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Ein erster Tag zwischen Nashörnern Nach den entspannten Wochen an der Küste flogen wir zurück nach Nairobi, wo wir gleich nach unserer Ankunft unseren Land Cruiser für die nächste Safari vorbereiteten. Den Abend und die Nacht verbrachten wir bei Freunden und erlebten einen mehr als informativen, geselligen Abend zusammen. Am nächsten Morgen brachen wir dann früh auf um unsere Safaribegleiter für die nächsten 8 Tage, für eine ganz besondere Safari, an ihrem Hotel abzuholen. Von unserem Apartment bis zum Kozi Suits Airporthotel brauchten wir ungefähr dreißig Minuten und konnten für den Großteil der Strecke den Express Highway nutzen und so waren wir auch fast pünktlich zur abgesprochenen Abholzeit vor dem Hotel. Alexandra, ihr Mann Jürgen und Siggi, ein Freund der beiden warteten bereits vor dem Hotel. Während wir Siggi, der eigentlich Bernd heißt bisher nur flüchtig von wenigen Begegnungen kannten, hatten wir mit Mama Chui und Papa Kiboko, wie Alexandra und Jürgen, wegen ihrer Lieblingstiere oft genannt wurden, schon seit vielen Jahren Kontakt. Wann immer wir uns in der Wildnis begegneten, sprachen wir über eine gemeinsame Safari. Als wir dann vor drei Jahren das erste Mal in das Laikipia Hochland fuhren um die schwarze Leopardin zu suchen und zu beobachten, war für Mama Chui klar, das wollte sie auch erleben. Schnell hatte sie ihre Begleiter von einer Safari mit uns überredet und wir stiegen fast sofort in eine ernsthafte Planung ein. Die geplante Safari sollte im März 2025 stattfinden und war mit allen Einzelheiten auch schon vorbereitet, als wir durch einen Schicksalsschlag in der Familie kurzfristig absagen und das Land verlassen mussten. Damals hatte ich es gerade noch hinbekommen, dass die drei ihren Traum trotzdem erfüllen und die Safari zu Giza ohne uns starten konnte. "Das war aber ja nur der halbe Plan. Erstens haben wir Giza ja nur Nachts und ohne ihre Jungen gesehen und zweitens wollten wir ja auch mit euch unterwegs sein!" hatte Alexandra mir damals nach ihrer Safari geschrieben und ich hatte geantwortet: "Dann sollten wir schnellstens einen neuen Anlauf nehmen, es wird nicht einfacher und preiswerter werden Giza zu beobachten!" Nachdem wir damals die einmalige Gelegenheit hatten Paarungen der schwarzen Leopardin zu beobachten und zu dokumentieren (Siehe Bericht 2023 März) ging auch uns Giza nicht mehr aus dem Kopf. Damals war die Leopardin noch sehr jung und wurde nicht trächtig. Nachdem sie dann aber im Oktober oder November 2024 zwei gesunde, gefleckte Junge zu Welt gebracht hatte, war für uns klar, wir müssen zurück nach Laikipia. Inzwischen wollte aber die halbe Welt gerne einen schwarzen Leoparden sehen. Freie Termine im Wildernes Camp wurden rar und die Camp- und Pirschfahrtraten schnellten in die Höhe. Was für die Safari Planung aber viel gravierender war, Giza zieht ihre beiden Jungen auf Mpala auf. Einer, damals, für den Safaritourismus gesperrten Wildlife Research Farm. Lange Zeit gab es keine aktuellen Bilder von Giza und ihren Jungen. Als ich bei meinen privaten Internetresearche auf neue Tagesaufnahmen von Giza stieß, wurde ich neugierig und fand wenig später das OL Gaboli Camp im Netz. Nach ersten guten Kontakten wurde mir klar, welche Chance sich uns auf einmal bot Giza und ihre Jungen zu sehen zu bekommen. Nach einem ersten E-Mail Kontakt buchte ich kurzerhand drei Nächte im Ol Gaboli Camp und so lernten Petra und ich das Ol Gaboli Camp, sein junges Manager Team und vor allem William, unseren Spotter, im Oktober 2025 kennen. Dank Williams guten Kontakten und Ortskenntnissen, verbrachten wir drei unvergessliche Tage in Gizas Revier konnten sie und ihre Jungen stundenlang beobachten und begleiten (sieh Bericht 2025 Oktober). Gleich nach unserer Rückkehr von dieser Safari nahm ich Kontakt zu Alexandra auf um eine neue Safari abzusprechen. Und so standen wir nun gespannt auf das was uns dieses mal im Laikipia Hochland erwarten würde gemeinsam neben "unserem" Land Crusier, verstauten Koffer und Kameras und brachen dann auf in Richtung Norden. Die Regengüsse der letzten Wochen, hatten ihre Spuren in Nairobi hinterlassen. Straßen war stark in Mitleidenschaft gezogen worden, Brücken waren zerstört worden und nicht jede Ecke Nairobis war passierbar. Am Vorabend, als wir in Nairobi angekommen waren, konnte ich von Bararaka in Erfahrung bringen, dass die Thika Road, die uns eigentlich aus Nairobi heraus führen sollte, aufgrund einer zerstörten Brücke nicht befahrbar war und wir besser über den Eastern Bypass fahren sollten. Petra und ich hatten die Route noch nie ausprobiert und freuten uns, als Siggi sein Handy zückte und erklärte: "Die Route sind wir damals auch gefahren und ich habe hier alles aufgezeichnet!" So kamen wir ohne lange suchen und überlegen schnell aus Nairobi heraus und waren dann zunächst auch auf uns bekannten Straßen unterwegs. Unser erstes Ziel war die Solio Rhino Ranch, wo wir den Nachmittag verbringen wollten, anschließend sollte es für eine erste kurze Nacht zu Petra Allmendinger auf die Sandai Farm gehen. Unterwegs brauchte ich unseren Begleitern nichts von den Dingen rechts und links der Straße erklären, alle drei kamen schon seit vielen nach Kenya und so erzählten wir uns gegenseitig unsere Safari Erlebnisse. Auf diese Weise verflog die Zeit. Unterwegs gönnten wir uns irgendwo eine kurze Pause, aßen ein paar Samosas, die für Petra und mich auch gleichzeitig unser Frühstück waren und fuhren dann weiter auf den Mount Kenya zu. Den höchsten Berg Kenyas bekamen wir allerdings aufgrund viel zu vieler Wolken an diesem Vormittag nicht zu sehen.
Dank der inzwischen gut ausgebauten und fast fertigen Straßen in Richtung Nanyuki und dank Siggis Navigations-System erreichten wir die Zufahrt zur Solio Farm eher als gedacht und pirschten kurze Zeit später auf der Suche nach Schwarzen Nashörnern durch das Reservat. Nicht, dass wir nicht auch Weiße Nashörner sehen wollten, aber die brauchte man auf Solio nicht suchen. Die etwas größeren entspannten Weißen Nashörner gab es auf Solio zu hunderten und da sie, anders als ihre immer etwas nervöseren Verwandten, Grasfresser waren, die gerne auch in Gruppen oder Familienverbänden fraßen waren sie eher leicht zu finden. Die Spitzmaul- oder Schwarzen Nashörner hingegen ernährten sich in erster Linie von Blättern und Zweigen und standen deshalb oft im Unterholz, in den buschigeren Gebieten des Reservates. Was aber beide Arten gerne mochten war Wasser bzw. Schlammbäder und so fuhren wir zu nächst in die offenen Savannengebiete des Reservates. In eine Savanne, die aktuell aus tiefgrünem, saftigem Gras bestand. Schnell hatten wir die ersten grauen Kolosse gefunden. Wie gigantische Rasenmäher schritten die Breitmaulnashörner mit gesenkten Kopf über die grünen Grasflächen. Auch hier auf Solio hatten die vergangenen ungewöhnlich starken Regenfälle für eine grüne, üppige Vegetation gesorgt und boten Nahrung im Überfluss. Zunächst sahen wir in erster Linie einzelne Nashornkühe mit älteren Jungtieren an ihrer Seite. Fanden dann im Schatten einer großen Akazie aber auch mehrere Kühe mit ihren Jungen und einen alten Bullen. Wie gesagt, wirklich suchen mussten wir die Breitmaulnashörner nicht. Eigentlich waren egal in welche Richtung man schaute Nashörner zu sehen. Grundsätzlich konnte man sich die Rhinozerossen auch recht gut mit dem Fahrzeug nähern oder entspannt warten, bis sie von alleine zu einem kamen oder sich die Wege kreuzten. Und wenn man die gigantischen, spitzen Hörner einiger dieser Riesen vor sich sah, war man auch froh, dass diese Nashörner so entspannt waren.
