich und ihre Jungen. Auch wenn die Kleinen noch einen Großteil Milch und nicht Fleisch zu sich nahmen, brauchte die Löwin die Nahrung für sich und ihre Milchproduktion. Was blieb ihr also anderes übrig, als weiter durch das Meterhohe Gras zu ziehen. Erneut hatte die Löwin das Glück Beute zu erspähen, wieder war es ein Kongoni, dieses Mal ein einzelnes Männchen. Unbedarft und arglos stand die Antilope im hohen blühenden Gras. Selbst wir aus unserem Land Cruiser konnten nur den Kopf der Kongoni sehen. Was konnte dann die Löwin sehen fragten wir uns und beobachteten die Raubkatze gespannt. Kurz nachdem die Löwin die große Antilope entdeckt hatte, duckte sie sich ab und versuchte das Kongoni zu umgehen. Minutenlang entschwand sie unserer Sicht, tauchte dann hinter einem Baumstumpf unweit der Antilope wieder auf und lauerte. Die Kongoni stand still da und rührte sich nicht. Wieder tauchte die Löwin ab und schlich näher an die vermeintliche Beute heran. Wir saßen im Wagen und beobachteten nur noch, keiner von uns beiden wollte sich bewegen, keiner von uns beiden wollte die Antilope erschrecken. Wir sprachen nicht, wir bewegten uns nicht, wir beobachteten Still und hofften. Hofften für die Löwin. Diese hatte sich erneut einige wenige Zentimeter weiter vorgearbeitet, ihre Beinmuskeln mussten zum zerreisen angespannt sein. Dann schnellte sie nach vorne, im selben Moment sprang die Kongoni nach vorne und stürmte im Galopp davon. Die Distanz war immer noch zu groß gewesen und eine Kongoni einfach zu reaktionsschnell. Wieder war die Löwin leer ausgegangen und musste sich nach neuer Beute umsehen. Die Raubkatze war gezwungen sich immer weiter von ihren Jungen zu entfernen, wollte sie heute noch etwas in den Magen bekommen. Wir folgten der Löwin. Nach einiger Zeit stieß die Löwin dann auf eine Grant Gazelle und hatte am Ende erneut das Nachsehen. Ihr nächstes Beutetier entdeckte sie erst gut anderthalb Stunden später und scheiterte erneut bei dem Versuch eine Kongoni zu erbeuten. Immer weiter trieb der Hunger die Löwin vorwärts, gerade hofften wir, sie würde bis an die Lions Bluff Wasserstelle ziehen. Denn dort wussten wir von Impala und auch Elend Antilopen. Als sie die Richtung änderte und geradewegs auf eine Rinder und Schafherde zusteuerte, die im Reservat graste. Natürlich waren die Tiere und ihre Hirten nicht legal im Conservancy und grundsätzlich hatten wir auch alles andere als ein Problem damit, wenn Löwen oder andere Raubtiere illegal weidendes Wild schlug. Aber das Problem war viel weitreichender und hätte eine Schraube unschöner Ereignisse auslösen können. Denn erstens hätten die Hirten mit ihren Speeren versuchen können ihr Vieh zu verteidigen, zweitens hätte ein Mensch verletzt oder gar getötet werden können und drittens neigten die Viehhirten dazu sich an den Raubkatzen zu rächen. Einzelheiten hierzu erspare ich euch Lesern jetzt einmal.