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Das es auch anders ging, zeigten uns recht eindrucksvoll zwei junge Bullen. Es war kein ernsthafter Revierkampf und eher ein Kräftemessen und dennoch versuchten sich die Bullen gegenseitig umzuwerfen oder auszuhebeln. Immer wieder setzten sie ihre, in diesem Fall eher kurzen, Hörner dazu ein den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Staub wirbelte zwischen ihren kurzen Beinen auf, wenn sie mit Schwung aufeinander prallten, deutlich konnten wir das Gegeneinanderschlagen der Hörner hören. Manchmal fragte ich mich ob es wirklich nur ein Kräftemessen war wenn sie ihre Hornspitzen bedrohlich tief in den Hals oder die Weichteile des Kontrahenten bohrten. Trotz all dieser gefährlich wirkenden Aktionen, floss kaum ein Tropfen Blut und irgendwann trabte einer der beiden einfach davon und der Kampf war beendet. Da wirkte das kleine Duell zweier Breitmaulnashornkühe geradezu filigran. Oder die Bullen hatten einen Schwertkampf, während die beiden eher elegant Degen fechteten. Allerdings waren die Hörner beider Weibchen auch extrem lang und dünn.
Solio hat natürlich mehr zu bieten als nur Nashörner und bietet letztendlich vielen Großwildarten ein zu Hause. Immer wieder sahen wir Zebras, Wasserböcke, Impalas, Thomson Gazellen oder Warzenschweine. Genauso wie die im Norden lebenden Netzgiraffen oder die großen Elend Antilopen. Aber auch Kaffernbüffel und Schabrackenschakale konnten wir beobachten. Dann endlich entdeckten wir auch die gesuchten Spitzmaulsnashörner. Gleich zwei der deutlich kleineren Nashörner lagen neben einer kleinen Akazie. Kaum näherten wir uns den beiden, erhob sich sofort eines der Tiere und wir konnten deutlich die nervös in jede Richtung horchenden Ohren beobachten. Gesehen hatte uns das Nashorn vermutlich noch nicht, aber den Motor des Land Cruisers hatte es deutlich vernommen. Auch bei diesen beiden Nashörnern handelte es ich um eine Nashornkuh mit ihrem älteren und schon fast gleich großen Kalb. Nach wenigen Minuten stand auch das Kalb und anders als die entspannten Breitmaulnashörner, sahen sich diese beiden Spitzmaulnashörner aufmerksam in der Umgebung um, bereit jederzeit einen Angriff zu starten oder um ihr Leben zu rennen!
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![]() Wir wollten beides nicht provozieren und hielten einen gebührenden Abstand und ließen die beiden dann auch wieder alleine. Nicht viel anders verhielt sich ein großer Spitzmaulnashornbulle, den wir wenig später, ebenfalls im offenen Gelände entdeckt hatten. Dieser Bulle hatte allerdings auch gerade weder die Absicht anzugreifen, noch zu flüchten, dieser Bulle war damit beschäftigt sich sein Revier zu sichern und setzte überall seine Duftmarke ab. Immer wieder stoppte das kräftige, imposante Nashorn, hob seinen kurzen Schwanz und spritzte dann in einer weiten Fontäne sein Urin in die Landschaft. Nur kurze Zeit später trafen wir auf einen anderen Spitzmaulnashornbullen, mit dem gleichen Verhalten. Sicher war es für beide Tiere einfacher und kräftesparender sich aufgrund der Duftmarken aus dem Wege zu gehen, als sich einen möglicherweise blutigen Kampf zu liefern. Am Ende bekamen wir an einem Nachmittag fünf verschiedene Schwarze Nashörner und Weiße Nashörner im dreistelligen Bereich zu sehen. Leider leiden fast alle Spitzmaulnashörner auf Solio unter einem Parasiten. Der Fadenwurm Stephanofilaria dinnki, führt oft zu üblen, offenen Wunden im Nacken und an den Flanken der Spitzmaulnashörner. Übertragen wir der Parasit durch Fliegen, wobei Breitmausnashörner selten befallen sind.
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Mit Einbruch der Dämmerung erreichten wir dann die Sandai Farm, wo wir von Petra und ihrem Team herzlich in Empfang genommen wurden. Schnell bezogen wir unsere Zimmer und freuten uns dann nach dem langen Tag auf das gemeinsame Abendessen und den Ausklang des Tages, im großen Haupthaus. Natürlich gab es wieder jede Menge zu erzählen wobei Petra und ich froh waren, dass wir im July mit etwas mehr Zeit im Gepäck zurück auf Sandai sein konnten. Obwohl wir unsere Weiterfahrt zum Ol Gaboli Camp und ins Laikipia Gebiet entspannt angehen wollten, waren Petra und ich früh auf den Beinen, verluden unser Gepäck, kontrollierten den Land Cruiser und genossen eine erste Tasse heißen Tee. Der Morgen war nebelig und kühl und feucht. Anstatt der immer noch gesuchten Mähnenratte, hatten wir auf dem Weg zum Frühstück, total überrascht eine vermutlich von den Hunden getötete Hamsterratte vor dem Haupthaus entdeckt. Gleich nach dem gemeinsamen Frühstück hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen.
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Laikipia - Auf der Pirsch nach der schwarzen Leopardin Giza Entlang des Zaunes der Solio Ranch ging es zunächst bis nach Naro Moru, wo wir auf die Hauptstraße nach Nanyuki auffuhren. Dort passierten wir nach einiger Zeit den Abzweig zum Trout Tree Fischrestaurant um wenig später in Nanyuki im neuen Art Caffe an der Shell Tankstelle einen Toiletten- und Tankstopp einzulegen. Ohne weitere Pausen ging es dann von Nanyuki weiter in Richtung Ol Gaboli Camp. Die anfängliche kaputte Asphaltstraße war in einem noch schlechteren Zustand als sie im Oktober ohnehin schon war und kostete nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Nach etwas mehr als einer Stunde passierten wir dann endlich das mächtige Tor der Ol Jogi Farm und ich sinnierte noch einmal, dass wir auf der Farm die meinen Spitznamen trug, eigentlich auch mal übernachten sollten! "Weißt du was die Übernachtunen dort kosten?" fragte Alexandra. "Nicht genau, aber auf jeden Fall soviel, dass wir uns über eine Einladung freuen würden!" lachte ich. Dann erreichten wir die kleine, marode Brücke über den Ewaso Nyiro und waren froh, dass Unwetter diese Ecke des Landes nicht wirklich erreicht hatten und die Brücke noch stand. Gleich hinter der Brücke machten wir dann eine kleine Pause um uns die Beine zu vertreten und endlich die Canvasseitenwände des Land Cruisers zu öffnen. Seit dem 1. Februar gab es nämlich ein neues Gesetzt, dass das Fahren von Safarifahrzeugen mit offenen Seiten im öffentlichen Straßenverkehr verbot. Den offenen Land Cruiser hatten die drei sich gewünscht und es war bis kurz vor unserem safaristart unklar ob wir den Wagen nutzten durften. Da bis dahin noch niemand wusste, wie das Gesetzt auf der Straße von den Polizisten umgesetzt wird, hatten wir uns auf einen Rat von Sunworld hin, entschlossen, den Wagen erst in der Wildnis zu öffnen!
Nachdem die Wagenseiten geöffnet waren, ging es weiter in Richtung Ol Gaboli, bereits kurz hinter der Brücke erreichten wir Mpala Land, aber noch lange nicht Gizas Revier. Dafür befanden wir uns im riesigen Jagdgebiet der Wildhunde. Allerdings einem Wildhund Rudel, dass aktuell nur noch aus sechs Individuen bestand. Noch 2023 bestand das Rudel aus zwölf Erwachsenen und acht Welpen, die wir auch an einem der Tage auf Wildernes Land beobachten und beim Jagen erleben konnten. Wildhunde durchstreifen gigantische Jagdgebiete und sind in der Lage bis zu einhundert Kilometer an einem Tag zurück zu legen, was ihre Beobachtung so schwer macht und man abgesehen von der Zeit wo sie Junge aufziehen, nie genau weiß wo sie sich aufhalten. Nachdem das Alphaweibchen des Rudels verstorben war, war das sogenannte Phönix Pack auf nur noch sechs Hunde geschrumpft. Wildhunde, die einen großen Teil ihres Lebens auf dem Gelände der Mpala Ranch verbrachten, aber auch auf Ol Jogi und anderen umliegenden großen Farmen und Ranches auftauchten. Auf jeden Fall Grund genug für uns unsere Augen noch wachsamer und offener zu halten, als sie ohnehin schon waren. Wildhunde sahen wir auf unserer weiteren Anfahrt zwar nicht, entdeckten aber gleich nach der kleinen Brücke einige junge Große Kudus und später erste Elefanten. Letztendlich erreichten wir den winzigen Masai Ort Ilmotiok und seine gleichnamige Brücke, ohne weitere nennenswerten Wildbeobachtungen. Gleich nach der Brücke bogen wir ab um vorbei an den Hütten der Masai weiter bis an das Ufer des Ewaso Nyiro zu fahren, wo uns nach einigen Kilometern das Ol Gaboli Camp und sein Team erwartete.
Etwas enttäuscht stellten wir fest, dass aus dem sympathischen Managerteam, welches wir vor fünf Monaten kennen gelernt hatten, niemand anwesend waren, umso mehr freuten wir uns William wieder zu sehen, der uns sogleich in Empfang nahm und herzlich begrüßte. Ich machte unsere Begleiter und William miteinander bekannt und während Alexandra, Buzen (Jürgen) und Siggi sich ihre Bandas zeigen ließen und dort einzogen, ließ ich mir von William über die neuste Entwicklung um Giza berichten. Was ich in kurzer Zeit erfuhr, stimmte mich alles andere als fröhlich und bereitete mir zunächst ein wenig Kopfzerbrechen, brachte es doch unsere Ziele und Erwartungen ein wenig in Gefahr. Waren wir noch im Oktober morgens um fünf Uhr am Camp gestartet um möglichst um kurz vor sechs in Gizas Revier zu sein, durften wir nun frühestens um 6 Uhr 30 an der Rangerstation auf Mpala sein. Im Oktober sind wir meist den ganzen Tag in Gizas Revier geblieben, hatten dort irendwo in der Wildnis ein Bushfrühstück zelebriert und waren dann über die heißen Mittagsstunden kurz zum Camp zurückgekehrt um spätestens um 15 Uhr wieder in Richtung der schwarzen Leopardin aufzubrechen. Einmal im Giza Revier angekommen blieben wir bis die Leopardin in der Dunkelheit verschwand oder brachen spätestens um 19 oder 20 Uhr die Beobachtung ab um noch ein spätes Dinner im Camp genießen zu können. Während all unserer Pirschfahrten bewegten wir uns zu 90 % offroad im Gelände um möglichst immer in der Nähe der Leopardin oder ihrer Jungen zu sein. Bei diesen Pirschfahrten waren wie meist alleine oder mit zwei anderen Fahrzeugen in Gizas Nähe. Nun mussten im Januar und Februar die Besucherzahlen so nach oben geschnellt sein, dass man sich gezwungen sah zu reagieren. Ursprünglich wollte Mpala seine Grenzen wieder für alle Safarianbieter bzw. die umliegenden Camps schließen. Und hier lag auch das Geheimnis der plötzlichen Überflutung der Research Farm. Man hatte gegen ein entsprechendes Entgelt, seine Grenzen auch für andere Safarifahrzeuge geöffnet, nun hatte man Schwierigkeiten Herr der Lage zu bleiben. Aber die neuen Regeln waren klar, sinnvoll und eindeutig! Wenngleich sie uns hart trafen. Pirschfahrten waren nun von 06:30 bis 11:00 Uhr und dann wieder von 16:00 bis 18.00 Uhr erlaubt. Rs durften nie mehr als 4 Fahrzeuge in Gizas Nähe sein, Offroad Fahren war ab sofort komplett verboten. Ab 1. April mussten die Unterkünfte die das Gebiet besuchen wollten eine zusätzliche Gebühr entrichten! Diese neuen Regeln waren praktisch eine Woche vor unserer Ankunft in Kraft getreten und die Einigung auf diese Regeln hatte zum Glück die Schließung des Gebietes für Besucher verhindert. Ganz klar und ohne wenn und aber, die Regeln dienten dem Schutz und Wohl der Leopardin und ihrer Jungen! Auch wenn ich zuerst nicht glücklich war, beunruhigte mich eine weitere Nachricht viel mehr und ich wusste nicht, wie und ob ich diese zusätzliche Info an Allexandra, Buzen und Siggi weitergeben sollte. "Giza was not seen on Mpala yesterday and also this morning nobody has seen her! I think we will not see her this evening!" schloss William seine Erklärungen und sah in mein betrübtes Gesicht. "Don´t worry, we have one week and will find her!" schob er noch rasch nach und dann trennten wir uns. Nachdem auch wir unseren Banda eingerichtet hatten lenkten ich mich einige Goldbug Papageien und Von der Deckens Tokos in den großen Feigenbäumen über dem Lunchplatz mitten im Camp ab. Schweren Herzens gab ich anschließend alles was ich nun wusste beim Lunch an alle anderen weiter. Niemand wollte sich etwas anmerken lassen, aber die Enttäuschung war spürbar.
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Fast erwartungslos fuhren wir am Nachmittag in das Revier von Giza. Noch bevor wir allerdings den kleinen Ort Ilmotiok passiert hatten entdeckten wir ein Pärchen Leopardschildkröten. Zielstrebig folgte das etwas kleinere Männchen dem großen Weibchen auf Schritt und Tritt ohne ihr allerdings so nahe kommen zu können, wie er es gerne wollte. Während die Schildrköten weiter an ihrem Liebesspiel arbeiteten, fuhren wir weiter in Richtung Gizas Revier.