Aus all diesen Gründen handelten wir schnell und setzten uns mit Abu dem CWC (Comunity Wildlife Conservancy) Chef Ranger in Verbindung. Ich sendete Abu unseren Standort und schilderte ihm die Situation und war mir sicher, das er genau wusste was zu tun war. Ich hatte an einem unsere Tage hier im Reservat mehr als zwei Stunden während der Mittagszeit mit Abu verbracht, hatte mich in den Stand der Wilderei einweisen lassen und viel über Wildschutz, die Arbeit des CWC und Abus Aufgaben erfahren. Abu hatte nicht gezögert mir viel Insiderwissen zu vermitteln und ich war Gaby für diesen Kontakt mehr als dankbar. Und natürlich wollten wir alles tun um die so wichtige Arbeit des CWC und Abu zu unterstützen und speziell die Raubkatzen im Reservat zu schützen. Da die Löwin uns ohnehin in Richtung unserer Unterkunft geführt hatte, fuhren wir wie an jedem Tag fuhren wir so gegen 11 Uhr hoch zum Cottage und bereiteten uns ein üppiges Frühstück zu. Nach dem Frühstück verbrachten wir dann meist die heißesten Stunden des Tages im Schatten unserer kleinen Unterkunft, ruhten auf dem Bett oder der Couch auf der und starteten dann so gegen 15 Uhr wieder zurück in die Savanne des Reservates. Immer standen wir im Kontakt mit den Guides von Sundworld und tauschten uns regelmäßig aus. So wie ich Sammy oder Derrick von unseren Löwen, Geparden oder anderen guten Sichtungen und Beobachtungen berichtete, erfuhr ich regelmäßig von den beiden und anderen Fahrern was es neues im Park gab. Bereits am Vortag hatten wir so von einer Löwin mit sechs Jungen erfahren, diese aber während unserer Pirschfahrt nicht finden können und gab es offenbar einen neuen Aufenthaltsort und aktuelle Informationen. Grund genug für uns auch diese Löwen in unsere Suche mit ein zu beziehen. Während unseres Frühstücks hatte ich versucht Petra davon zu überzeugen, die kommenden Nacht mit mir zusammen im Foto Hide zu verbringen. "Wir haben Vollmond, ich muss einfach die Nacht draußen bleiben, entweder ich Fahre oder ich gehe in den Foto Hide!" erklärte ich Petra. "Alles gut, kannst du ja auch, mir sind die Tage so auch lang genug! Vermutlich willst du morgen früh dann auch gleich weiter fahren?" sah sie mich fragend an. "Ich denke schon, schlafen kann ich dann doch Mittags!" nickte ich voller Tatendrang. "Dann würde ich im Auto einschlafen, das will ich nicht! Fahr gerne alleine runter!" entschied Petra für sich. Kurz nach diesem Gespräch, sah ich an diesem Tag den ersten Elefanten seit unserer Ankunft im Lumo. Ein alter Bulle stand unten in der Savanne, im Schatten einer Akazie.
Als wir am Nachmittag versuchten den Dickhäuter zu finden, stießen wir nur auf seine Hinterlassenschaften und Fußspuren, den Elefanten selber konnten wir nicht entdecken. Stattdessen zeigte sich erneut eine in diesem Fall sehr scheue Servalkatze mitten auf der Piste, sah uns kurz an und verschwand dann spurlos im hohen Gras.
Nach dieser unverhofften Begegnung hatten wir vergeblich versucht die hungrige Löwin wieder zu finden. Bemerkten aber bei der Suche nach der Raubkatze wohlwollend, dass die Viehhirten das Reservat oder zumindest das Gebiet verlassen hatten. "Das klappt ja schon einmal perfekt!" freute ich mich. Nachdem wir die Löwin nirgends entdecken konnten versuchten wir unser Glück am Versteck der Jungen, wurden aber auch dort nicht fündig. Auch die Jungen bekamen wir nicht zu sehen, dachten uns aufgrund der großen Entfernung zum Versteck aber nichts dabei. Wie sollten wir auch ahnen welch Drama uns noch erwarten würde. "Dann lass uns nach der Löwin mit den sechs Kleinen suchen!" schlug ich Petra vor und erntete sofort Zustimmung. Diese Löwen sollten sich in einem ganz anderen Gebiet unweit der Grenzpiste zwischen Lumo und Taita Hills Sanctuary aufhalten. Eigentlich stand auf der Seite des Reservates noch weniger Grasfressendes Wild als in der Lumo Savanne, die Versorgung junger Raubkatzen war also noch schwieriger. Wobei man Warzenschweine und kleine Antilopen in dem hohen, blühenden Gras ja kaum sehen konnte und wir deshalb gar nicht genau wussten wie viele dieser Tiere aktuell vor Ort waren. Sammy hatte uns beschrieben, wo er die jungen Löwen am Vormittag gesehen hatte und so steurten wir direkt in dieses Gebiet. Kaum angekommen entdeckten wir die ersten kleinen Löwen recht schnell. Die Cubs waren ebenfalls ungefähr drei Monate alt, wirkten aber wesentlich kräftiger als die bisher gesehenen vier Jungen der jagenden Löwin. Anfangs etwas zurück haltend zeigten sich nach und nach alle sechs Jungen im hohen Gras. Die Mutter hatte ein Versteck in der Nähe einer Wasserstelle gewählt und vielleicht dort ja auch schon Jagdglück gehabt. Neugierig beäugte uns die Rasselbande, als wir ihnen aus unserer Dachluke heraus beim Spielen zusahen.