Auf Mpala angekommen registrierte ich als allererstes für mich, dass das Offroad Verbot unsere Pirschfahrten nur wenig beeinflussen würde. Im Laufe der vergangenen Monate hatten die unzähligen Fahrzeuge und die tägliche Suche nach Giza in diesem Gebiet zu vielen neuen Pisten und Wegen geführt. Diese waren mal mehr, mal weniger gut zu befahren und änderten am Ende wenig an unserer Bewegungsfreiheit. So nutzten wir also die vielen kleinen Pisten und ich fuhr kreuz und quer durch das buschige Gelände. Da ich aus meiner Position als Fahrer eine sehr eingeschränkte Sicht in den oft dichten Busch hatte, war ich auf die Richtungsangaben unseres, erfahrenen und ortskundigen Spotters angewiesen. Als William uns dann nach gut einer Stunde Pirschfahrt auf einmal mit leiser Stimme zu absoluter Ruhe aufforderte, war es augenblicklich mucksmäusenchenstill im Land Cruiser: "Pssst, I can hear a Dik Dik warning call, go backwards!" Wie mir geheißen fuhr ich langsam Rückwärts und konnte es dann kaum glauben als William meldete: "Kofu, the male leopard is here!" Mit dem ausgestreckten Arm zeigte er in die Büsche neben uns und tatsächlich, da saß der männliche Leopard. Der vermeintliche Vater von Gizas Jungen. Aller anfänglicher Frust war augenblicklich verschwunden. Für Petra und mich war es sogar die erste Sichtung dieses Leoparden, während die anderen drei Kofu vor einem Jahr schon einmal gesehen hatten. Kaum drei Minuten nachdem wir Kofu entdeckt hatten tauchte urplötzlich auch Nyota aus dem Unterholz auf, kreutzte kurz den Weg seines Vaters und verschwand dann erst einmal wieder. Wie Giza, war auch Kofu wenig scheu und ließ sich nicht von uns stören, so dass wir ihn gut beobachten und auch folgen konnten. Langsam durchstreifte der Kater sein Revier, löschte zischendurch seinen Durst an einer der aktuell, vielen kleinen Wasserlöcher und suchte Augenscheinlich nach Beute. Als dann sein Sohn wieder auftauchte und seine Nähe suchte, war Kofu nicht wirklich begeistert und verwies ihn zähnefletschend in seine Schranken. Fast beleidigt zog Nyota weiter. Ich war mir für einen Moment nicht sicher welchem von den beiden Leoparden ich folgen sollte, als Kofu auf einmal auf die Piste trat und los lief. Sekunden später sah ich einen kleinen braunen Körper durch die Luft fliegen und die Pranke des Leoparden Männchens danach angeln. "Kill" rief ich und war ich mir meiner Sache ziemlich sicher. "He got´s a Dik Dik!" fügte ich hinzu und fuhr dIe wenigen Meter zu dem Leoparden. Dieser war gerade dabei seine Beute aufzuheben: "It´s a hare! African hare!" musste William mich berichtigen. Und dann sahen wir alle was Kofu blitzartig erbeutet hatte. Mit dem bereits totem Hasen im Maul stand er vor uns, entfernte sich dann einige Meter um die frische Beute neben einem kleinen Busch zu öffnen und zu fressen. Laut schmatzend entfernte er mit der Zunge und dem Maul das buschige Bauchfell des Hasen und fing dann an zu fressen. Wir blieben bis der Leopard seine Mahlzeit beendet hatte und erlebten so einen spannenden ereignisreichen ersten Nachmittag in Gizas Revier. Gut eine Stunde lang konnten wir nicht nur Kofu und auch seinen Sohn beobachten, sondern erlebten außerdem einen weiteren "Lifekill" in der Wildnis Afrikas.
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![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Das ich mir später zum Sundowner im Ol Gaboli Camp, beim öffnen einer Colaflasche mit meinem Taschenmesser, einen Kronkorken mit einer solchen Wucht gegen den Kopf schoss, dass er fast stecken geblieben wäre, war jetzt nicht unbedingt der krönende Abschluss des Tages für mich! Aber zumindest hatte ich für jede Menge gute Laune gesorgt.
Trotz aller Fröhlichkeit ging mir während des Dinners und erst recht in der Nacht die Tatsache durch den Kopf, dass Giza sich seit anderthalb Tagen nicht blicken ließ! Am nächsten Morgen hielt ich die Ungewissheit nicht mehr aus und fing an Nachforschungen anzustellen bzw. schrieb Guides aus dem benachbarten Wilderness Gebiet an. So erfuhr ich nach relativ kurzer Zeit, das Giza vor zwei Tagen einen Impalabock gerissen hatte und immer noch von dieser Beute fraß. Leider hing der Bock im Wilerness Concessions Gebiet, in welches wir nicht fahren durften. Ich war mir also recht sicher, dass wir Giza auch an diesem Tag nicht zu Gesicht bekommen würden und gab meine Infos zunächst nur an William weiter. Wie befürchtet hatten wir am Morgen zwar keine schlechte Wildbeobachtung und sahen Tüpfelhyänen, Grevy Zebras, Netzgiraffen, Große Kudus und Elefanten aber eben keine Leoparden und schon gar keine Giza. William musste mein besorgtes Gesicht gesehen haben und begann ebenfalls zu telefonieren.
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Nach einiger Zeit fragte er: "Nothing about Giza or cubs, but I know about wilddogs! Shoult we go there?" "How far? Are they running or resting!" fragte ich zurück. "Resting! Very far, do you know where the hills are? But we have time, we can go there!" antwortete er zuversichtlich. Ich meinte zu wissen von welchen Hügeln er sprach und fragte die anderen. Schnell war man sich einig und wollte Wildhunde sehen. "Dann festhalten, wir haben einen langen, bumpigen Weg vor uns!" rief ich nach hinten ins Auto und fuhr recht zügig in die von William angesagte Richtung. Nach kurzer Zeit erreichten wir die Hauptpiste in Richtung Nanyuki und wurden immer schneller. Irgendwann passierten wir dann die Hügel von denen ich der Meinung war, das sich dort die Wildhunde aufhielten und sah William verwundert an. "How far?" fragte ich noch einmal und bekam nun zur Antwort: "Not far from the bridge at the end of Mpala!"....ups, dachte ich und fuhr noch etwas schneller. "Can you go more fast!" fragte William, schließlich, nachdem er noch einmal telefoniert hatte. Ich fing an zu überlegen, wie viel Sinn diese Raserei machte und war kurz davor das ganze abzubrechen. Aber Wildhunde waren neben Giza der Grund für Alexandra, Buzen und Siggi diese kurze Safari zu unternehmen. Nur für die schwarze Leopardin und Wildhunde waren sie nach Kenya gekommen. Naja, vielleicht auch ein klein wenig auch unseretwegen. Also ging die wilde fahrt weiter. Endlich hatten wir es geschafft und standen vor dem Gate zum Mpala Recherche Center. William stieg aus, ging kurz zu den Askaris und stieg dann wieder in den Wagen. "And now?" wollte ich wissen. "We have to wait for somebody who can escort us!" erklärte William, dass wir warten mussten. "Äh, no. We drive so fast we can to this gate to wait for somebody here?" fragte ich William fast ein wenig wütend, "No, go, take one of the ranger here and lets go!" forderte ich ihn auf. Wiederwillig stieg William aus, kam dann aber mit einem der Ranger zurück. Dann wurde uns die Schranke geöffnet und wir fuhren ein kleines Stück auf einer Schotterpiste, als uns der Ranger plötzlich anwies nach rechts abzubiegen. Verblüfft sah ich William an. Neben uns war nichts außer dichter, dorniger Akazienbusch mit Stacheln so dick und lang wie Stricknadeln. Ich war hier in Laikipia schon viel Offroad Erfahrung sammeln dürfen, war durch dichten Busch, über kleine Bäume und durch felsiges Gelände gefahren, aber diese Akazien kamen mir einfach nur undurchdringlich vor. Zumindest wenn man ein klein wenig Lack auf dem Auto behalten und seine Mitfahrer nicht verletzen wollte. Verzweifelt suchte ich nach einer anderen Einfahrt Möglichkeit. "Here! Go, it´s possible!" zeigte William auf einen winzigen Zwischenraum zwischen den Akazien. Der Ranger war inzwischen ausgestiegen und versuchte uns so gut es ging durch die Akazien zu lotsen. Nach dem der Busch etwas lichter wurde stieg der Ranger wieder zu und wies uns den Weg. Ich hingegen kurbelte wie ein Wilder am Lenkrad und versuchte so wenig wie möglich Kontakt mit den Sträuchern zu bekommen. Dennoch knirschte und quietschte es immer wieder, wenn die Akaziendornen über oder am Land Cruiser entlang rutschten. "How far?" fragte ich wieder einmal. "It´s here. Here just behind this bushes!" antwortete William der mit dem Ranger bisher nur Maa gesprochen hatte. "Let´s stopp here and go by foot!" schlug ich vor. "It´s not allowed!" wiedersprach William, "It´s also not allowed to be here!" antwortete ich trotzig. "Just go around this bushes and be careful with the stand there!" wies William mich an weiter zu fahren. Doch der Hinweis auf die stehende Baumwurzel unter uns kam zu spät. Es machte einmal "psssst" und dann noch einmal "pssssssssst", dann fühlte ich sofort, dass wir hinten rechts einen Platten hatten. "Shit!" beendete ich vorerst die Situation, nachdem ich aus dem Fenster gesehen hatten. "Ok, let them follow and we work!" forderte ich William erneut auf zu Fuß bis zu den Wildhunden zu gehen. Aber wieder schüttelte der den Kopf! "It´s to much dangerous!" "Ok, we go! Or I go!" antwortete ich und schlich geduckt um die dornigen Büsche vor uns. Dann sah ich sie, das heißt ich sah drei von ihnen. Die unruhige Anfahrt hatte sie geweckt oder aufgeschreckt und so war das Rudel beim Aufbruch. letztendlich sah ich für ein paar Minuten drei davon gehende Wildhunde im dichten Dornengewirr. Das Schlimmste daran war, dass ich der einzige war der sie zu sehen bekam. Suchte ich aber nach ein paar beruhigen Worten konnte ich den anderen versichern: "Ja, ich habe einen Teil von ihnen gesehen. Aber dort wo sie lagen und dort wo sie hin weggegangen sind, war kein Platz für einen Land Cruiser dieser Größe. Es gab keinen Zentimeter offenes Gelände für auch nur ein brauchbares Bild! Die ganze Aktion war eine Null Nummer...außer, dass wir jetzt noch einen Reifen mitten in der Wildnis zu wechseln haben!" Die Anderen sahen es gelassener als ich erwartet hatte im Gegenteil Siggi und Buzen schienen mehr Spaß am bevorstehenden Reifenwechsel zu haben als an den Wildhunden. Als wäre der Platte Reifen zwischen dem Dornengestrüpp nicht schon Herausforderung genug musste ich nach zehn Minuten vergeblicher Suche im Wageninneren feststellen: "hakuna spanner!" wir hatten tatsächlich keinen Radschlüssel im Land Cruiser. "Hast du den Wagen nicht kontrolliert!" heizte Petra meine gute Laune noch ein klein wenig an. Natürlich hatte ich den Wagen und die Ausrüstung kontrolliert, aber wegen einer quietschenden Bremse musste dieser kurz vor unserer Abfahrt noch einmal auf die Bühne, vermutlich ist nach dem Einstellen der Bremsen der Radschlüssel in der Werkstatt geblieben. "Hauptsache, wir haben in der Mara über den Masai ohne Radkreutz gelacht!" setzte Petra noch einen drauf und bohrte ein klein wenig in der Wunde. Aber wie gesagt alle sahen es gelassen und vermutlich kochte nur mein Blut. Nachdem ich William erklärt hatte, dass wir tatsächlich keinen Radschlüssel im Wagen hatten, setzte sich der Ranger zu Fuß in Bewegung um einen Radschlüssel oder Hilfe zu holen. Ich holte unterdessen den großen Jack aus dem Land Cruiser und begann mit Siggi und Buzen den Land Cruiser aufzubocken. Nach einer ganzen Weile erschien der Ranger und hatte Hilfe mitgebracht, jemand aus der Mpala Research Werkstatt war mit einem Suzuki gekommen und brachte zum Glück auch gleich ein Radkreutz mit, so dass wir sicher gehen würden, dass eine der Nüsse auch passen würde. Schnell hatte ich dann die Radmuttern gelöst und die Masai den Reifen von der Felde gehoben. Aber sosehr wir uns auch bemühten, wir bekamen den Land Cruiser nicht hoch genug gebockt um den Ersatzreifen aufzuziehen. Zum Glück hatte ich, wie immer, auch noch einen normalen kleinen Wagenheber im Cruiser, allerdings war auch dieser zu hoch um unter die tief hängende Achse zu passen. Aber man war ja in Afrika und da gab es immer eine Lösung. Mit vereinten Kräften schleppten wir große Steinplatten heran und bauten einen Turm unter der Eisenstoßstange um dann anschließend von dort aus den Wagen auf die erforderliche Höhe zu bekommen. Nach gut einer Stunde, war der Reifen gewechselt und wir wieder Fahrbereit. Nur mussten wir nur noch herausbekommen, wie wir aus dem Dornengewirr wieder auf eine befahrbare Piste kamen. Die Idee dem kleinen Suzuki hinterher zu fahren war dabei nicht die allerbeste Entscheidung, denn während der kleine Geländewagen sich quasi durch die Sträucher schlängeln konnte brauchte ich mit dem langen Land Cruiser ein wenig mehr Platz. Am Ende erreichten wir aber ohne weitere Zwischenfälle eine Piste und waren wenig später wieder in Richtung Gizas Revier unterwegs.
Keine Wildhunde, keine Giza, keine anderen Leoparden ging es mir durch den Kopf und ich suchte nach einer Lösung den Tag noch zu retten: "Braucht jemand Lunch im Camp?" fragte ich nach hinten in den Land Cruiser und bekam am Ende ein einstimmiges: "Nö!" als Antwort. Dann erkärte ich William, dass wir an diesem Tag nicht zum Lunch zurück ins Camp fahren würden sondern stattdessen jetzt in normaler Geschwindigkeit zurück in Gizas Revier fahren würden. Unterwegs wollten wir unser Frühstück sozusagen als Brunch einnehmen. Williaam sah mich zweifelnd an und konnte vermutlich nicht verstehen, wie jemand sein bereits bezahltes Mittagessen ausfallen lassen konnte. Und so brauchte es ein wenig Überredungskunst um ihn von unserem Vorhaben zu überzeugen. Scchließlich telefonierte er mit dem Camp, meldete uns ab und wir fuhren entspannt bis an die Grenze Gizas Reviers, wo wir ebenfalls entspannt eine sehr späte Frühstückspause einlegten. Das Essen war so spät, dass fast allen von uns auch ein kaltes Tusker zum Frühstück schmeckte.
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Nach dem Brunch fuhren wir weiter in Richtung Gizas Revier, als sich plötzlich der Himmel über uns verdunkelte. "Regenwetter ist Katzenwetter oder Jörg?" fragte Alexandra zuversichtlich und erinnerte mich an meine eigenen Worte. Grundsätzlich hatte Mama Chui ja auch recht, aber sollten wir Giza überhaupt zu sehen bekommen, wäre ein wenig Sonne auch schön gewesen. Die Wolken und ein paar Tropfen konnten uns natürlich nicht aufhalten und so waren wir dann pünktlich um 16 Uhr, als die Sonne wieder durchbrach, an der Ranger Station. Die Ranger teilten uns mit, dass Giza gegen Mittag nach Mpala zurückgekehrt bzw. gesehen worden war. Gespannt begannen wir unsere Suche und fuhren kreuz und quer durch das buschige Gelände. Am Ende ließen uns Williams Ohren und Augen nicht im Stich, nach gut einer Stunde hatte uns wieder das Verhalten der Dik Diks verraten wo die Leoparden waren. William entdeckte nicht nur Giza, sondern wir hatten auch ihren Sohn gefunden. Wie schon vorher angesagt, vergoss Alexandra ein paar Freudentränen, ehe sie die ersten, so erhofften Bilder machen konnte. Und während Mama Chui ihre Augen trocken rieb, fühlte ich wie eine Last von meinen Schultern viel. Wir hatten Giza tatsächlich wieder gefunden!