Dann waren wir auf einmal völlig uninteressant und alle sechs starten in die andere Richtung. Wir taten es ihnen gleich und bekamen so die Ankunft ihre Mutter und einer ihrer Tanten mit. "Kein Wunder, dass die Kleinen so proper aussehen! Hier sind gleich zwei Löwinnen mit der Versorgung beschäftigt!" bemerkte Petra, as die beiden großen, kräftigen Raubkatzen bei den Jungen auftauchten. Die Sicherheit, die die beiden großen Löwinnen für die Kleinen ausstrahlten machte sich sofort bemerkbar, der Spielradius wurde sofort größer und das Toben übermütiger.
Wir blieben bis zum Einbruch der Dämmerung und als untergehende Sonne und aufgehender Vollmond sich am Himmel gegenüberstanden traten wir die Rückfahrt zum Camp an. Unterwegs flatterten immer wieder kleine Kap Ohr Eulen und noch kleinere Nachtschwalben von der Piste auf, um sich weniger Meter weiter wieder auf der selben niederzulassen. Dann tauchte plötzlich wieder eine Katze am Pistenrand auf. Fast unscheinbar grau-braun, mit einer schwarzen Schwanzspitze und pechschwarzen Fußsohlen. "Wildkatze, African Wild Cat!" jubelte ich und freute mich auch diese nächtliche Jägerin im Lumo endlich einmal etwas länger beobachten zu können. Na ja, zumindest so lange, bis ein brauchbares Beweisfoto entstehen konnte. Kaum war die Wildkatze in der Dunkelheit der Nacht verschwunden, entdeckte ich eine Puffotter am Pistenrand. "Du bleibst hier!" wollte Petra mich am Arm festhalten, aber da hatte ich den Land Cruiser schon verlassen und kniete neben der mächtigen Giftschlange. Tatsächlich hatten wir ein besonders großes Exemplar entdeckt, welches gemächlich und wie es für diese Schlangenart typisch ist, in einer fast geraden Linie vorwärts kroch. Erst als ich mich etwas weiter über das Reptil beugte zog sich die Schlange etwas zusammen und zeigte mir so, dass es Zeit für einen geordneten Rückzug war. Dieser Meinung war Petra schon die ganze Zeit und sie hatte auch einige unschöne Kommentare und Flüche während meiner kleinen Reptilen Exkursion ausgesprochen. "Irgendwann erwischt dich noch mal eine, wenn du da draußen rum rennst!" war sie sich sicher. "So lange du mich nicht im Dunkeln stehen lässt, habe ich das schon im Griff!" grinste ich.
Die Puffotter hatte kurzfristig für eine kleine Krisenstimmung im Land Cruiser gesorgt. Da halfen auch all meine Erklärungen und Beschwichtigungen nichts und die Tatsache, dass ich nach dem Dinner alleine zum Foto Hide fahren wollte machte die Situation erst einmal nicht besser. Aber der Tag war viel zu schön und erfolgreich gewesen, als das uns diese kleine Meinungsverschiedenheit aus dem Gleichgewicht werfen konnte. Als wir oben auf unserer Terrasse standen und unser Abendessen zubereiteten, war die Stimmung wieder gut. Nach dem Dinner machte ich mich dann auf den Weg zum Foto Hide. "Pass auf dich auf und lass die Schlangen in Ruhe!" mahnte Petra mich noch einmal und nahm mich in den Arm.
Dreißig Minuten später stand ich vor der verschlossenen Barriere, die den Weg zum Hide für unbefugte versperrte. Unweigerlich musste ich an Petras Worte denken, als ich in der Dunkelheit den Land Cruiser verließ um das Schloss zu öffnen. Immer wieder leuchtete ich mit meinem Scheinwerfer die Umgebung und den Boden ab und war froh über den leuchtenden Vollmond über mir. Nachdem ich die Barriere hinter dem Land Cruiser wieder geschlossen hatten, fuhr ich langsam weiter zu Foto Hide. Zwar sorgte der Wall der zweiten Wasserstelle für ein wenig Deckung, dennoch wollte ich natürlich kein Wild vor der Tränke verschrecken. Als ich mich dem Hide näherte musste ich aber feststellen, dass sich kein Wild am oder um die kleine Wasserstelle aufhielt. Nachdem ich den Land Cruiser verlassen hatte und im Erdbunker angekommen war, öffnete ich alle vier Fenster, stellte mir die Beleuchtung der Wasserstelle ein und machte es mir auf einem der Hochstühle so bequem, wie man eben auf so einem Stuhl sitzen konnte. Vor mir im und am Wasser quakten einige Kröten und Frösche, während in den umliegenden Büschen einige Zikaden ihr nächtliches Konzert gaben. - Teil IX - Schwarze Servale und ein dramatische Ereigniss bei den Löwen im Lumo Conservancy (hier gehts weiter - continue!)
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