Verschmust zogen die beiden durch die dichten Sträucher. Immer wieder suchte Nyota die Nähe seiner Mutter, rieb seinen Kopf an ihrem oder streifte mit seinem Körper dicht an ihr vorbei. Aber es machte auch den Eindruck als sei der junge Kater etwas frühreif. Mit knapp 15 oder maximal 16 Monaten war Nyota noch lange nicht geschlechtsreif und dennoch rieb er immer wieder seine Genitalien an seiner Mutter. Giza war genauso irritiert von dem Verhalten ihres Sohnes wie wir. Fauchend versuchte sie Nyota auf Abstand zu halten. Als Giza sich dann auf einer kleinen Lichtung niederließ wurde Nyota immer aufdringlicher und Gizas Fauchen und Zähne zeigen ernster. Immer wieder kletterte der junge Leopard auf seine Mutter und zeigte deutliches Paarungsverhalten, nur das er zum Glück seine Genitalien auf dem Rücken seiner Mutter rieb. Irgendwann wurde es Giza dann zu viel und sie wies ihren Sprössling deutlich in seine Schranken. Die Grenzen der Mutterliebe waren deutlich überschritten.
Nach einer Weile zog Giza entnervt ab und Nyota begab sich auf die Jagd. Während die schwarze Leopardin im Dickicht aus unserer Sicht verschwand, nahm Nyota kurze Zeit später ein Günthers Dik Dik ins Visier, allerdings entdeckte die kleine Antilope den Leoparden frühzeitig und konnte entkommen. Nachdem dann auch Nyota im Unterholz verschwunden war machten wir uns auf den Rückweg zum Ol Gaboli Camp. Ein langer Tag, der uns am Ende dann doch noch zu Giza geführt hatte, neigte sich dem Ende. Als die Sonne sich am Horizont verabschiedet hatte und der Himmel über Mpala rosa wurde, suchten wir uns einen übersichtlichen Platz für unseren Sundowner. Ich musste mir noch ein paar Mal anhören, dass außer mir niemand die Wildhunde gesehen hatte, für die wir mehrere Stunden unterwegs waren, aber eigentlich waren alle glücklich und zufrieden, hatten sie doch die schwarze Leopardin Giza wieder getroffen! Unsere Wildsichtungen und Begegnungen beendeten wir dann auf der Fahrt zum Camp mit einer Elefantenfamilie, die unseren Weg kreuzte. Ein wenig scheu und aufgeregt nahmen die Dickhäuter vor uns Reißaus. Dann erreichten wir das Ol Gaboli Camp und wurden wieder mit einem reichlichen und leckeren Dinner verwöhnt.
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![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() In der folgenden Nacht hörten wir zum ersten Mal die Löwen der Region genauer gesagt in der Naibunga Conservancy (Il Motiok Group Ranch), an dessen Grenze das Ol Gaboli Camp liegt. "Did you hear the lions tonight and this morning?" war dann am frühen Morgen auch gleich die erste Frage von William, während wir unseren heißen Swaheli Tea tranken und ein paar Kekse knabberten. Jeder von uns hatte die Löwen zumindest am Morgen gehört und wir waren alle gespannt ob wir während unseres Aufenthaltes auch Löwen zu sehen bekommen würden. Für uns war es der dritte Aufenthalt im Laikipia Gebiet und bisher hatten wir von den großen Raubtieren nur Fußabdrücke im weichen Sand gefunden. Aber nun ging es erst einmal wieder mit dem ehrgeizigen die in die Wildnis die schwarze Leopardin und / oder ihre Jungen zu finden. Noch ehe wir Gizas Revier erreichten, erspähten Williams Adleraugen einen unbekannten, scheuen Leoparden, den wir alle leider nur kurz zu Gesicht bekamen. Zu schnell war der gefleckte Jäger im weiten Buschland wieder verschwunden. Wenig später stießen wir auf die Elefanten Gruppe mit den vielen Jungtieren, denen wir schon am Vorabend begegnet waren. Wieder räumten die Dickhäuter nur widerwillig die Piste, ließen uns aber unbehelligt passieren.
In Gizas Revier angekommen, begannen wir nach unserer Anmeldung bei den Rangern sofort mit der Suche nach Giza. Es hatte während der Nacht geregnet und so war es an jenem Morgen noch sehr frisch, als William im offenen Land Cruiser angestrengt in die Wildnis horchte. Aber weder seine Ohren noch seine Augen konnten Hinweise auf die Leopardin wahrnehmen. Stattdessen entdeckten wir eine ungewöhnlich gezeichnete Netzgiraffe, der Langbeiner sah aus, als hätte jemand mühevoll etwas in jede seiner Rauten zeichnen wollen. Auch ein kräftiger Grevy Zebra Hengst, der sich nach dem Regen im nassen Lehmboden gewälzt haben musste, bekam unsere volle Aufmerksamkeit. Dann rief William plötzlich: "Stopp, go a bit backwards! I think I saw a kill in the tree!" natürlich tat ich sofort wie mir geheißen und rollte langsam zurück, bis auch ich den Kill im Baum sehen konnte. "Ja, da hängt was!" bestätigte nun auch Siggi. Gut versteckt hinter den dornigen Zweigen einer Akazie hing ein etwas größerer rotbrauner Körper. "Let´s check what it is!" schlug William vor und stieg aus dem Land Cruiser und ich folgte ihm zu dem Baum. Nun erkannten wir beide, dass es sich um eine junge Impala handelte die da hing. "That´s a Giza kill. She put it there for the cubs!" erklärte William mir auf dem Rückweg zum Land Cruiser. "Why are you so sure, it's not from Kofu or an other leopard?" fragte ich verwundert. "The head is missing! Giza is always eating the head first! I have never seen an older kill from her, where the head was on!" erklärte William weiter und ich hatte wieder etwas dazu gelernt. Am Land Cruiser angekommen berichtete ich den anderen von unserem Fund und warum William sich so sicher war, dass dieser Kill von Giza dort aufgehängt wurde. "What are we doing now?" fragte William in die Runde und wir waren uns schnell einig: "We wait for Giza or one of the cubs!" antwortete ich für uns alle. Anschließend suchten wir uns eine etwas abgesetzte Position, von wo aus wir den Baum und den Kill im Augebehalten konnten. Dann warteten wir, drehten zwischen durch Mal eine kleine Runde um das Gelände in dem der Baum stand und warteten dann wieder. Sogar unser mitgeführtes Frühstück nahmen wir an diesem Morgen im Fahrzeug ein. Keiner wollte die Rückkehr der Leopardin oder das Erscheinen der Jungen verpassen. Doch vergeblich, bis zum Mittag bekamen wir weder eine weiß gefleckte Schwanzspitze, noch eine schwarze zu sehen und alles Diskutieren mit William half nichts, wir mussten das Revier über Mittag verlassen. Ich hasste diese Regelung und mein Bauch sagte mir, dass es die falsche Entscheidung war! Aber dennoch fuhren wir zurück zum Ol Gaboli Camp. Unterwegs entdeckte Siggi dann noch einen jungen Nilwaran, der aber so kamerascheu und schnell war, das er unseren Kameras entkam. Vom nächtlichen Regenhimmel war nichts mehr übrig geblieben und so konnten wir unser Lunch unter einem strahlend, blauen Himmel bzw. im Schatten eines Feigenbaumes direkt am Ufer des Ewaso Nyiro einnehmen. Der hier schmale Fluss führte jede Menge Wasser, am gegenüberliegenden Ufer grasten einige Impalas und über uns pflückten verschiedene Vögel die letzten Feigen aus dem Baum. Das ans Ufer gebrachte Lunch war wieder mehr als gut und vor allem viel zu viel. Nach dem Lunch zogen sich erst einmal alle in ihre Bandas zurück.
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![]() Ol Gaboli Camp - Laikipia
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Natürlich fuhren wir an jenem Nachmittag rechtzeitig aus dem Camp los und waren noch vor 16 Uhr an dem Baum in dem der Kill hing. Aber wie ich es befürchtet hatte, war der Kill verschwunden. Enttäuscht fuhren wir zur Rangerstation und erfuhren dort, dass der Kill gegen 12 Uhr da letzte Mal von den Rangern im Baum gesehen worden war. Wir konnten nun zwar die Zeit eingrenzen in der der oder die Leoparden am Baum waren, wussten aber trotzdem nicht wo sie nun waren. Aber wir wussten, dass sie in diesem Teil des Revieres waren und auch das war eine wichtige Erkenntnis, da wir ja nicht auf das Wilderness Gelände durften. Ehrgeizig fingen wir wieder an zu suchen und stießen nach kurzer Zeit mehrfach auf verschiedene Leopardschildkröten sowie eine der flachen Pelomedusen - Halswenderschildköten. Genauso, wie wir immer wieder Günther Dikdiks beobachteten.
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Im Schritttempo pirschten wir durch das Gelände. Stoppten immer wieder, um zu Lauschen, was der Busch uns zu sagen hatte und kletterten am Ende auf eine der großen Steinformationen, von der man gut einen Teil des Gebietes überblicken konnte. Nichts, keine Spur, kein Hinweis, nichts Neues von den zwei anderen Fahrzeugen im Revier oder von den Rangern. Fast resigniert stiegen William und ich wieder in den Land Cruiser und ich fuhr weiter. Es war still im Fahrzeug, als ich plötzlich einen schwarzen Schatten neben dem Auto wahrnahm: "Giza!" rief ich leise und erfreut zu gleich. Die schwarze Leopardin pirschte unbeirrt neben unserem Land Cruiser und schlich durch die dichten Büsche auf der Suche nach Beute. Beute, die in Form von Dik Diks reichlich vorhanden war, aber eben auch Beute die schnell und aufmerksam war.
![]() Nur wenige Minuten nachdem wir Giza entdeckt hatten zeigte sich auch ihre Tochter Zawadi und bescherte Mama Chui, Buzen und Siggi dadurch eine neue Leopardin, die sie bisher noch nie gesehen hatten. Auch wenn wir an diesem Tag lange suchen mussten, am Ende hatten wir Giza wieder gefunden und nachdem wir nun schon den Vater ihrer Jungen sowie beide Cubs gesehen hatten, hatte ich nun noch einen eigenen Wunsch, ich hätte Giza gerne mit einem Kill im Maul gesehen, am liebsten mit einem der blauschwarzen Geierperlhühner. "Warum ausgerechnet ein Perlhuhn?" fragte Alexandra und ich antwortete: "Erstens gibt es inzwischen hunderte von Bildern, wo sie ein Dik Dik im Maul hat und zweitens habe ich im Netz ein Bild davon gesehen und fand den Kontrast so krass! Also nicht, dass wir uns falsch verstehen, wenn sie eine Impala erlegt, freue ich mich auch!" Nachdem Zawadi recht schnell andere Wege gegangen und im Unterholz verschwunden war, verfolgten wir Giza noch bis zum Einbruch der Dämmerung. Erfolgreich gejagt hatte sie, trotz einiger Versuche, an diesem Abend nicht mehr.
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Zufrieden beendeten wir unsere Pirschfahrt mit einem wohl verdienten Sundowner am Rande von Gizas Revier und fuhren dann entspannt in der Dunkelheit zurück zum Ol Gabilo Camp. Plötzlich sahen wir in der Entfernung, im Scheinwerferlicht des Land Cruisers ein größeres Tier über die Piste rennen. "What was that?" fragte William etwas überrascht und der Hyäne nachblickend. "Just a spotted Hyena!" lachte ich und wollte gerade weiter fahren, als William rief: "No, no I think that was a stripped Hyena!" "Sure?" sah ich ihn fragend an und versuchte gleichzeitig der flüchtenden Hyäne zu folgen. "Not Sure!" rief William und zeigte nach vorne und dann sahen wir es, "Scheiße ja, eine getreifte Hyäne!" Sofort wurde es unruhig im Auto. "Was, wir haben noch nie eine gestreifte Hyäne gesehen!" rief Alexandra und begann genau wie Siggi wieder ihre Kamera auszupacken. "Ich sage doch Feierabend ist im Camp, ihr packt immer zu schnell zusammen!" lachte ich und versuchte selber ein, zwei Bilder von der rennenden Streifenhyäne in der Dunkelheit zu bekommen. Am Ende waren wir alle froh, das Siggi die Zeit und die Position fand zwei ordentliche Aufnahmen von der nächtlichen Jägerin zu machen. "Na zum Glück. Ich habe sie schon letztes Jahr im Lumo am Fotohide und jetzt im Februar im Lumo nicht fotografieren können!" freute ich mich über Siggis guten Bilder.
Ein ganz besonderer Geburtstag Am nächsten Morgen waren es einige Kaffernbüffel in Gizas Revier, die als erstes unsere Aufmerksam auf sich zogen. Der Morgen war feucht. In der Nacht hatte es wieder geregnet und überall auf den Gräsern perlte das Wasser vom Grün herab. Während wir ein paar Bilder der Büffel machten, stand William neben mir auf dem Sitz im Land Cruiser und scannte mit seinen gut geschulten Augen die Umgebung ab. "I see Giza!" raunte er nach unten zu uns. Jap, dachte ich und wendete den Land Cruiser. "She has a kill!" fügte William fast nebenbei an. "What!" jetzt war ich es der fast aufgeregt nach der Kamera griff, obwohl ich noch am fahren war. "Yes, she has a guinea fowl! Go, go, go!" mahnte William mich schneller zu fahren, ehe sie mit der Beute im Dickicht verschwand. Doch Giza dachte gar nicht daran sich zu verstecken, ungerührt lief sie mit ihrem Perlhuhn im Maul auf der Piste, der Sonne entgegen. Die Beute war frisch und musste irgendwo zwischen den nassen Büschen und Gräsern erlegt worden sein. Als die ersten Sonnenstrahlen die schwarze Leopardin erreichten, glänzte ihr noch nasses Fell und einzelne Wassertropfen funkelten wie Diamanten auf ihrer Flanke. Die blau-weiß abgesetzten Federn des Geierperlhuhns, das schwarz der Leopardin und ihre gelb leuchtenden Augen leuchteten in der Sonne und waren genau der Anblick, den ich mir so sehr gewünscht hatte. "Was für ein geiler Morgen!" konnte ich mich kaum noch einkriegen. "Bitte schön, mehr konnte ich leider nicht zu deinem Geburtstag organisieren!" lachte Petra und freute sich mit mir! Oh man, was für ein Geburtstagsgeschenk, ging es mir durch den Kopf. Natürlich freuten sich auch die anderen Giza mit so einer Beute, im besten Licht des Tages vor sich zu haben!
Giza trug ihre frische Beute an uns vorüber und verschwand dann zwischen einigen Büschen. Als wir das Buschwerk umfahren hatten, lag sie bereits ohne ihre Beute neben den Sträuchern und putze sich. Noch nass vom Morgentau, leckte sie sich die Wasserperlen vom Fell und beseitigte die Spuren der Jagd.
Ihre Beute hatte sie ihre beiden Jungen überlassen und vermutlich auch nur für den Nachwuchs gejagt. Mindestens einen der beiden inzwischen ja schon großen, Kleinen konnten wir im Gebüsch sehen, ansonsten hörten wir nur, dass das Perlhuhn gefressen wurde. Nach einer Weile erschien erst Zawadi und dann auch Nyota, gemeinsam zogen die drei Leoparden durch das Revier ihrer Mutter und wir begleiteten sie. Die Leoparden tobten herum, suchten immer wieder Körperkontakt zu ihrer Mutter, stillten zwischendurch ihren Durst an einer kleinen Wasserstelle und sprangen dann wieder übermütig durch die Büsche. Zeigte sich allerdings Beute, wie Diki Diks oder Geierperlhühner, ließ sich Giza niemals die Chance entgehen, es zumindest zu versuchen erneut zuzuschlagen. Selbst ein naher Elefantenbulle konnte ihren Übermut und oder ihre Jagdversuche nicht unterbrechen. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden verschwanden die drei Leoparden dann zwischen den Büschen und wir versuchten auch nicht mehr ihnen zu folgen. Stattdessen steuerten wir den Fluss an um uns einen geeigneten Frühstücksplatz am Ufer zu suchen.
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Während und nach dem Frühstück waren es dann in erster Linie die zahlreichen Schildkröten die uns beschäftigten. Wie schon an den beiden letzten Tagen, hatten die nächtlichen Regenfälle die gepanzerten Reptilien aus ihren Verstecken gelockt, vor allem Leopardschildkröten waren außerordentlich aktiv geworden und kreuzten immer wieder unsere Pisten oder liefen zwischen den Büschen umher. Aber auch erste Flusspferde und vor allem recht viele Elefanten bekamen wir zu sehen. Die roten Riesen zeigten sich deutlich entspannter, als ihre Artgenossen, die uns mehrfach die Piste versperrt hatten. Einzig zwei jungen Bullen kämpften ihren eigenen Kampf unten im Flussbett, ansonsten grasten die Dickhäuter friedlich auf den offenen Grasflächen.
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Mehr als zufrieden mit den Erlebnissen des Vormittags erreichten wir gegen Mittag wieder das Ol Gaboli Camp und wurden wenig später wie gewohnt kulinarisch verwöhnt. Schon am Morgen hatten es sich Alexandra, Buzen und Siggi nicht nehmen lassen mir ein Geburtstagsständchen zu singen, setzten dann aber am beim Lunch mit einem KI generierten Lied noch einen obendrauf! Nach wie vor war die Stimmung also gut und ausgelassen und Petra und ich freuten uns das wir so schnell zu einem so guten Team geworden waren. Jeder kannte seine Handgriffe im Land Cruiser und egal ob Fenster hochgerollt werden mussten, Getränke aus dem Kühlschrank verteilt wurden oder man mal eine schnelle Entscheidung brauchte, alles lief wie am Schnürchen und Reibungslos.
Genauso gut gelaunt wie wir Mittags ins Camp gekommen waren, fuhren wir auch am frühen Nachmittag wieder raus. Die Hoffnung erneut viel Zeit mit den Leoparden zu verbringen war groß. Erneut wurden wir nicht enttäuscht und William erspähte zunächst Zawadi für uns, eine halbe Stunde später entdeckten wir Giza. Die schwarze Leopardin lag im Schatten einer Akazie und hatte unsere Abwesenheit tatsächlich genutzt und in den heißen Mittagsstunden erneut Beute geschlagen. Oben, in den schwachen Ästen der Akazie hing, gut versteckt, ein kopfloses Dik Dik. Wir waren sicher, dass auch diese Beute für ihre Jungen war und warteten gespannt auf die Ankunft, wenigstens einer der beiden Cubs.
Nach mehr als dreißig Minuten und nur noch wenig Zeit bis zum Sonnenuntergang wurde auch Giza unruhig. Von den beiden Jungen war weiterhin nichts zu sehen. Entweder war Giza am Ende des Tages selber hungrig und wollte mehr als nur einen Dik Dik Kopf im Bauch haben oder sie hatte Angst die Beute am Ende an das Männchen Kofu zu verlieren, der ja nach wie vor auch noch im Revier war. Auf jeden Fall entschloss sich die Leopardin in die Akazie zu klettern und fing dann an von der Beute zu fressen. Als hätte ihre Tochter sie aus der Deckung beobachtet, erschien nur drei Minuten später Zawadi unter der Akazie, sprang völlig unverhofft in den Baum und entriss ihrer Mutter die Reste des Dik Diks. Kampflos überließ Giza ihrer Tochter die Beute und kletterte aus der Akazie um sich wieder neben der selben nieder zu lassen. Als wollte man meinen Geburtstag nicht langweilig werden lassen, erschien Minuten später eine junge Hyäne auf der Bildfläche und lief gefährlich nahe an Giza vorbei. Diese reagierte sofort mit unmissverständlichem Fauchen. Mit weit aufgerissenen Maul, fauchte sie die Hyäne an, welche daraufhin erschrocken zurück wich. Aufmerksam behielt Giza den Aasfresser im Auge.
![]() ![]() ![]() Sekunden später war ich es der für weitere Spannung und Abenteuer sorgte. Bei dem Versuch in eine etwas bessere Position für meine Fotografen an Bord zu fahren, muss ich einen scharkantigen Stein am Pistenrand übersehen haben. Auf jeden Fall bemerkte ich beim Anfahren, dass wir erneut einen Platten Reifen hatten und zwar ebenfalls hinten rechts. Waren wir grundsätzlich gerne alleine mit Giza, waren wir nun froh zwei weitere Fahrzeuge in der Nähe zu haben. Nicht nur um einen kleinen Sichtschutz zu Giza zu erhalten, sondern vor allem, da wir ja immer noch keinen Radschlüssel an Bord hatten. Ohne irgendetwas zu fragen, hatte Jonathan Kaleo, ein alter Bekannter aus der Masai Mara, den genutzten Land Cruiser zwischen uns und Giza plaziert, uns seinen Radschlüssel überreicht und mit angefasst den Reifen zu wechseln. Natürlich mussten wir bei der Aktion in den Abendstunden auch immer die beiden Leoparden in unserer unmittelbaren Nähe im Auge behalten. Aber genauso wenig wie Zawadi sich beim Fressen stören ließ, konnten wir Giza aus der Ruhe bringen. Entspannt lag die schwarze Leopardin zwanzig Meter entfernt von den Fahrzeugen und beobachtete uns. Der Reifen wurde dieses Mal fast in Formel Eins Zeit gewechselt und wir hofften zumindest bis zum Camp keinen weiteren Ersatzreifen zu brauchen, den nun hatten wir zwei kapute Reifen am Heck.
Bis zum Einbruch der Dämmerung hatte Zawadi ihr Mahl noch nicht beendet, aber wir waren uns sicher, dass sie nichts für ihren Bruder zurücklassen würde, als wir selber die Beobachtung abrechen und zum Camp zurück kehren mussten. Auf direkten Weg fuhren wir im Konvoi mit zwei Fahrzeugen zurück zum Ol Gaboli Camp, wo Jonathan Kaleo mir nicht nur seinen Radschlüssel, sondern auch eines seinen seiner Ersatzreifen für die nächsten Tage überließ. Jonathan nutzte aktuell für seine Gäste einen Land Cruiser vom Ol Gaboli Camp, da sein eigener Wagen Probleme mit dem Getriebe hatte. Während das Ol Gaboli Team die Reifen austauschte ließen wir zusammen mit Jonathan und seinen sympathischen Gästen den Tag und meinen Geburtstag beim gemeinsamen Dinner ausklingen. Es wurde viel gelacht und zum krönenden Abschluss spielte William auf einer Nyati, bei der zwar einige Seiten fehlten, einige Lieder für mich und meine Gäste! Am Ende wurde es später als geplant und dementsprechend kurz war die Nacht.
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Der nächste Morgen begann dann weniger lustig. Als Petra und ich bereits damit beschäftigt waren den Land Cruiser herzurichten, die Seitenwände hoch zu rollen und Kamerataschen zu verstauen, erschien Buzen mit traurigem Gesicht neben dem Wagen und erzählte von Alexandras unschöner Nacht. Sie hatte sich vermutlich mit einem Becher Jogurt am Vortag den Magen verdorben. Da ich weiß, das Alexandra diesen, wie auch alle anderen Berichte, ließt, erspare ich ihr und euch weitere Einzelheiten. Es war ohnehin mit Sicherheit eine ihrer härtesten Entscheidungen in Kenya die sie bisher auf einer Safari getroffen hatte. Mama Chui war so angeschlagen, dass sie nicht mit uns raus fahren konnte und Buzen wollte natürlich bei seiner Frau bleiben. Selbstverständlich kümmerten wir uns nun erst einmal um die Versorgung und Betreuung von Alexandra und Buzen, dann informierte ich William, dass die geplante Ganztagespirsch nicht stattfindet und wir Mittags zurück im Camp sein werden.
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